Der Goldpreis zeigt sich am Donnerstagvormittag in einer Phase der Stabilisierung. Nach dem jüngsten Rücksetzer auf ein Mehrwochentief notiert das Edelmetall an den internationalen Märkten wieder fester. Die Feinunze Gold wird aktuell bei rund 4.537 US-Dollar gehandelt, was in Euro umgerechnet etwa 3.914 EUR pro Unze entspricht. Damit baut der Goldpreis die Erholung aus, die nach dem Mehrwochentief vom 19. Mai eingesetzt hatte: An jenem Tag fiel der Spotpreis laut CNBC um mehr als 2 % auf 4.474 USD je Unze und damit auf das niedrigste Niveau seit dem 30. März.
Seit dem Allzeithoch bei 5.602,22 USD je Unze von Ende Januar 2026 hat der Goldkurs damit deutlich Federn gelassen. Ausgelöst wurde die Korrektur in erster Linie durch den seit Ende Februar schwelenden Iran-Konflikt. Anders als von vielen Marktteilnehmern erwartet, wirkte der geopolitische Schock nicht als klassischer Treiber für sichere Häfen. Stattdessen führte die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus zu einem Ölpreisschock, der wiederum Inflationssorgen schürte. Der Goldpreis ist seit Beginn des Iran-Konflikts um rund 12 % gefallen – Belastungsfaktoren waren ein stärkerer Dollar, höhere Anleiherenditen und zurückgedrängte Erwartungen an Fed-Zinssenkungen.
ING-Strategin Manthey: 5.000 USD bis Jahresende realistisch
Trotz dieser Belastungen bleibt der mittelfristige Ausblick für den Goldpreis konstruktiv. Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei der ING, projiziert in ihrem jüngsten Ausblick einen Goldpreis von 5.000 USD je Unze bis Jahresende, gestützt durch Zentralbanknachfrage und sich verbessernde ETF-Zuflüsse. Der jüngste Preisrückgang sei vor allem das Ergebnis temporärer Makro-Gegenwinde – höhere Ölpreise, ein festerer US-Dollar und erhöhte Realrenditen.
Sobald der Krieg zu einem Ende komme, sollte sich Golds fundamentale Unterstützung wieder durchsetzen, so Manthey gegenüber deVere Insights. Auf Sicht der kommenden Monate hält die ING-Expertin ein Aufwärtspotenzial von rund sechs Prozent für realistisch. Damit liegt ING nicht allein: Eine aktuelle Reuters-Umfrage unter 31 Edelmetallanalysten ergab eine mittlere Prognose von 4.916 USD für 2026. Noch optimistischer ist das Rohstoffteam von Goldman Sachs: Die Bank um Daan Struyven rechnet damit, dass Gold bis Ende 2026 auf 5.400 US-Dollar je Feinunze steigt.
Zentralbanken und ETF-Zuflüsse als zentrale Treiber
Getragen wird der bullische Ausblick vor allem von zwei Säulen. Zum einen halten die Notenbanken weltweit an ihrer Kaufstrategie fest: Die People's Bank of China stockte ihre offiziellen Goldreserven im April um 8 Tonnen auf – die größte Einzelaufstockung seit 15 Monaten. Auf einer jüngsten Goldman-Sachs-Notenbankkonferenz erklärten rund 70 Prozent der befragten Notenbanken, weltweit steigende Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten zu erwarten – etwa derselbe Anteil rechnet mit einem Goldpreis oberhalb von 5.000 US-Dollar binnen eines Jahres.
Zum anderen verzeichnen die global gelisteten Gold-ETFs trotz steigender Inflationssorgen wieder frische Mittelzuflüsse. Auch in den physischen Märkten Asiens bleibt die Nachfrage robust: Die Prämien in Shanghai blieben während des Ausverkaufs vom Dienstag durchgehend positiv gegenüber dem Londoner Spotpreis und zeigten, dass der weltweit größte physische Goldmarkt das Angebot zu tieferen Preisen aufnahm.
Für die kommenden Tage richtet sich der Blick der Anleger auf den US-Flash-PMI und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die am 22. Mai 2026 erwartet werden – schwächere Werte würden typischerweise in Zinssenkungserwartungen der Federal Reserve einfließen. Sollten die Daten enttäuschen, könnte der Goldpreis seine Aufwärtsbewegung beschleunigen.
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