Die Euphorie im Kupfermarkt ist auch nach dem Rekordlauf im Januar ungebrochen. Angetrieben von den Megatrends Energiewende, Netzausbau und KI bauen institutionelle wie private Anleger ihre Positionen massiv aus. Zusätzliche Brisanz liefern mögliche US-Zölle auf raffiniertes Kupfer. Diese Fantasie elektrisiert den Markt und sorgt für lukrative Arbitrage-Chancen zwischen der New Yorker Comex und der London Metal Exchange (LME).
Comex: Momentum-Fonds und Privatanleger treiben die Rallye
An der Comex dominiert klar die Long-Seite. Nach einem kurzen Rücksetzer im März verdoppelten Geldmanager ihre Netto-Long-Positionen bis Anfang Juni nahezu auf den höchsten Stand seit 2021. Short-Wetten sind parallel auf historische Tiefststände gesunken. Da der Handel stark von algorithmischen Momentum-Fonds geprägt ist, dürfte dieser Trend vorerst anhalten, solange die Rallye nicht signifikant kippt.
Gleichzeitig drängen Privatanleger vehement in den Markt. Der Umsatz im speziell für sie konzipierten Micro-Copper-Kontrakt der CME lag von Januar bis Mai 83 Prozent über dem Vorjahr. Diese Zahlen belegen: Die strategische Kupfer-Story hat den engen Kreis der Rohstoff-Profis längst verlassen und bindet massiv frisches Kapital.
LME: Extreme Bullen-Wetten im Optionsmarkt
Während der Comex-Preis aufgrund der Zollsanktions-Spekulationen bereits zweimal sein Januarhoch erreichte, agieren Investoren im regulären Futures-Handel der LME noch vorsichtiger. Der LME-Preis notiert aktuell deutlich unter seinen Höchstständen.
Ein völlig anderes Bild offenbart jedoch der dortige Optionsmarkt, der extrem aggressive Bullen-Wetten bis zum Jahresende verzeichnet:
- Massiver Überhang: Per Mitte Juni standen 112.000 Call-Kontrakten (Kaufoptionen) lediglich 52.000 Put-Kontrakte gegenüber.
- Aggressive Kursziele: Besonders stark positioniert sind Wetten auf September-Preise von 15.500 und 17.000 US-Dollar je Tonne – bei einem aktuellen LME-Niveau von knapp über 13.800 US-Dollar.
- Extreme Ausreißer: Ein Akteur kaufte sogar Call-Serien mit einem Basispreis von 25.000 US-Dollar je Tonne bis Dezember.
Fazit: Ein Markt unter Hochspannung Diese Dynamik birgt Sprengstoff. Investoren bewerten Kupfer derzeit weniger nach der realen, teils uneinheitlichen physischen Marktlage, sondern preisen das künftige strukturelle Defizit ein. Schon 2020 zeigte sich, wie massiv Fonds einen physischen Überhang durch pure Kapitalkraft absorbieren können.
Da bei Kupfer weder Angebot noch Nachfrage kurzfristig elastisch auf Preisänderungen reagieren, treiben diese spekulativen Käufe den Preis unweigerlich weiter an. Der Markt bleibt ein Pulverfass: Langfristig durch strategische Zukunftsbranchen bestens gestützt, dürften die enormen Kapitalzuflüsse und Zollsanktions-Szenarien kurzfristig für drastische Volatilität sorgen.
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