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Kritische Mineralien: USA drohen an eigener 2027-Frist zu scheitern

4 Min.
Kritische Mineralien: USA drohen an eigener 2027-Frist zu scheitern

Ab dem 1. Januar dürfen US-Rüstungsprogramme kein Wolfram mehr verwenden, das in China, Russland, Iran oder Nordkorea gefördert, raffiniert oder verarbeitet wurde. Gefördert wird das Metall in den USA allerdings seit 2015 nicht mehr. Das Pentagon stützt deshalb mit 450 Mio. US-Dollar einen einzelnen Hersteller – und zugleich steht die Frage im Raum, ob Washington chinesische Lieferungen vorerst doch weiter zulassen muss.

Ein Beschaffungsverbot ohne heimische Mine

Die Ausgangslage ist unbequem: Nach Regierungsdaten kontrolliert China rund 85 Prozent des weltweiten Wolframangebots und etwa 40 Prozent der Molybdänförderung, wie RVM News berichtet. In den Vereinigten Staaten wurde seit 2015 kein Wolfram mehr abgebaut. Genau dieses Metall ist für die Rüstungsindustrie kaum ersetzbar: Es hat den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle, ist etwa so dicht wie Gold und bildet zusammen mit Kohlenstoff Wolframkarbid, einen extrem harten Werkstoff für industrielle und militärische Anwendungen.

Der Rohstoffanalyst Chris Berry argumentiert, der Preisanstieg bei Wolfram gehe fast ausschließlich auf politische Entscheidungen in Peking und Washington zurück; es seien zwei getrennte Märkte entstanden. Für die meisten Anwendungen gebe es keinen in großem Maßstab verfügbaren Ersatz. Die absolute Nachfragemenge sei klein, reagiere aber kaum auf Preisänderungen – eine Konstellation, in der Angebotsstörungen überproportional auf den Preis durchschlagen.

Dass Berichten zufolge eine Verlängerung oder Aufweichung der Fristen diskutiert wird, überrascht vor diesem Hintergrund wenig. Die Schlagzeile von EnergyNow bringt die Lücke auf den Punkt: Die US-Industrie tut sich schwer, die 2027-Frist für china-freie Lieferketten einzuhalten. [[PRÜFEN: fehlt Angabe zum genauen gesetzlichen Geltungsbereich und Wortlaut der 2027-Frist]]

450 Mio. US-Dollar für einen einzigen Produzenten

Das US-Kriegsministerium investiert 450 Mio. US-Dollar in The Elmet Group und begründet die Wahl damit, dass es sich um den einzigen US-eigenen, vollständig integrierten Produzenten von Wolfram- und Molybdänmaterialien und -komponenten handelt. Das Unternehmen aus Portland im US-Bundesstaat Maine wurde 1929 gegründet und ging in diesem Jahr an die Börse. Nach Angaben des Ministeriums beliefert Elmet mehr als 100 Verteidigungsprogramme, darunter Patriot, Javelin, AEGIS, Trident II und THAAD sowie U-Boote der Virginia- und Columbia-Klasse.

Die Mittelverwendung zeigt, wie viele Glieder der Kette gleichzeitig fehlen: 165 Mio. US-Dollar fließen in die Modernisierung der Fertigung in Maine, Michigan und Ohio, rund 150 Mio. US-Dollar in den Neustart des Wolframbergbaus im nevadischen Imlay, weitere 100 Mio. US-Dollar in den Aufbau einer Raffinerie- und Handelssparte. Michael Cadenazzi, zuständig für Industriepolitik im Ministerium, verweist auf den Wiederaufbau kritischer industrieller Kapazitäten.

Bemerkenswert ist, dass Elmet seither Vereinbarungen mit Tungsten West in England und der vietnamesischen Masan High-Tech Materials Corporation abgeschlossen hat. Selbst der nationale Champion stützt sich also auf Partner außerhalb der USA – ein Hinweis darauf, dass „china-frei" in der Praxis eher „verbündetengestützt" heißt. Für westliche Wolframprojekte außerhalb Chinas eröffnet das einen Markt, der zuvor kaum existierte.

Washingtons Anspruch – und die Lücke zur Realität

Auf politischer Ebene ist der Anspruch klar formuliert. Audrey Robertson, im US-Energieministerium als Assistant Secretary für kritische Mineralien und Energieinnovation zuständig, sagte im Northern Miner Podcast: „Wenn wir unsere Lieferkette nicht kontrollieren, kontrollieren wir nicht unser Schicksal." Das DOE investiere entlang der gesamten Kette – Bergbau, Verarbeitung, Technologie und Fachkräfte.

Robertson betont, es gehe nicht nur um neue Minen, sondern auch darum, bestehende Projekte zu beschleunigen, Verarbeitungstechnologie zu verbessern und ausgelagerte Produktion zurückzuholen. Die USA hätten das strengste Betriebsumfeld für Schwerindustrie weltweit – genau deshalb sei diese abgewandert. Dieser Satz beschreibt präzise, warum Genehmigungs- und Kostenfragen die politische Zielsetzung ausbremsen können.

Auch Analyst Berry setzt den Schwerpunkt auf die Mitte der Kette: Jeder im Bergbau investierte Dollar solle durch einen Dollar in der Verarbeitung ergänzt werden. Als weitere Ansätze nennt er Preisabsicherung, staatliche Lagerhaltung und eine stärkere Stützung auf verbündete Lieferanten.

Der Engpass heißt Personal: 160 gegen 3.000 Absolventen

Eine Zahl illustriert das strukturelle Problem besser als jede Fördermenge: Nach Robertsons Angaben haben im vergangenen Jahr rund 160 Bergbauingenieure in den USA ihren Abschluss gemacht, in China etwa 3.000. Das Energieministerium beziffert den Bedarf auf rund 6.000 neue Bergbauingenieure in den kommenden zehn Jahren, um die Lieferkette aufzubauen.

Für Anleger ist das relevant, weil Personal- und Verarbeitungskapazität die Zeitachse bestimmen. Kapital lässt sich kurzfristig mobilisieren, Genehmigungen, Raffinerien und Fachkräfte nicht. Projekte, die bereits Verarbeitungsschritte im Westen abdecken oder kurz vor der Produktion stehen, rücken damit in eine andere Verhandlungsposition als frühe Explorationsvorhaben. Umgekehrt gilt: Sollte Washington die Fristen lockern, verlängert sich der Zeitraum, in dem chinesisches Material weiter preisbestimmend bleibt.

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