Während der Silbermarkt lange Zeit von einem massiven Angebotsdefizit und stark steigenden Notierungen ausging, korrigiert die Schweizer Großbank UBS ihre Prognosen für das Edelmetall nun spürbar nach unten. Der Grund: Ein schwächeres Nachfragefundament trifft nach Einschätzung der Analysten auf eine anziehende Minenproduktion.
Die Angebotslücke schrumpft massiv
Im Kern der Neubewertung steht die Anpassung des erwarteten Marktdefizits. Ging die UBS für das Jahr 2026 bislang von einer Angebotslücke von 300 Millionen Unzen aus, schrumpft dieser Fehlbetrag in der aktuellen Schätzung auf lediglich 60 bis 70 Millionen Unzen zusammen.
Dieser Rückgang resultiert aus zwei gegenläufigen Entwicklungen. Auf der Angebotsseite sieht die Bank ein freundlicheres Umfeld und erwartet für 2026 einen Anstieg der weltweiten Minenproduktion auf rund 850 Millionen Unzen Silber. Gleichzeitig hinterlassen die hohen Silberpreise Bremsspuren beim Verbrauch. Allein bei der Photovoltaik, bei Silberwaren und im Schmucksektor rechnet die Bank mit einem aggregierten Nachfrageverlust von etwa 50 Millionen Unzen.
Investoren ziehen sich zurück
Auch die Investmentnachfrage geht demzufolge spürbar zurück. Die Analysten haben ihre Schätzung für das Gesamtjahr von über 400 Millionen auf 300 Millionen Unzen gekappt – ein Wert, den die UBS angesichts der jüngsten Marktbewegungen immer noch als "großzügig" bezeichnet.
Die aktuellen Daten stützen diese Skepsis: Die globalen ETF-Bestände sind um knapp 70 Millionen auf rund 794 Millionen Unzen gesunken. Parallel dazu hat sich die Netto-Positionierung der spekulativen Futures-Anleger auf etwas mehr als 100 Millionen Unzen zurückgebildet. Silber verliert damit bei industriellen Anwendungen und Investmentvehikeln gleichzeitig an Dynamik.
Die neuen Kursziele: Seitwärts statt Steilflug
Vor diesem Hintergrund nimmt das Aufwärtspotenzial laut UBS ab. Im Basisszenario erwarten die Strategen keinen steilen Trend nach oben mehr, sondern eine breite Seitwärtsbewegung auf allerdings hohem Niveau. Die Preisziele wurden entsprechend über alle Zeiträume hinweg gekappt:
- Ende 2. Quartal 2026: 85 US-Dollar je Unze (zuvor 100 USD)
- September 2026: 85 US-Dollar (zuvor 95 USD)
- Jahresende 2026: 80 US-Dollar (zuvor 85 USD)
- März 2027: 75 US-Dollar (zuvor 85 USD)
Gold als Anker und neue Handelsstrategie
Trotz der gedämpften Aussichten erwartet die Schweizer Bank keinen starken Preiseinbruch beim Silber. Als Stabilisator fungiert Gold: Die Analysten gehen beim gelbe Metall weiterhin von tendenziell steigenden Preisen aus. Durch die zuletzt wieder gewachsene Korrelation beider Metalle sichert dies auch Silber nach unten ab. Das Gold-Silber-Verhältnis soll sich nach Ansicht der Bank mittelfristig im Bereich von 75 bis 80 einpendeln.
Aus Sicht der UBS-Strategen ist der Verkauf von Abwärtsrisiken zur Ertragsgenerierung derzeit attraktiver als der Aufbau reiner Long-Positionen. Die implizite Volatilität hat sich seit den Extremwerten zu Jahresbeginn zwar beruhigt (im Februar lag die realisierte Ein-Monats-Volatilität bei nahezu 150 %), bleibt historisch betrachtet aber auf einem hohen Niveau. Die Bank favorisiert daher für die kommenden drei Monate Strategien, die diese Volatilitäten nutzen, anstatt direkt auf weiter steigende Silberpreise zu setzen.
Erwähnte Unternehmen
Kategorien
Keine Rohstoff-Chance mehr verpassen
Exklusive Updates zu Gold, Kupfer & Co. – wöchentlich, kostenlos.
Disclaimer
I. Informationsfunktion und Haftungsausschluss: Die GOLDINVEST Consulting GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Analysen und Nachrichten auf www.goldinvest.de zu veröffentlichen. Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle, fachkundige Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Finanzanalysen oder Verkaufsangebote, noch liegt eine Handlungsaufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren vor. Entscheidungen, die auf Basis der veröffentlichten Informationen getroffen werden, erfolgen vollständig auf eigene Gefahr. Zwischen der GOLDINVEST Consulting GmbH und den Lesern bzw. Nutzern entsteht kein vertragliches Verhältnis, da sich unsere Informationen ausschließlich auf das Unternehmen und nicht auf persönliche Anlageentscheidungen beziehen.
II. Risikoaufklärung: Der Erwerb von Wertpapieren birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt die GOLDINVEST Consulting GmbH und ihre Autoren keine Haftung für Vermögensschäden oder die inhaltliche Garantie bezüglich Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der veröffentlichten Informationen. Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Nutzungshinweise.
III. Interessenkonflikte: Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.
IV. Einsatz von KI-gestützten Systemen: Bei der Erstellung von Beiträgen können KI-gestützte Systeme zur Unterstützung von Recherche, Strukturierung oder sprachlicher Optimierung eingesetzt werden. Sämtliche Inhalte werden vor Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.