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Die Straße von Hormus – Vier Katastrophen mit Ansage: 1. das Öl

3 Min.
Die Straße von Hormus – Vier Katastrophen mit Ansage: 1. das Öl

Stellen Sie sich vor, 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung verschwinden über Nacht einfach vom Markt, weil nur noch wenige Tropfen des schwarzen Goldes die Straße von Hormus passieren. Was im vergangenen Jahr noch nach einem abwegigen Gedankenexperiment geklungen haben mag, ist heute das reale Szenario am Golf.

Die Straße von Hormus ist gesperrt und das nun schon seit mehr als zwei Monaten und mit jedem Tag, an dem kein Schiff die wichtige Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman passieren kann, werden die Konsequenzen für die gesamte Welt immer dramatischer. Vor unseren Augen entwickelt sich gerade nicht mehr und nicht weniger als ein globaler Schock, der binnen Wochen sämtliche Wirtschaftsbereiche erfassen wird.

Die Zahlen sind bekannt, aber sie verlieren nie ihre Wirkung: Täglich passieren rund 17 bis 21 Millionen Barrel Rohöl die schmale Meerenge am Persischen Golf – das entspricht etwa 20 bis 21 Prozent des weltweiten Ölhandels. Saudi-Arabien, der Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Irak und Katar sind die wichtigsten Exporteure, die fast ausschließlich auf diesen Seeweg angewiesen sind.

Alternativen existieren zwar, aber sie haben nur eine begrenzte Kapazität und sie können dem maritimen Nadelöhr nichts von seiner katastrophalen Wirkung nehmen: Die Trans-Arabia-Pipeline und die Abu-Dhabi-Pipeline haben zusammen eine Kapazität von rund fünf bis sechs Millionen Barrel täglich. Das ist nur ein Bruchteil des Gesamtvolumens das bis Ende Februar noch durch die Straße von Hormus transportiert wurde. Der Rest des Öls hat schlichtweg keinen anderen Weg aus dem Persischen Gold als per Tanker durch die Straße von Hormus.

Ohne ausreichende Reserven und auch ohne Ausweg

In den ersten 72 Stunden passierte das, was zu erwarten war. Die Ölmärkte reagierten mit Panik. Schon die bloße Ankündigung einer Sperrung treibt den Preis pro Barrel in historisch unbekannte Höhen und die faktische Sperrung des Seewegs hat den Ölpreis in den letzten acht Wochen über die kritische Marke von 100 US-Dollar je Barrel ansteigen und dort verharren lassen.

Experten gehen davon aus, dass der Ölpreis noch weiter bis auf 150 bis 200 US-Dollar ansteigen wird, wenn nicht bald eine Lösung des Konflikts gefunden wird. Und man mag es kaum aussprechen: Diese Schätzungen könnten sich schnell als konservativ erweisen, wenn die Sperrung tatsächlich dauerhaft ist. Die strategischen Reserven der westlichen Länder decken bei Vollverbrauch 90 bis 120 Tage ab, doch sie sind nicht für einen Dauerbetrieb konzipiert.

Die gesellschaftlichen Folgen setzen schneller ein, als den meisten Menschen derzeit bewusst ist. Benzin und Diesel verteuern sich innerhalb von Tagen dramatisch. Das haben wir bereits erlebt. Aber damit endet die Geschichte noch lange nicht: Logistikunternehmen, Landwirte, Handwerksbetriebe – alle, deren Existenz an bezahlbaren Kraftstoffpreisen hängt, geraten sofort unter Druck.

Ein starker Anstieg der Inflation ist nur eine Frage der Zeit

Die Inflation schießt in die Höhe, und zwar nicht nur bei Energie, sondern bei allem, was transportiert, produziert oder geheizt werden muss. Schwellenländer, die keine strategischen Reserven besitzen und deren Währungen ohnehin unter Druck stehen, erleben binnen Wochen Versorgungsengpässe, der Rest etwas später.

Mittelfristig, also nach drei bis sechs Monaten, beginnt die eigentliche wirtschaftliche Zerrüttung. Die Industrieproduktion wird gedrosselt, Lieferketten brechen, Kurzarbeit und Entlassungswellen folgen. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen wie die Chemie-, Stahl- und Aluminiumindustrie.

Gleichzeitig werden Investitionen in alternative Energiequellen massiv beschleunigt. Das ist ein positiver Nebeneffekt, der jedoch kurzfristig keine Linderung bringt. Die geopolitischen Spannungen eskalieren, denn Länder, die um Energieressourcen konkurrieren, werden schnell zu gefährlichen Rivalen.

Die Straße von Hormus ist nicht irgendein Seeweg. Sie ist die Lebensader der modernen Industriegesellschaft. Diese Lektion wird die Welt in den nächsten Monaten erneut schmerzhaft lernen.

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