Gold und Silber haben sich nach den deutlichen Verlusten zur Wochenmitte stabilisiert, profitieren vorerst maßgeblich von einem schwächeren US-Dollar und leicht gesunkenen Anleiherenditen. Da die zehnjährigen US-Staatsanleihen auf 4,4 Prozent nachgaben, verringerte sich der Druck auf die zinslosen Edelmetalle.
Gestützt wurde diese Entwicklung durch moderate PCE-Inflationsdaten, die im Mai um 0,4 Prozent zum Vormonat stiegen. Marktteilnehmer werten die aktuelle Aufwärtsbewegung dennoch primär als Short-Covering und weniger als schnelle, nachhaltigen Trendwechsel. Die jüngsten Signale der Federal Reserve dämpfen die Hoffnungen auf eine breit getragene Erholung: Zwar beließ der Offenmarktausschuss den Leitzins konstant bei 3,50 bis 3,75 Prozent, jedoch korrigierte die Fed ihre Zinserwartung für 2026 auf 3,8 Prozent und die Inflationsprognose auf 3,6 Prozent nach oben. Dieses Umfeld anhaltend hoher Zinsen hält die Zinssensibilität der Anleger hoch.
Gold: Straße von Hormus ein unberechenbarer Faktor
Neben der Geldpolitik bleibt die Lage an der Straße von Hormus ein unberechenbarer Preistreiber. Nachdem sich die Situation durch zunehmenden Tankerverkehr zunächst entspannt hatte und Rohöl der Sorte Brent zeitweise auf 72,24 US-Dollar abrutschte, sorgte ein erneuter Angriff auf ein Frachtschiff im späten Handel für eine rasche Trendwende. Die Ölpreise zogen umgehend an, was auch die Nachfrage nach Gold als geopolitischen sicheren Hafen wieder aufleben ließ. Die Meerenge ist damit zwar kein unmittelbarer Schockfaktor mehr, rechtfertigt aber weiterhin einen Risikoaufschlag in den Kursen.
Charttechnisch entscheidet sich die weitere Richtung beim Goldpreis nun an der Widerstandszone zwischen 4.020 und 4.040 US-Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch könnte den Weg in Richtung 4.180 und anschließend 4.200 US-Dollar öffnen. Scheitert der Vorstoß, liegt die nächste signifikante Unterstützung bei 3.950 US-Dollar, gefolgt von tieferen Auffangmarken bei 3.900 und 3.880 US-Dollar. Silber muss den Widerstand bei 59,00 US-Dollar überwinden, um weiteres Potenzial bis 61,00 und 62,00 US-Dollar freizusetzen. Auf der Unterseite dient die Zone um 56,00 bis 57,00 US-Dollar als zentrales Auffangbecken. Ob die Edelmetalle ihre jüngste Gegenbewegung ausbauen können oder ob es sich lediglich um eine technische Pause im Abwärtstrend handelt, hängt nun maßgeblich von der Rückeroberung dieser entscheidenden Chartmarken ab.
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