Der Goldpreis legt eine Atempause ein. Mit dem Rutsch unter 4.500 US-Dollar je Unze testet das Edelmetall aktuell seinen 200-Tage-Durchschnitt – eine charttechnisch entscheidende Bastion. Auslöser dieser Schwächeperiode sind wieder aufgeflammte Zinssorgen. Doch Tom Winmill, Portfoliomanager des Midas Discovery Fund, warnt davor, sich von der kurzfristigen Volatilität blenden zu lassen. Im Gespräch mit Kitco News betonte er: Die strukturellen Treiber für Gold und ausgewählte Minenaktien bleiben intakt.
Zinssorgen vs. fundamentale Stärke
Wachsende Inflationsängste schüren am Markt Erwartungen auf weitere Zinsschritte bis zum Jahresende. Dies belastet naturgemäß das zinslose Gold. Dennoch sieht Winmill im aktuellen Rücksetzer an die 200-Tage-Linie keinen Bruch des Aufwärtstrends.
Seine Zuversicht stützt sich auf robuste Fundamentaldaten, allen voran die anhaltend hohe Nachfrage der Zentralbanken. Hinzu kommen tiefgreifende Veränderungen im globalen Währungsgefüge. Die sogenannte „Weaponization“ des US-Dollars und Bestrebungen zur Entdollarisierung kratzen zunehmend am Status des Greenbacks als unangefochtene Reservewährung. Ein langfristig schwächelnder Dollar würde dem Goldpreis zusätzlichen Rückenwind verleihen.
Der entscheidende Faktor: Reale Zinsen
Ein weiteres zentrales Argument für Gold sieht Winmill im Zusammenspiel von Inflation und Wirtschaftswachstum. Zwar zeigen sich die Notenbanken rhetorisch entschlossen im Kampf gegen die Teuerung, doch Winmill bezweifelt, dass sie die Zügel so stark anziehen werden, um eine tiefe Rezession zu riskieren.
Die Folge: Die realen Zinsen dürften niedrig bleiben oder sogar weiter sinken. Dieses Umfeld sinkender Haltekosten ist historisch gesehen ein idealer Nährboden für Sachwerte. Gold profitiert in diesem Szenario doppelt – als klassischer sicherer Hafen in unsicheren Zeiten und durch das günstige reale Renditeumfeld. Geopolitische Risiken und anhaltender Inflationsdruck stützen diese These zusätzlich.
Minenaktien: Solide Bilanzen statt Kostenpanik
Die Goldpreisschwäche und steigende Kosten haben auch bei Minenaktien Spuren hinterlassen. Winmill hält die Sorgen um die Profitabilität jedoch oft für überzogen. Besonders Untertagebetriebe seien weniger abhängig von Treibstoffkosten und hätten sich längst mit alternativen Energien positioniert.
Die Branche präsentiert sich laut Winmill fundamental gesünder denn je: Rekordwerte beim freien Cashflow, gestärkte Bilanzen und einige der stärksten Ergebnisse der letzten Jahre. Zwar können steigende Royalties, höhere Löhne und Finanzierungskosten die Margen drücken, doch die Ausgangslage ist deutlich besser als in früheren Zyklen.
Zudem sei der Druck zu teuren Übernahmen gesunken, da höhere Goldpreise die bestehenden Reserven bereits aufgewertet haben.
Für Investoren lautet das Fazit: Der Gold-Bullenmarkt ist nicht vorbei, er holt lediglich Luft. Der tiefste Punkt im Bewertungszyklus der Minenaktien dürfte überschritten sein.
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