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Dip & Strike


Was bedeutet Dip & Strike?

„Dip & Strike", auf Deutsch „Fallen und Streichen", bezeichnet das in der Strukturgeologie etablierte Begriffspaar zur räumlichen Beschreibung der Orientierung einer geologischen Fläche – sei es eine Schicht, eine Verwerfung, ein Erzgang oder eine mineralisierte Zone. „Strike" beschreibt dabei die horizontale Linie, in der eine geneigte Fläche eine gedachte horizontale Ebene schneidet, ausgedrückt als Himmelsrichtung. „Dip" bezeichnet den Winkel, in dem die Fläche von der Horizontalen abweicht, gemessen senkrecht zur Streichrichtung. Im Mining-Kontext sind Dip & Strike die geometrische Grundsprache jeder Lagerstättenbeschreibung – ohne sie lässt sich weder eine Bohrkampagne planen noch eine spätere Erschließung wirtschaftlich auslegen, weshalb das Begriffspaar in nahezu jeder Pressemitteilung von Explorationsunternehmen vorkommt.

Technische Grundlagen und Messung

Die Messung von Dip & Strike erfolgt klassisch im Gelände mit einem Geologenkompass, der gleichzeitig Streichrichtung und Fallwinkel erfasst. Die Streichrichtung wird in Grad relativ zu Norden angegeben (z.B. 045° für Nordost-Streichen), der Fallwinkel in Grad zwischen 0° (horizontal) und 90° (vertikal), ergänzt durch die Fallrichtung als Himmelsrichtung. Eine vollständige Angabe lautet beispielsweise „Strike 045°, Dip 65° SE", was bedeutet, dass die Fläche in Nordost-Südwest-Richtung streicht und mit 65 Grad nach Südosten einfällt.

In der modernen Exploration werden Dip- und Strike-Daten durch dreidimensionale Modellierung ergänzt und verfeinert. Bohrkernorientierung mittels mechanischer oder elektronischer Verfahren ermöglicht die Bestimmung der Mineralisierungsorientierung auch in der Tiefe, wo Aufschlüsse fehlen. Geophysikalische Verfahren wie Magnetic Survey oder IP-Survey liefern strukturelle Lineamente, aus denen sich die Streichrichtung großräumiger Strukturen ableiten lässt. Geologische Modellierungssoftware wie Leapfrog oder Datamine integriert all diese Daten zu einem dreidimensionalen Modell der Lagerstättengeometrie, das die Grundlage für die spätere Bohrplanung und Ressourcenschätzung nach NI 43-101 oder JORC bildet.

Dip & Strike im Kontext von Exploration und Kapitalmarkt

In Pressemitteilungen begegnen Investoren dem Begriffspaar regelmäßig in der Beschreibung neuer Strukturen oder bei der Erweiterung bekannter Lagerstätten. Typische Formulierungen lauten „die Hauptmineralisierung streicht in 320° und fällt mit 70° nach Nordosten ein, offen entlang der Streichrichtung und in die Tiefe" oder „Folgebohrungen bestätigen die Geometrie der mineralisierten Zone mit konsistentem Dip von 55°". Diese Angaben sind nicht bloß technische Details – sie bestimmen unmittelbar, wo nachfolgende Bohrungen platziert werden müssen, wie viel Bohrmeter für die Erfassung der gesamten Lagerstätte erforderlich sind und ob ein späterer Tagebau oder Untertagebau die wirtschaftlich sinnvollere Erschließungsmethode darstellt.

Besonders relevant ist die Bohrlochorientierung relativ zum Dip & Strike der Mineralisierung. Bohrungen sollten möglichst orthogonal zur mineralisierten Fläche erfolgen, um die echte Mächtigkeit (True Width) korrekt zu erfassen. Verläuft eine Bohrung subparallel zum Dip, kann die gebohrte Länge die echte Mächtigkeit um ein Vielfaches überzeichnen – eine Quelle erheblicher Fehlinterpretationen. Seriöse Explorationsunternehmen veröffentlichen daher in ihren Bohrloch-Tabellen sowohl die gebohrte Länge als auch die geschätzte echte Mächtigkeit unter Angabe des relativen Winkels zwischen Bohrloch und Mineralisierungsfläche.

Dip & Strike als Schlüsselfaktor für Investoren

Für Investoren ist das Verständnis der Geometrie einer Lagerstätte ein zentraler Bewertungsfaktor. Eine flach einfallende Mineralisierung mit 20 bis 30 Grad Dip kann großflächig im Tagebau erschlossen werden, was niedrige AISC-Werte ermöglicht. Steil stehende Strukturen mit 70 bis 90 Grad Dip eignen sich dagegen typischerweise für selektive Untertage-Operationen mit höheren Stückkosten, aber oft auch höheren Gehalten. Die Strike Length – also die horizontale Erstreckung entlang der Streichrichtung – definiert das Mengenpotenzial, während der Dip die spätere Abbaumethode und damit die Kapitalintensität wesentlich beeinflusst.

Anleger sollten zudem die Konsistenz der Geometrie über die gesamte Lagerstätte prüfen. Mineralisierungen mit gleichmäßigem Dip & Strike über mehrere hundert Meter Bohrungen hinweg sind geometrisch besser modellierbar und führen zu zuverlässigeren Ressourcenschätzungen. Stark variable Geometrien mit wechselnden Streichrichtungen und Fallwinkeln – häufig in tektonisch komplex überprägten Regionen – erschweren die Modellierung erheblich und führen typischerweise zu höheren Klassifizierungsabschlägen in der Ressourcenkategorisierung. Im späteren Verlauf eines Projekts, etwa in der Feasibility Study, übersetzt sich diese geometrische Komplexität direkt in höhere geplante Bohrdichten, höhere Verwässerungsraten im Abbau und damit in geringere Margen.

Beispielhafte Entwicklung: G Mining Ventures am Tocantinzinho-Projekt in Brasilien

Ein anschauliches Beispiel für die wirtschaftliche Bedeutung der Lagerstättengeometrie liefert G Mining Ventures mit dem Tocantinzinho-Goldprojekt im brasilianischen Bundesstaat Pará. Die mineralisierte Zone weist eine vergleichsweise einfache Geometrie auf – eine breite, moderat einfallende Granitintrusion mit konsistentem Dip & Strike über mehrere Hundert Meter Strike Length. Diese geometrische Einfachheit ermöglichte eine effiziente Bohrplanung, eine belastbare Ressourcenschätzung und letztlich eine Feasibility Study mit attraktiven AISC-Werten unter 700 USD pro Unze. Die Mine ging 2024 in Produktion, deutlich schneller und budgetgerechter als vergleichbare Projekte mit komplexerer Geometrie. Der Aktienkurs entwickelte sich von rund 0,50 CAD im Jahr 2021 auf zeitweise über 14 CAD im Jahr 2024 – ein Beispiel dafür, wie geometrisch saubere Lagerstätten den gesamten Wertschöpfungsprozess von der Exploration bis zur Produktion strukturell vereinfachen.

Fazit: Dip & Strike als geometrische Grundsprache der Lagerstättenbewertung

Dip & Strike sind das fundamentale Vokabular jeder Lagerstättenbeschreibung und damit ein unverzichtbares Werkzeug für die Bewertung von Explorations- und Entwicklungsprojekten. Sie definieren die räumliche Orientierung der Mineralisierung, bestimmen die Bohrstrategie, beeinflussen die spätere Abbaumethode und prägen die Wirtschaftlichkeit jedes nachfolgenden Schritts. Wer als Rohstoff-Investor die Bedeutung des Begriffspaars versteht, kann Pressemitteilungen geometrisch einordnen, die Plausibilität von Bohrkampagnen prüfen und die Komplexität späterer Erschließungen realistisch einschätzen – eine grundlegende Kompetenz, ohne die seriöse Investmententscheidungen im Junior-Mining-Sektor kaum möglich sind.

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