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JP Morgan mit $1,5-Billionen-Plan – Echter Turbo für Bergbau-Aktien?

4 Min.
JP Morgan mit $1,5-Billionen-Plan – Echter Turbo für Bergbau-Aktien?

Wenn die größte Bank der USA verkündet, sie wolle 1,5 Billionen US-Dollar in Bewegung setzen, spitzen erfahrene Anleger die Ohren. Kein Wunder, denn JP Morgan beschäftigt rund 320.000 Mitarbeiter, setzte im Jahr 2025 etwa 182 Milliarden US-Dollar um und verdiente dabei 57 Milliarden.

Im Oktober 2025 startete das Institut seine „Security and Resiliency Initiative“, Mitte Oktober 2026 bekam die Rohstoffsparte mit Andrew Frame einen eigenen Chef. Rasch war von einem Turbo für Bergbauaktien die Rede. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Die Geschichte ist spannender, aber auch nüchterner als es auf den ersten Blick erscheint.

Die Zahl hinter den Zahlen

Die 1,5 Billionen US-Dollar sind für sich betrachtet eine beeindruckende Zahl, doch sie verteilen sich auf zehn Jahre. Rund eine Billion davon hätte die Bank nach eigener Darstellung ohnehin erwartet, neu sind also „nur“ bis zu 500 Milliarden US-Dollar. Es geht dabei überwiegend um Kredite, Anleihebegleitung, Vermittlung und Beratung.

Eigenes Kapital steckt die Bank mit bis zu zehn Milliarden US-Dollar in die Initiative, das sind weniger als ein Prozent der Gesamtsumme und einen Bergbaufonds gibt es anders als vielfach behauptet wird nicht. Das Programm umfasst vier Schwerpunkte mit 27 Teilbereichen, von Drohnen über Batteriespeicher bis hin zu Künstlicher Intelligenz und Quantencomputern. Die kritischen Mineralien sind dabei ein Posten unter vielen und sie konkurrieren mit den anderen um dasselbe Geld.

Warum ausgerechnet Metalle?

Weil der Westen bei ihnen verwundbar ist. Konzernchef Jamie Dimon sagt, die USA seien zu abhängig von unzuverlässigen Quellen. Eine Analyse des hauseigenen Center for Geopolitics vom April 2026 liefert die Zahlen: Die Vorkommen sind über die Welt verteilt, aber der Abbau und vor allem die Verarbeitung konzentrieren sich in China. Bei 13 von 58 als kritisch eingestuften Mineralien waren die USA 2025 vollständig auf Importe angewiesen, bei 20 weiteren zu mehr als der Hälfte.

Aber: Seltenerdoxide kosten in den USA bei gleichen Einsatzkosten rund 70 Prozent mehr als in China. Das Rezept lautet deshalb nicht, alles selbst zu fördern, sondern die Lieferwege vielmehr breiter zu streuen. Partner wie Australien, Kanada und Japan gilt es, besser einzubinden, mehr Raffinerien zu errichten und für mehr Recycling zu sorgen.

An dieser Stelle helfen bereits kleine Schritte weiter, denn die Bank hat ermittelt, dass Beijings Hebelwirkung schwindet, wenn alternative Quellen etwa 30 Prozent des Angebots abdecken. Langfristig könnten ein ausgebautes Recycling und eine verbesserte Effizienz den Bedarf um bis zu 40 Prozent senken.

Was ist bisher passiert?

Nach einem Jahr meldet die Bank mehr als 188 Milliarden US-Dollar finanziert und vermittelt zu haben. Jamie Dimon selbst sprach von „wahrscheinlich über 200“ Millionen US-Dollar. Allerdings gilt diese Summe für alle Sektoren und eine genaue Aufschlüsselung wurde nicht vorgelegt.

Die Investmentgruppe der Bank hat laut einem Marktkommentar rund fünf Milliarden US-Dollar in zehn Unternehmen gesteckt, bei etwa 350 Anfragen. Ein Beispiel aus dem Bergbau ist Perpetua Resources mit dem Gold-Antimon-Projekt Stibnite, an dem sich JP Morgan mit 75 Millionen US-Dollar beteiligte. Ein staatlicher Exportkredit über 2,9 Milliarden US-Dollar ist dort genehmigt, wurde bislang aber noch nicht ausgezahlt.

Auch organisatorisch wächst das Programm. Es wurde auf Großbritannien, Kontinentaleuropa (seit April 2026) und Kanada (seit Juni 2026) ausgeweitet, auch Asien wird geprüft. Das Team um Andrew Frame soll die gesamte Kette abdecken, vom Abbau über die Raffination bis zur Verarbeitung und damit genau die Engpässe angehen, die Fertigung, Energie und Rüstung derzeit noch ausbremsen. Genannt werden in Berichten unter anderem Seltene Erden für Magnete, hochreines Eisen und Lithium.

Skeptiker halten allerdings dagegen. Die Rohstoffexpertin Melissa Sanderson beispielsweise konnte für das laufende Jahr nur eine konkrete Auszahlung im Bergbau nennen und sieht deshalb keine spürbare Marktwirkung. Mehr noch: Die Internationale Energieagentur meldete für 2025 sogar sinkende Investitionen in kritische Rohstoffe und bei der Weiterverarbeitung klafft auch weiterhin die größte Lücke, denn bis 2035 deckt die Raffinationskapazität nur etwa zwei Drittel der erwarteten Förderung.

Was das für Anleger bedeutet

JP Morgans Programm ist ohne Frage ein Rückenwind, ein Turbo ist es jedoch eher nicht. Das Geld fließt vor allem zu mittelgroßen und weit entwickelten Projekten, kleine Explorer kommen kaum direkt an die Töpfe. Hier ist der Sektor auch weiterhin auf die privaten Investoren angewiesen. Viele von ihnen sind jedoch immer noch fast ausschließlich auf KI-Aktien und den Technologiesektor fokussiert und übersehen dabei das enorme Potential, das sich gerade im Rohstoffsektor eröffnet.

Strategisches Kapital hat zudem oft einen Preis: Bei Perpetua Resources gab es parallel zur Finanzierung eine Kapitalerhöhung in Höhe von 70 Millionen US-Dollar, also eine nicht unerhebliche Verwässerung für Altaktionäre.

Wer auf das Thema setzt, sollte deshalb auf drei Dinge ganz besonders achten: eine gesicherte Finanzierungen, ein verlässliches Land, in dem produziert wird und eine Rolle in der Weiterverarbeitung der Rohstoffe, wo der Engpass derzeit am größten ist, denn eine große Summe in der Schlagzeile ersetzt weder eine gebaute Mine noch eine fundierte eigene Analyse vor dem Aktienkauf.

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