Die erste Zinssitzung der US-Notenbank unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh versetzte dem Goldpreis zunächst einen deutlichen Dämpfer. Doch bereits am Folgetag wendete ein von US-Präsident Donald Trump unterzeichnetes Interimsabkommen mit dem Iran das Blatt. Der dadurch ausgelöste Preisrückgang am Ölmarkt dämpfte die Inflationssorgen und ließ Gold seine anfänglichen Verluste zum Teil aufholen.
Zwar beließ der Offenmarktausschuss der Federal Reserve den Leitzins erwartungsgemäß und einstimmig im Korridor von 3,50 bis 3,75 Prozent – diesmal schloss sich sogar Stephen Miran, der zuvor stets für Senkungen gestimmt hatte, der Mehrheit an. Die neuen Zinsprojektionen offenbarten jedoch eine deutliche geldpolitische Wende. Neun der 19 Fed-Mitglieder halten noch im laufenden Jahr eine Zinserhöhung für erforderlich, wobei sechs davon sogar Schritte von mehr als 25 Basispunkten anvisieren. Noch vor drei Monaten hatte niemand im Ausschuss mit einer Straffung gerechnet. Aktuell sieht nur ein einziges Mitglied Raum für Zinssenkungen.
Die Fed begründet diese restriktive Haltung mit einer anhaltend robusten Wirtschaft, starkem Produktivitätswachstum und einer hartnäckigen, angebotsgetriebenen Inflation, insbesondere im Energiesektor. Infolgedessen geriet Gold unmittelbar nach der Sitzung unter Druck, fiel auf 4.290,52 US-Dollar je Unze und verbuchte Tagesverluste von knapp einem Prozent.
Die Sorge vor steigenden Zinsen, dem klassischen Gegenwind für das zinslose Edelmetall, währte jedoch nur kurz. Mit der Unterzeichnung des US-Iran-Interimsabkommens brachen die Ölpreise ein. Dies entzog den Zinssorgen der Märkte ihren wichtigsten Treiber: den vom Energiesektor ausgehenden Inflationsdruck. Infolge der geopolitischen Entspannung machte Gold wieder etwas Boden gut. Ausgelöste Eindeckungskäufe (Short-Covering) im Terminmarkt verstärkten diese Aufwärtsbewegung zusätzlich.
Die jüngsten Marktreaktionen verdeutlichen die hohe Sensibilität des Goldpreises für das enge Zusammenspiel von Geopolitik, Energiekosten und Geldpolitik. In diesem Spannungsfeld rückt auch eine alternative Notenbankstrategie in den Fokus: Die Fed könnte unter Warsh künftig versuchen, die Finanzierungsbedingungen stärker über einen beschleunigten Bilanzabbau anstatt über direkte Leitzinserhöhungen zu straffen. Für Goldanleger bleibt die entscheidende Variable vorerst jedoch der Ölpreis. Bleibt dieser durch die Entspannung im Nahen Osten gedeckelt, gewinnt die Fed geldpolitischen Spielraum, was dem Goldpreis weiteren Auftrieb verleihen dürfte.
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