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Silber über 60 Dollar: Jetzt muss Gold liefern

5 Min.
Silber über 60 Dollar: Jetzt muss Gold liefern

Stand: 09.10.2026 von Florian Grummes

Seit dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole standen die Edelmetallpreise in den letzten sechseinhalb Wochen unter Druck. Steigende US‑Staatsanleihenrenditen, ein kräftigerer US‑Dollar und ein nach der fulminanten, aber kurzlebigen Sommer‑Rallye überkauftes Umfeld hatten die Gold- und Silberpreise in eine tiefe Korrektur gezwungen.

Erste Erholungssignale bei Gold und Silber

Ausgehend von 4.066 USD hat sich der Goldpreis in den letzten zwei Tagen jedoch ansehnlich erholt und eine erste Abwärtstrendlinie überwunden. Auch Silber konnte sich von seinem Tief am Donnerstagmittag bei 58,46 USD um knapp zwei Dollar erholen und die runde Marke von 60 USD zurückerobern.

Makroökonomisches Minenfeld vor den US-Midterms

Dennoch bleibt das makroökonomische Umfeld dreieinhalb Wochen vor den US‑Midterm‑Wahlen sehr herausfordernd. Während die Fed die ölgetriebene Inflation mit weiteren Zinserhöhungen eindämmen will, treiben zahlreiche geopolitische Eskalationen das Unsicherheitsgefühl der Anleger weiter nach oben.

Widersprüchliche Signale aus Washington

Dabei befeuerte US-Präsident Trump mit einem nächtlichen Tweet die Erholung bei den Edelmetallen, während die Signale aus Washington weiterhin stark widersprüchlich bleiben. Nur Stunden zuvor war der israelische Generalstabschef Eyal Zamir von hochrangigen US-Militärs über konkrete Pentagon-Planungen für mögliche Großangriffe gegen den Iran in den kommenden Wochen informiert worden.

Zamir warnte daraufhin, dass eine Eskalation samt iranischer Vergeltungsschläge die für den 27. Oktober 2026 angesetzten israelischen Parlamentswahlen verzögern könnte.

Während das Pentagon auf Anweisung Trumps Pläne für eine dreitägige, intensive Luftkampagne gegen iranische Raketen-, Drohnen- und Energieinfrastrukturen ausgearbeitet hat, erklärte Trump öffentlich auf Truth Social, die USA würden vor den Midterm Elections am 3. November keine Angriffe auf den Iran starten.

Dieser Widerspruch lässt Sicherheitskreise dennoch von akuten Vorbereitungen ausgehen.

Iran-Krise als Katalysator für Edelmetalle und Öl

Für die Edelmetalle bleibt die seit Ende Februar bestehende makroökonomische Verwerfungslinie trotz der neuen Erholungssignale damit intakt. Eine Eskalation in der Iran-Krise würde die Ölpreise weiter anheizen, die globale geopolitische Unsicherheit auf ein neues Level katapultieren und damit den Inflations- und Risikodruck auf Gold und Silber erneut befeuern.

Bullisches Muster und strukturelle Verknappung am Ölmarkt

Brent-Öl in US-Dollar, Tageschart vom 8. Oktober 2026. ©GOLD.DE

Der Blick auf den Ölmarkt zeigt, dass sich hier in den letzten Monaten enormer Druck aufgebaut hat. Nach dem Spike zu Kriegsbeginn konsolidiert der Ölpreis zwar im Grunde genommen schon seit der zweiten Märzwoche hochvolatil auf hohem Niveau. Allerdings hat sich dabei ein inverses Schulter-Kopf-Schulter-Muster herausgebildet, das charttechnisch bullisch zu bewerten ist.

Nicht überraschend warntRohstoff-Guru Jeff Currie, dass der anhaltende Krieg gegen den Iran den gesamten Energiekomplex zunehmend verknappt – Diesel, Rohöl und Benzin würden immer dünner versorgt.

Was ursprünglich als vorübergehendes Ereignis galt, habe sich nun auf sieben bis acht Monate ausgedehnt und beginne, erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Energiemarkt zu entfalten.

Perfekter Sturm für Inflation und Konjunktur

Ein Ausbruch über 110 US-Dollar würde sofort deutlich höhere Kursziele aktivieren, die Inflation durch Angebotsverknappung weiter befeuern und die bereits stark angespannten Crack Spreads weiter aufweiten – und damit eine perfekte Sturm-Situation für Märkte und Konjunktur erzeugen.

Silber in US-Dollar – Bärisch eingebettete Tages-Stochastik

Silber in US-Dollar, Tageschart vom 9. Oktober 2026. ©GOLD.DE

Vom Sommerhoch bei 71,17 US-Dollar am 28. August sind die Silberpreise in den vergangenen sechs Wochen um 17,80 % auf rund 58,50 US-Dollar zurückgefallen. Damit wurde der Großteil der fulminanten August-Erholung wieder abgegeben und die breite Bodenbildungszone vom Juli zwischen etwa 54,70 und 60,00 US-Dollar ansatzweise erreicht.

Während Wochenchart und Wochen-Stochastik für Silber damit klar bärisch bleiben, signalisiert zumindest die stark überverkaufte Tages-Stochastik beim Goldpreis erste Erholungsansätze. Innerhalb des sechswöchigen Abwärtstrendkanals wäre am Silbermarkt dadurch eine Gegenbewegung bis zur flachen 50-Tage-Linie bei 64,27 US-Dollar technisch problemlos machbar.

Allerdings verharrt die Tages-Stochastik auf dem Silber-Chart weiterhin im bärisch eingebetteten Modus.

Das bedeutet: Der Goldpreis wird vorauslaufen und den „kleinen Bruder“ Silber aus dem festgezurrten Abwärtstrend ziehen müssen.

Gelingt das nicht, dürfte sich Silber sehr schwer tun und könnte weiter in Richtung 55 US-Dollar absacken.

Insgesamt wäre nach den starken Kursverlusten der vergangenen sechs Wochen eine Erholung bei den Edelmetallen technisch überfällig. Saisonal betrachtet ist die finale Trendwende jedoch erst ab ca. Mitte Dezember zum letzten Fed-Zinsentscheids des Jahres zu erwarten.

Wir bleiben langfristig 100 %ig bullisch für die Edelmetalle, respektieren jedoch die seit Ende Januar andauernde Korrektur. Schwächephasen nutzen wir daher konsequent für weitere Zukäufe.

Fazit: Silber – Erholungsimpuls beim Gold notwendig

Der Goldpreis zeigt nach der sechswöchigen Korrektur erste Erholungssignale, doch von einer belastbaren Trendwende kann bislang noch keine Rede sein.

Immerhin konnte Gold eine erste Abwärtstrendlinie überwinden, während Silber die Marke von 60 US-Dollar zurückeroberte. Technisch bleibt das Bild jedoch insbesondere beim Silber angeschlagen:

Sowohl der Wochenchart als auch die Wochen-Stochastik signalisieren weiterhin Schwäche. Eine Gegenbewegung bis zur 50-Tage-Linie um ca. 64 US-Dollar wäre zwar möglich, doch dafür müsste zunächst der Goldpreis als Zugpferd vorangehen.

Entscheidend bleibt vorläufig das makroökonomische Umfeld.

Steigende Ölpreise, eine mögliche Verschärfung der Iran-Krise und die widersprüchlichen Signale aus Washington können den Inflations- und Risikodruck jederzeit erhöhen.

Gleichzeitig spricht die überverkaufte Markttechnik für eine kurzfristige Erholung, während eine nachhaltige saisonale Trendwende erst ab Mitte Dezember rund um den letzten Fed-Zinsentscheid des Jahres zu erwarten ist.

Langfristig bleiben wir uneingeschränkt bullisch für Gold und Silber, respektieren aber die seit Ende Januar laufende Korrektur. Entsprechend betrachten wir Schwächephasen nicht als Anlass zur Panik, sondern als Gelegenheit für schrittweise Zukäufe.

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