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Strukturelle Veränderung im Gold-Markt: BMO-Analysten heben Prognose deutlich an

4 Min.
Strukturelle Veränderung im Gold-Markt: BMO-Analysten heben Prognose deutlich an

Die Aussicht auf einen erneuten US-Government Shutdown und die anhaltend steigende Staatsverschuldung rücken Gold wieder ins Rampenlicht. Analysten von BMO Capital Markets haben ihre Preisprognosen für das Edelmetall und für Silber bis ins Jahr 2026 deutlich angehoben. Begründet wird der Schritt mit strukturellen Veränderungen im geopolitischen und finanziellen Umfeld sowie einer breiteren Rolle von Gold als Absicherungsbaustein in Portfolios.

Gold: BMO hebt Prognosen für 2025/2026 deutlich an

Für das Schlussquartal 2025 erwartet BMO Capital Markets nun einen durchschnittlichen Goldpreis von rund 3.900 US-Dollar je Unze – ein Plus von etwa 8 % gegenüber der vorherigen Schätzung. Die Bank geht zudem davon aus, dass Gold im kommenden Jahr die Marke von 4.000 US-Dollar überschreiten könnte. In der Jahresbetrachtung hebt BMO seine 2026-Prognose auf 4.400 US-Dollar je Unze an; das entspricht einer Aufwertung um 26 % gegenüber der früheren Einschätzung. Auch der Langfristwert wurde angepasst: Statt 2.200 US-Dollar veranschlagt BMO nun 3.000 US-Dollar je Unze als langfristigen Durchschnitt.

Die Analysten verweisen darauf, dass die vergangenen zwei bis drei Jahre „tiefgreifende Verschiebungen“ im geopolitischen und finanziellen System gebracht haben – mit spürbaren, möglicherweise dauerhaften Veränderungen in der Goldnachfrage. In der Rückschau auf den jüngsten Preisanstieg nennen sie viele diskutierte Faktoren: geopolitische Spannungen, hartnäckige Inflation, Safe-Haven-Ströme, De-Dollarisation. Im Zentrum stehe jedoch ein übergreifender Treiber: die Schuldenproblematik westlicher Staaten und das daraus abgeleitete Risiko einer geldpolitischen Verwässerung, das nominell attraktive Renditen langlaufender Staatsanleihen im Vergleich zu Gold relativieren könne.

Schulden, Politik, Unsicherheit: Warum Gold gefragt bleibt

BMO beobachtet, dass Bedenken über westliche Staatsschulden 2025 stärker in den Mainstream gerückt sind – auch im Kontext des US-Haushalts („One Big Beautiful Bill“) und politischer Spannungen in Europa, etwa in Frankreich. In diesem Klima hätten auch traditionell risikofreudige Investorengruppen begonnen, Portfolios um Gold zu ergänzen, um sich gegen eine langfristige Entwertung von Fiat-Währungen abzusichern. Sichtbar werde dies unter anderem an Zuflüssen in Gold-ETFs.

Der Hintergrund: Sollte die Verschuldung weiter steigen, bleibt aus Sicht der Analysten unklar, wie das Problem ohne Wachstums- oder Inflationsimpuls gelöst werden soll. Entsprechend könnte Gold – ob als Spot-Preis (XAU/USD) oder über börsengehandelte Produkte – eine breitere Verankerung in Anlagestrategien erfahren als in den vorangegangenen Jahrzehnten. BMO versteht die neue Prognose daher nicht als kurzfristigen Call, sondern als Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen, in denen Gold zunehmend als struktureller Diversifikator wahrgenommen wird.

Silber im Schlepptau von Gold – mit industrieller Stütze

Parallel zum Gold-Upgrade hebt BMO auch die Silber-Prognosen an. Für das vierte Quartal 2025 rechnet die Bank nun mit einem durchschnittlichen Silberpreis von rund 45 US-Dollar je Unze, 41 % über der vorherigen Schätzung. 2026 soll die Aufwärtsbewegung anhalten: Für das zweite Quartal des kommenden Jahres prognostiziert BMO 50 US-Dollar je Unze; im Jahresdurchschnitt veranschlagt die Bank 49,50 US-Dollar – 57 % mehr als zuvor erwartet.

Inhaltlich führt BMO die Dynamik bei Silber auf zwei Ebenen zurück: Einerseits bewegt sich das Metall häufig im Gleichlauf mit Gold (XAG/USD), wobei Silber an Wendepunkten historisch größere Ausschläge zeigt. Andererseits stützt industrielle Nachfrage die Preisbasis – von der Photovoltaik über Stromnetze bis zu Elektronik-Anwendungen. Aus Analystensicht dürfte der Markt mittelfristig defizitär bleiben. Damit würden höhere Preise benötigt, um Material aus oberirdischen Beständen in die industrielle Verarbeitung zu lenken.

Was die neuen Ausblicke für den Markt bedeuten

Die aktualisierten Schätzungen von BMO Capital Markets unterstreichen, dass Gold aus Sicht institutioneller Akteure wieder strategisch diskutiert wird – nicht nur als taktisches Krisen-Asset. Zentral ist dabei der Schulden-Narrativ: Wenn Investoren befürchten, dass die Staatshaushalte in den USA und Europa nur mit anhaltend lockerer Geld- oder Fiskalpolitik stabilisiert werden können, steigt die Bereitschaft, Gold als wertstabile Reserve beizumischen. Das hat Folgen für die Marktstruktur: ETF-Ströme, Zentralbankkäufe oder eine veränderte Terminstruktur können Korrelationen zu Anleihen und Aktien verschieben.

Für Silber kommt zur Kopplung an Gold die Industriekomponente hinzu – ein Faktor, der in der Energiewende an Bedeutung gewinnt. Gleichzeitig macht BMO deutlich, dass Prognosen keine Gewissheiten sind: Preisverläufe hängen von Konjunktur, Inflationspfad, Politik und Marktliquidität ab. Die vorliegenden Anpassungen sind daher vor allem ein Kontextsignal: In einem Umfeld aus hoher Verschuldung, politischen Belastungsproben und Transformationsinvestitionen rückt Gold als Edelmetall mit globaler Akzeptanz wieder stärker ins Zentrum, während Silber zusätzlich von struktureller Nachfrage getragen wird.

Die BMO-Annahmen beschreiben einen Markt, in dem Gold und Silber bis 2026 eine größere Rolle spielen könnten – Gold als potenzieller Absicherungsbaustein, Silber mit zusätzlicher industrieller Verankerung.

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