Antizyklische Käufe stützen die Bodenbildung
Der jüngste Preisrücksetzer am Goldmarkt hat bei den Zentralbanken gezielte Zukäufe ausgelöst. In einer Phase technischer Schwäche, in der der Goldpreis seine 200-Tage-Linie bei 4.500 US-Dollar je Unze unterschritt und temporär unter die Marke von 4.000 US-Dollar fiel, sehen Analysten zunehmend eine tragfähige Bodenbildung. Diese wird maßgeblich durch die antizyklische Nachfrage des offiziellen Sektors gestützt. Besonders die People’s Bank of China nutzte die Gelegenheit und erwarb im vergangenen Monat 15 Tonnen. Dies markiert den größten monatlichen Zukauf in diesem Jahr und den 20. Monat in Folge mit steigenden Reserven. Laut dem World Gold Council summieren sich Chinas offizielle Bestände damit auf 2.346 Tonnen, was einem Zuwachs von gut 40 Tonnen seit Jahresbeginn entspricht.
Internationale Diversifikation jenseits von China
Neben China treten auch andere Nationen massiv als Großkäufer auf dem Goldmarkt auf. Usbekistan stockte seine Reserven im Juni um weitere 9 Tonnen auf und positioniert sich mit 41 Tonnen seit Jahresbeginn derzeit als zweitgrößter Käufer. Spitzenreiter bleibt auf Basis der Daten bis Mai jedoch die Nationalbank Polens mit Nettozukäufen von beachtlichen 64 Tonnen. Dies unterstreicht, dass das institutionelle Interesse geografisch breit gefächert ist und Rücksetzer global zum strategischen Bestandsaufbau genutzt werden.
Entdollarisierung als langfristiger Katalysator
Obwohl einige Staaten ihre Goldbestände zuletzt monetarisieren mussten, um Währungen im Zuge der durch den Iran-Konflikt ausgelösten globalen Energiekrise zu stützen, dürfte die institutionelle Nachfrage im zweiten Halbjahr wieder anziehen. Experten verweisen dabei auf den unangefochtenen Trend zur Entdollarisierung. Sobald ölproduzierende Länder wieder höhere Einnahmen verzeichnen, wird erwartet, dass dieses Kapital weniger in US-Staatsanleihen und stattdessen verstärkt in den Goldmarkt fließt. Für Zentralbanken weltweit bleibt das Edelmetall somit ein essenzieller strategischer Reservebaustein, dessen langfristiger Aufbau bei Preisrückgängen konsequent vorangetrieben wird.
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