Zum Hauptinhalt springen
GOLDINVEST

US-Sonderzölle 2026: Wer profitiert vom Kampf um das Polysilizium-Monopol?

4 Min.
US-Sonderzölle 2026: Wer profitiert vom Kampf um das Polysilizium-Monopol?

Kaum ein Rohstoffmarkt zeigt so deutlich, wie schnell sich globale Machtverhältnisse verschieben können, wie der für Polysilizium. Vor rund zwei Jahrzehnten stellten die USA noch etwa die Hälfte der weltweiten Produktionskapazität für diesen Hightech-Werkstoff. Heute liegt ihr Anteil bei unter 2 Prozent! Die neuen US-Zölle und Mindestimportpreise, die am 4. Dezember 2026 in Kraft treten, sind der vorläufige Höhepunkt des Versuchs, diese verhängnisvolle Entwicklung umzukehren.

Die heutige Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Ausland ist das Ergebnis einer über gut 15 Jahre gewachsenen Entwicklung. Ab etwa 2008 begann China, massiv in den Aufbau eigener Kapazitäten entlang der gesamten Solar-Lieferkette zu investieren. Diese Lieferkette beginnt bei der Polysiliziumherstellung und reicht über Ingots und Wafer bis hin zur Produktion von fertigen Solarzellen und -modulen.

Getragen wurde dieser Ausbau durch staatliche Förderprogramme, günstige Kredite staatsnaher Banken sowie zeitweise auch indirekte Subventionen wie Vergünstigungen bei der Mehrwertsteuer. Mit dieser staatlichen Hilfe im Rücken konnten chinesische Hersteller ihre Produktionskapazitäten in kurzer Zeit vervielfachen und Skaleneffekte erzielen, die westliche Wettbewerber kaum erreichen konnten.

China expandierte, während westliche Firmen sich zurückzogen

Die Folge dieser Entwicklung waren stark fallende Weltmarktpreise für Polysilizium und Solarprodukte. Für Hersteller in den USA und Europa wurde die heimische Fertigung zunehmend unwirtschaftlich, da sie mit den chinesischen Preisen nicht mithalten konnten.

Zahlreiche westliche Produktionsstätten wurden in den vergangenen Jahren stillgelegt oder auf Sparflamme betrieben, während sich Abnehmer aus wirtschaftlichen Gründen zunehmend auf die günstigen Importe aus Fernost verließen. Ein ähnliches Muster zeigte sich auch bei anderen strategischen Rohstoffen wie Uran oder Seltenen Erden, bei denen sich inzwischen eine vergleichbare Konzentration auf wenige Anbieterländer herausgebildet hat.

Die Konzentration der Lieferketten auf einen einzigen dominanten Akteur gilt inzwischen als ein erhebliches strategisches Risiko. Polysilizium ist nicht nur für die Energiewende von Bedeutung, sondern auch der Grundstoff für Mikrochips, die wiederum in nahezu allen Bereichen der modernen Wirtschaft sowie in sicherheitsrelevanten Anwendungen zum Einsatz kommen.

Gerät die Versorgung mit diesem Vorprodukt ins Stocken, etwa durch politische Spannungen oder gezielte Exportbeschränkungen, könnten ganze Industriezweige empfindlich getroffen werden. Genau diese Sorge um die Versorgungssicherheit war der zentrale Beweggrund für die im August 2026 verkündeten neuen US-Handelsmaßnahmen, die sich auf nationale Sicherheitsinteressen stützen.

Die rechtliche Grundlage der neuen Maßnahmen

Rechtlich stützt sich die US-Regierung bei ihren Maßnahmen auf Abschnitt 232 des Trade Expansion Act aus dem Jahr 1962. Er erlaubt der dem US-Präsidenten, Handelsbeschränkungen zu verhängen, wenn Importe als Gefahr für die nationale Sicherheit eingestuft werden.

Grundlage der aktuellen Maßnahmen war eine rund einjährige Untersuchung des US-Handelsministeriums, die im Juli 2025 eingeleitet wurde und zu dem Ergebnis kam, dass der drastische Rückgang der heimischen Produktionskapazitäten die Widerstandsfähigkeit kritischer Lieferketten gefährde. Die neuen Regeln lösen zugleich einen bereits ausgelaufenen, engeren Schutzzoll aus der ersten Amtszeit von Donald Trump ab, der sich nur auf Solarzellen und -module bezogen hatte.

Als Reaktion auf diese Abhängigkeit hat Washington ein zweigleisiges Instrument geschaffen: Ab Dezember 2026 gilt für importiertes Polysilizium und dessen Derivate ein Mindestimportpreis, der künstlich niedrige Weltmarktpreise ausgleichen soll. Zusätzlich wird auf nachgelagerte Produkte wie Ingots, Wafer, Solarzellen und -module ein Aufschlag von 15 Prozent erhoben, um gezielt die Weiterverarbeitung im eigenen Land attraktiver zu machen.

Parallel dazu können Unternehmen, die eigene Produktionskapazitäten in den USA aufbauen oder erweitern möchten, von Erleichterungen profitieren. Auch auf Unternehmensebene bewegt sich einiges: Der deutsche Konzern Wacker Chemie betreibt bereits eine große Polysiliziumanlage im US-Bundesstaat Tennessee, während der US-Konzern Corning über seine Mehrheitsbeteiligung an Hemlock Semiconductor den einzigen nennenswerten heimischen Polysiliziumproduzenten der USA kontrolliert und dessen Kapazitäten mit staatlicher Unterstützung ausbaut.

Alternative Technologiepfade als zusätzliche Absicherung

Neben dem Ausbau eigener Polysiliziumkapazitäten setzen manche Unternehmen auch auf mögliche technologische Alternativen. Der US-Solarmodulhersteller First Solar verzichtet beispielsweise mit seiner neuen Cadmiumtellurid-Dünnschichttechnologie vollständig auf klassisches, siliziumbasiertes Material und damit auch auf chinesisches Polysilizium.

Solche alternativen Ansätze verringern zwar nicht die grundsätzliche Abhängigkeit der klassischen Siliziumtechnologie von China, sie tragen aber dazu bei, die eigene Versorgungssicherheit zu erhöhen, indem sie den Gesamtmarkt diversifizieren und damit widerstandsfähiger machen.

Der lange Weg zurück zur verlorenen Unabhängigkeit

Trotz der neuen Handelsmaßnahmen dürfte der Aufbau eigenständiger amerikanischer und europäischer Lieferketten noch viele Jahre in Anspruch nehmen. Neue Produktionsanlagen für Hochreinstsilizium sind kapitalintensiv und benötigen lange Vorlaufzeiten, während chinesische Anbieter weiterhin über etablierte Skaleneffekte verfügen.

Die aktuellen politischen Maßnahmen zielen daher weniger auf eine kurzfristige Lösung als vielmehr darauf ab, über einen garantierten Mindestpreis und höhere Importkosten einen verlässlichen wirtschaftlichen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen sich westliche Produzenten über einen längeren Zeitraum wieder etablieren können.

Keine Rohstoff-Chance mehr verpassen

Exklusive Updates zu Gold, Kupfer & Co. – wöchentlich, kostenlos.

Disclaimer

I. Informationsfunktion und Haftungsausschluss: Die GOLDINVEST Consulting GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Analysen und Nachrichten auf www.goldinvest.de zu veröffentlichen. Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle, fachkundige Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Finanzanalysen oder Verkaufsangebote, noch liegt eine Handlungsaufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren vor. Entscheidungen, die auf Basis der veröffentlichten Informationen getroffen werden, erfolgen vollständig auf eigene Gefahr. Zwischen der GOLDINVEST Consulting GmbH und den Lesern bzw. Nutzern entsteht kein vertragliches Verhältnis, da sich unsere Informationen ausschließlich auf das Unternehmen und nicht auf persönliche Anlageentscheidungen beziehen.

II. Risikoaufklärung: Der Erwerb von Wertpapieren birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt die GOLDINVEST Consulting GmbH und ihre Autoren keine Haftung für Vermögensschäden oder die inhaltliche Garantie bezüglich Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der veröffentlichten Informationen. Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Nutzungshinweise.

III. Interessenkonflikte: Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.

IV. Einsatz von KI-gestützten Systemen: Bei der Erstellung von Beiträgen können KI-gestützte Systeme zur Unterstützung von Recherche, Strukturierung oder sprachlicher Optimierung eingesetzt werden. Sämtliche Inhalte werden vor Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.