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Goldpreis-Rallye nur vertagt: Analysten sehen 4.800 USD zum Jahresende

3 Min.
Goldpreis-Rallye nur vertagt: Analysten sehen 4.800 USD zum Jahresende

Obwohl der Iran-Krieg, eine schwelende Energiekrise und steigende Inflation eigentlich das perfekte Umfeld für sichere Häfen bieten, tritt Gold derzeit unter der Marke von 4.500 US-Dollar je Feinunze auf der Stelle. Für Rohstoffinvestoren gleicht dieses Verhalten einem Paradoxon. Doch laut einer aktuellen Analyse der Commerzbank gibt es dafür einen klaren Grund: eine Verschiebung der US-Zinserwartungen. Für weitsichtige Anleger bedeutet dies: Die nächste Aufwärtswelle bei Gold ist nicht abgesagt – sie verschiebt sich lediglich.

Der Zins-Schock: Märkte preisen überraschend Erhöhungen ein

Die Erklärung für die aktuelle Preisbremse liegt in der Geldpolitik der US-Notenbank (Fed). Noch vor Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten ging der Markt von Zinssenkungen um rund 50 Basispunkte im laufenden Jahr aus. Der kriegsbedingte Anstieg der Ölpreise hat diese Erwartungshaltung jedoch pulverisiert.

Ein Blick auf die Fed-Funds-Futures zeigt die Kehrtwende: Mittlerweile wird ein US-Leitzins von etwa 3,8 Prozent zum Jahresende signalisiert. Da der effektive Fed-Zins aktuell bei etwas über 3,6 Prozent notiert, preisen die Akteure faktisch eine baldige Zinserhöhung ein. Das CME FedWatch Tool beziffert die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im Dezember auf über 50 Prozent. Spätestens bis zum Frühjahr 2027 ist eine Anhebung um 25 Basispunkte im Markt vollständig verarbeitet. Diese gestiegenen Opportunitätskosten belasten den Goldpreis kurzfristig schwer.

Das Commerzbank-Szenario: 8 Prozent Aufwärtspotenzial bis Jahresende

Trotz dieses Gegenwinds sieht die Commerzbank attraktives Potenzial, passt jedoch ihr Timing an. Das Jahresendziel für Gold wurde zwar von 5.000 auf 4.800 US-Dollar gesenkt, was vom aktuellen Niveau aus aber immer noch einem soliden Anstieg von rund 8 Prozent entspricht.

Das Basisszenario der Analysten geht von einer zweimonatigen geopolitischen Übergangsphase aus. Danach rechnet die Bank mit einer Wiederöffnung der Straße von Hormus. Die logische Konsequenz: Sinkende Preise für Brent-Rohöl, ein abflachender Inflationsdruck und ein Zurückweichen der derzeit aggressiven Zinserwartungen.

Interessant für Investoren: Entgegen der aktuellen Marktpositionierung glaubt die Commerzbank nicht an eine reale Leitzinserhöhung in diesem Jahr. Die Experten erwarten stattdessen unveränderte Zinsen und sehen den nächsten echten geldpolitischen Schritt in einer Senkung – frühestens jedoch im zweiten Quartal 2027.

Die fundamentalen Treiber bleiben stark (Ziel 2027: 5.200 USD)

Weil das übergeordnete Makro-Bild intakt bleibt, hält die Commerzbank unbeirrt an ihrer langfristigen Prognose von 5.200 US-Dollar je Feinunze bis Ende 2027 fest. Die zeitliche Verzögerung ändert nichts an den massiven strukturellen Treibern:

  • Die grassierende und rasch wachsende US-Staatsverschuldung erzwingt relativ zur Inflation eine zu lockere Geldpolitik.
  • Das schwindende Vertrauen in den US-Dollar als Leitwährung befeuert weiterhin die Goldkäufe der Zentralbanken.
  • Das strategische Interesse privater und institutioneller Investoren an Sachwerten bleibt ungebrochen hoch.

Silber im Sog: Industrielle Schwäche drückt den Preis

Parallel zum Gold hat die Bank auch ihre Erwartungen für Silber angepasst. Das Jahresendziel wurde auf rund 80 US-Dollar je Feinunze korrigiert. Neben dem gedämpften Goldpreis drückt hier vor allem die schwächelnde physische Nachfrage auf die Kurse.

Das Silver Institute rechnet damit, dass die industrielle Silbernachfrage das zweite Jahr in Folge schrumpft und ein Vierjahrestief erreicht. Dennoch bleibt das fundamentale Angebot-Nachfrage-Verhältnis des Silbermarktes angespannt. Daher erwartet die Commerzbank für das kommende Jahr wieder anziehende Notierungen und prognostiziert für Ende 2027 einen Silberpreis von rund 90 US-Dollar je Feinunze (zuvor 95 US-Dollar).

Fazit: Sowohl bei Gold als auch bei Silber verschieben sich die großen Ausbrüche nach Aussicht der Bank zeitlich nach hinten. Da die langfristigen fundamentalen Argumente jedoch unverändert stark bleiben, könnte die aktuelle Konsolidierungsphase für strategische Anleger eine attraktive Einstiegsgelegenheit bieten, bevor die Zinswende tatsächlich greift.

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