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Kupfer-Alarm: Chiles Produktion bricht ein – Preisziele steigen deutlich

4 Min.
Kupfer-Alarm: Chiles Produktion bricht ein – Preisziele steigen deutlich

Wenn die staatliche chilenische Kupferkommission Cochilco die Förderschätzungen für das weltgrößte Förderland drastisch nach unten korrigiert und zeitgleich die Preiserwartungen anhebt, schrillen an den Rohstoffmärkten die Alarmglocken: Chile wird 2026 voraussichtlich nur noch 4,94 Millionen Tonnen Kupfer aus seinen Minen liefern – ein Rückgang um 8,4 Prozent gegenüber 2024 und ein deutlicher Schnitt im Vergleich zur bisherigen Prognose von 5,27 Millionen Tonnen. Auch für 2027 senkte die Behörde ihre Erwartung von 5,55 auf lediglich 5,08 Millionen Tonnen.

Im Gegenzug schraubte Cochilco die durchschnittliche Preisprognose für 2026 von 5,95 auf 6,18 US-Dollar je Pfund nach oben (rund 13.624 US-Dollar je Tonne) und für 2027 von 5,10 auf 5,95 US-Dollar je Pfund (rund 13.117 US-Dollar je Tonne). Damit bewegt sich die Kommission auf Augenhöhe mit den Schätzungen führender Investmentbanken: Goldman Sachs taxierte Kupfer im Oktober auf 13.349 US-Dollar für 2026 beziehungsweise 13.800 US-Dollar für 2027, während BMO Capital Markets 13.619 US-Dollar und Macquarie 13.573 US-Dollar veranschlagen. Weltweit beziffert Cochilco die globale Minenproduktion für 2026 auf 23,30 Millionen Tonnen (minus 0,6 Prozent) und für 2027 auf 24,08 Millionen Tonnen (plus 3,4 Prozent), während der Bedarf an verarbeitetem Kupfer um 1,5 beziehungsweise 1,8 Prozent expandieren soll.

Strukturelle Förderkrise: Warum Chiles Minen auf ein 20-Jahres-Tief zusteuern

Wie dramatisch sich die chilenische Fördermalaise zuspitzt, belegen die jüngsten Monatsdaten des Statistikamts INE: Im September brach die Produktion von Feinkupfer im Vorjahresvergleich um 15,1 Prozent auf 387.870 Tonnen ein (Vorjahr: 456.647 Tonnen) – der dritte Monatsrückgang in Folge und laut Reuters der schärfste Einbruch seit März 2017. Laut weiteren Medienberichten markierte das dritte Quartal 2026 sogar das schwächste Fördervierteljahr seit mindestens zwei Jahrzehnten. Cochilco führt 77,3 Prozent dieses Jahresausfalls auf den staatlichen Riesen Codelco sowie die BHP-Minen Escondida und Spence zurück. Bei Codelco schrumpfte der Ausstoß im ersten Halbjahr um elf Prozent auf 564.000 Tonnen, bedingt durch Restriktionen auf El Teniente nach einem tödlichen Arbeitsunfall mit sechs Opfern, geringeren Mengen aus Chuquicamata sowie erodierenden Erzgehalten in Ministro Hales. Zudem stoppte der Staatskonzern das Projekt Andes Norte wegen unkalkulierbarer Seismikrisiken.

Auf Escondida sackte die Produktion im ersten Quartal des BHP-Geschäftsjahres um 23 Prozent auf 252.600 Tonnen ab, wenngleich BHP das Jahresziel von 1,65 bis 1,80 Millionen Tonnen vorerst verteidigt. Verschärft wird diese Gemengelage durch strukturellen Gegenwind: Alternde Tagebaue verlieren laut Jefferies jährlich rund zwei Prozent an natürlicher Förderkraft, während sinkende Gehalte und chronischer Wassermangel Neuerschließungen ausbremsen. Für CRU-Analyst Nicolás Muñoz ist die Marke von sechs Millionen Tonnen jährlicher Minenförderung für Chile daher vor 2030 kaum wieder erreichbar.

Fragiler Überschuss versus Realität: Negative Schmelzgebühren und Comex-Verzerrung

Vor diesem Hintergrund wirkt der von Cochilco für 2026 errechnete weltweite Überschuss an raffiniertem Kupfer von 144.000 Tonnen (0,5 Prozent der Nachfrage) beziehungsweise 0,8 Prozent für 2027 wie ein trügerisches Zahlenspiel. Die Behörde selbst stuft diesen Puffer als hauchdünn und extrem anfällig für operative Ausfälle oder Nachfrageimpulse ein, während die International Copper Study Group mit abweichender Methodik 104.000 Tonnen für 2026 und 368.000 Tonnen für 2027 kalkuliert. Wo der eigentliche Engpass brennt, zeigt die Schmelzindustrie: Wegen akuter Konzentratknappheit sanken die Spot-Behandlungs- und Raffinierlöhne (TC/RCs) laut Fastmarkets Anfang Oktober auf minus 270 US-Dollar je Tonne – Hütten zahlen horrende Prämien, nur um Erz verarbeiten zu können. Dass die globale Bilanz dennoch einen Überschuss ausweist, ist einer regionalen Verzerrung geschuldet: Vorratskäufe vor drohenden US-Zöllen führten dazu, dass zuletzt 69 Prozent aller weltweiten Börsenbestände in den Comex-Lagerhäusern gebunden waren. Goldman Sachs kalkuliert folglich, dass der Weltmarkt außerhalb der USA in Wahrheit ein handfestes Defizit von 950.000 Tonnen aufweist. Für Rohstoffinvestoren entscheidet sich der Trend deshalb nicht an rechnerischen Überschüssen, sondern an der Dynamik der chilenischen INE-Daten, den extremen Schmelztarifen und der Freigabe der US-Lager. Als dämpfende Faktoren bleiben indes eine mögliche Nachfragestörung jenseits von 14.000 US-Dollar pro Tonne Kupfer, Chinas nachlassendes Verbrauchswachstum von 1,6 auf 1,0 Prozent (bei 57,3 Prozent Weltmarktanteil) sowie beschleunigte Mineninbetriebnahmen in Peru und der Demokratischen Republik Kongo auf dem Radar.

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