Der Goldpreis hat mit dem Rutsch unter seinen 200-Tage-Durchschnitt ein technisches Warnsignal generiert. Sollten die kommenden US-Inflationsdaten die Erwartung langanhaltender hoher Zinsen zementieren, droht dem Edelmetall laut Marktbeobachtern eine Ausweitung der Korrektur bis auf 4.000 US-Dollar je Unze. Während das kurzfristige Momentum klar angeschlagen ist, bleibt die langfristige, strukturelle Investmentthese für das gelbe Metall nach Meinung vieler Beobachter jedoch unangetastet.
Technischer Ausverkauf beschleunigt sich
Nachdem sich der Goldpreis nicht dauerhaft über der Marke von 4.500 US-Dollar etablieren konnte, hat der anschließende Bruch der viel beachteten 200-Tage-Linie den Verkaufsdruck spürbar verschärft. Die Analysten von FOREX.com sehen zum Beispiel das kurzfristige Chartbild dadurch nachhaltig beschädigt. Als nächste kritische Bastion auf der Unterseite gilt nun eine langfristige Aufwärtstrendlinie im Bereich von 4.230 US-Dollar, gefolgt von den Jahrestiefs aus dem März bei rund 4.100 US-Dollar.
Sollte auch diese Zone fallen, fehlt es dem Markt an soliden charttechnischen Haltepunkten, was einen Rücksetzer bis an die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar wahrscheinlich macht. Ein Blick auf das historische Muster im September 2023 zeigt die Relevanz dieses Signals: Damals sackte der Kurs nach dem Bruch der 200-Tage-Linie um weitere 5 Prozent ab. Ob die Bären die Kontrolle behalten, entscheidet sich somit primär an der Schlüsselzone zwischen 4.230 und 4.100 US-Dollar.
US-Inflation und restriktive Fed als Belastungsfaktoren
Der fundamentale Gegenwind für das unverzinste Edelmetall kommt primär von der US-Geldpolitik. Mit Spannung wird der anstehende US-Verbraucherpreisindex erwartet, bei dem für die Kerninflation ein Plus von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert wird. Ein heißerer Datenpunkt dürfte die Erwartung untermauern, dass die Federal Reserve die Zinsen länger auf hohem Niveau belassen muss, was den US-Dollar stärkt und Gold über steigende Opportunitätskosten (Renditen von US-Staatsanleihen) belastet.
Auch andere Analysten rechnen angesichts des robusten US-Arbeitsmarktes und des zähen Inflationsdrucks kurzfristig mit einer anhaltend volatilen Entwicklung mit moderater Abwärtstendenz. Solange die Anleiherenditen hoch bleiben und Zinssenkungshoffnungen schwinden, dürften nur extreme geopolitische Verwerfungen in der Lage sein, diesen makroökonomischen Trend umzukehren.
Strukturelle Triebfedern stützen das langfristige Bild
Trotz des eingetrübten kurzfristigen Setups raten Experten davon ab, die langfristige Perspektive aus den Augen zu verlieren. Man verweist auf die anhaltende Diversifizierung der globalen Zentralbankreserven, mit der Notenbanken weltweit ihre Goldbestände aufstocken, um gezielt die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Zudem wirken die drastisch steigende Staatsverschuldung, fiskalische Risiken der großen Industrienationen sowie die geopolitische Instabilität als verlässliche, strategische Nachfragetreiber.
Es wird in diesem Zusammenhang betont, dass die fundamentale Investmentthese unangetastet bleibt. Die systemischen Risiken im weltweiten Finanzsystem und der reale Inflationsdruck bestehen fort. Am Goldmarkt prallen somit derzeit zwei unterschiedliche Zeithorizonte aufeinander: Während das charttechnische Bild und das Zinsumfeld kurzfristig für weitere Turbulenzen sprechen, bleibt Gold auf lange Sicht durch Zentralbankkäufe und systemische Währungsrisiken abgesichert.
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