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Goldpreis im Stagflationsdilemma: US-Schwäche trifft Hormuz-Krise

2 Min.
Goldpreis im Stagflationsdilemma: US-Schwäche trifft Hormuz-Krise

Ein rissiges Fundament des US-Wachstums gepaart mit klebriger Inflation und neuen Spannungen an der Straße von Hormuz verschärfen das makroökonomische Dilemma der US-Notenbank. Für Sachwert-Allokatoren lieferte dieser Datenmix jüngst ein klares Signal: Während die Aktienmärkte die geldpolitische Unsicherheit verdauen müssen, verzeichneten die Edelmetalle deutliche Zuwächse. Spot-Gold erholte sich spürbar, und das industriell mitgeprägte Silber legte noch dynamischer zu.

US-Wachstum knickt ein – Inflation bleibt heiß

Die US-Konjunktur verliert schneller an Dynamik als erwartet. Das Wirtschaftswachstum für das erste Quartal wurde von den zuvor gemeldeten 2,0 % deutlich auf annualisiert 1,6 % nach unten revidiert. Diese Abkühlung nahm kurzfristig Druck von den Anleiherenditen. Demgegenüber steht eine unnachgiebige Teuerungsrate, die der Federal Reserve Kopfzerbrechen bereitet:

  • Der PCE-Preisindex für April stieg im Monatsvergleich um 0,4 % und verharrt im Jahresvergleich bei heißen 3,8 %.
  • Der für die Geldpolitik entscheidende Kern-PCE-Index (ohne Nahrungsmittel und Energie) legte monatlich um 0,2 % und jährlich um 3,3 % zu.

Beide Indikatoren verharren damit weit über dem offiziellen Stabilitätsziel von 2 %. Für den Goldpreis gab am Donnerstag vor allem das Zusammenspiel den Ausschlag: Die Kombination aus schwächerem Wachstum und einem leicht abgekühlten monatlichen Kern-PCE-Wert linderte die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen, was den Dollar-Index (-0,1 % auf 99,16) sowie die Renditen der 10-jährigen US-Anleihen leicht sinken ließ. Da physische Edelmetalle keine Zinsen abwerfen, stieg ihre relative Attraktivität durch diese Stabilisierung.

Geopolitisches Pulverfass an der Straße von Hormuz

Neben der US-Geldpolitik treibt das geopolitische Risiko an der Straße von Hormuz die Risikoprämien an den Märkten. Die kritische Seestraße, über die ein Großteil der globalen Rohölexporte abgewickelt wird, bleibt hart umkämpft. In den vergangenen 48 Stunden hielten anhaltende Gefechte im Seegebiet die Volatilität hoch. Zwar wird derzeit über einen vorläufigen 60-tägigen Rahmenplan verhandelt, der eine Verlängerung der Waffenruhe, eine gebührenfreie Wiederöffnung der Schifffahrtswege und eine Wiederaufnahme der Nukleargespräche vorsieht – eine finale Einigung steht jedoch aus.

Für den Sachwertesektor ergeben sich daraus zwei gegenläufige Effekte: Eine diplomatische Lösung würde den Ölpreis dämpfen und Inflationssorgen mindern, was den Dollar schwächen und Edelmetalle stützen könnte. Eine weitere militärische Eskalation hingegen würde die Energiepreise (WTI aktuell bei 88,90 USD, Brent bei 92,72 USD) und damit die globale Inflation weiter anheizen, was die Fed zu einem restriktiven Kurs zwingt.

Fazit: Der Goldpreis bleibt kurzfristig in der Schere zwischen schwächelnden US-Wirtschaftsdaten und geopolitisch getriebenen Inflationsrisiken gefangen. Das Fundament für harte Sachwerte präsentiert sich in diesem stagflationären Umfeld jedoch äußerst robust.

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