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Angriff auf den US-Dollar: Chinas Masterplan für die neue Öl-Weltordnung

4 Min.
Angriff auf den US-Dollar: Chinas Masterplan für die neue Öl-Weltordnung

Der Handel mit Öl in US-Dollar ist keine gesetzliche Pflicht, sondern das Ergebnis einer politischen Vereinbarung aus dem Jahr 1974. Damals sicherten die USA Saudi-Arabien militärischen Schutz zu und im Gegenzug verpflichtete sich das Königreich dazu, sein Öl ausschließlich in US-Dollar zu verkaufen. Saudi-Arabien sorgte über seinen Einfluss in der OPEC zudem dafür, dass andere Förderländer diesem Muster folgten.

Die daraus entstandenen Öl-Dollar-Einnahmen flossen wiederum in US-Staatsanleihen zurück. So bildete sich ein System heraus, das dem US-Dollar seit über fünfzig Jahren seine globale Sonderstellung verschafft, aber auch die Vereinigten Staaten in die Lage versetzt, jede in US-Dollar abgewickelte Öltransaktion nachzuverfolgen und im Zweifel zu blockieren.

Dass diese Möglichkeit der USA, den Welthandel zu kontrollieren und zu steuern anderen Ländern missfallen muss, liegt auf der Hand. Ihre Suche nach Möglichkeiten, die Dollar-Dominanz zu brechen und am Ende zu beenden, war damit von Beginn an nur eine Frage der Zeit und gerade China arbeitet seit rund einem Jahrzehnt auf diesen Punkt sehr gezielt hin.

Ein Jahrzehnt der stillen Vorbereitung trägt seine Früchte

Bereits 2015 startete die Volksrepublik mit CIPS ein eigenes, von westlicher Aufsicht unabhängiges Zahlungssystem für grenzüberschreitende Überweisungen. 2018 folgte an der Börse in Shanghai ein in Yuan notierter Rohölkontrakt, der binnen kurzer Zeit zum drittgrößten gehandelten Ölkontrakt der Welt aufstieg, weil die beiden großen Staatskonzerne PetroChina und Sinopec als verlässliche Käufer für reichlich Liquidität sorgten.

Da der Yuan international nicht frei konvertierbar ist, ergänzte Beijing das System zusätzlich mit einer Absicherung über physisches Gold, das die Verkäufer für ihre Yuan über die Börsen in Shanghai und Hongkong erwerben können. Damit stand ein vollständiger, vom US-Dollar unabhängiger Kreislauf für das Öl, die Zahlung und den Werterhalt für Käufer und Verkäufer zur Verfügung.

Zunächst wurde das System allerdings nur in geringem Umfang genutzt. Das änderte sich in diesem Jahr jedoch grundlegend, denn der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ermöglichte etwas, was unter normalen Umständen wie eine offene geldpolitische Kampfansage an Washington gewirkt hätte.

Die Schließung der Straße von Hormus als Belastungstest

Als Reaktion auf die amerikanischen und israelischen Angriffe sperrte der Iran die Straße von Hormus, was Analysten zufolge das Risiko eines Anstiegs des Ölpreises auf bis zu 200 US-Dollar je Barrel heraufbeschwor. In dieser Lage konnte China seinen Rückgriff auf iranisches und russisches Öl, bezahlt in Yuan statt in US-Dollar, plötzlich als einen Beitrag zur globalen Stabilisierung darstellen.

Noch wenige Monate zuvor wäre dieselbe Praxis als eine Umgehung von US-Sanktionen gewertet und scharf kritisiert worden. Vor dem Hintergrund der gesperrten Seeverbindung erschien sie nun jedoch als ein notwendiger und sinnvoller Beitrag zur Entspannung der Lage.

Rückzug aus dem Dollar-System

Parallel dazu ist seit Jahren eine kontinuierliche Reduktion der von China gehaltenen US-Staatsanleihen zu beobachten. Von einem Höchststand von rund 1,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2013 sind die offiziell ausgewiesenen chinesischen Bestände laut dem US-Finanzministerium im Sommer 2026 auf unter 700 Milliarden US-Dollar gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit rund siebzehn Jahren.

Diese Entwicklung wird von Beobachtern häufig auf eine strategische Lehre aus dem Jahr 2014 zurückgeführt, als die USA den US-Dollar erstmals als Sanktionsinstrument gegen Russland einsetzten. Die bittere Erfahrung die Russland 2022 nach dem Überfall auf die Ukraine gemacht hat, als es rund 300 Milliarden Dollar an eigenen Zentralbankreserven quasi über Nacht eingefroren sah, dürfte diese Lehre in Beijing nochmals verstärkt haben.

Erste Nachahmer eines vorsichtigen Trends

Auch abseits der Volksrepublik China mehren sich im Energiesektor seit einigen Jahren die Anzeichen für einen vorsichtigen Trend weg vom reinen US-Dollar-Handel hin zu einem Handel in der eigenen Währung oder zumindest zu einer Drittwährung, die nicht der US-Dollar ist.

Pakistan hat russisches Rohöl bereits in chinesischen Yuan bezahlt, der Irak hat entsprechende Zahlungsabwicklungen mit China grundsätzlich zugelassen und selbst ein westlicher Energiekonzern hat ein Flüssigerdgasgeschäft testweise in Yuan abgerechnet.

Symbolisch bedeutsam war zudem der Kurswechsel Saudi-Arabiens, das sich 2024 nach einem Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping dem chinesischen Zahlungssystem CIPS anschloss. Damit vollzog ausgerechnet jenes Land eine klare Abkehr vom US-Dollar, das einst durch seine Bindung an den Dollar überhaupt erst das Fundament des Petrodollar-Systems gelegt hatte.

All diese Schritte blieben bislang jedoch vergleichsweise klein im Vergleich zum Gesamtvolumen des weltweiten Ölhandels. In der Gesamtschau lässt sich der Frühling und Sommer 2026 jedoch als ein Wendepunkt lesen, an dem China erstmals unter realen Bedingungen zeigen konnte, dass sich der Handel mit Öl auch dauerhaft und in erheblichem Umfang auch ohne den US-Dollar abwickeln lässt.

Ob sich daraus tatsächlich eine dauerhafte Verschiebung der globalen Finanzordnung ergibt, bleibt eine offene Frage, die noch von der Geschichte beantwortet werden muss. Als Beleg dafür, dass Alternativen zum Petrodollar-System praktisch bereits funktionieren, dürfte der diesjährige Konflikt um die Straße von Hormus aber gewiss in die Analysen aktueller und künftiger Beobachter der multipolaren Weltordnung eingehen.

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