Crescat Capital hat in seinem Juli-Research-Letter ein Kursziel von 20.000 US-Dollar je Unze Gold formuliert. Gründer und CIO Kevin Smith erläutert in dieser Makro-Präsentation vom 31. Juli 2026 die Herleitung – und macht dabei selbst deutlich, wie das Modell zu lesen ist.
Die Grundrechnung: 1,5 Prozent gegen 7 Prozent
Smiths Ausgangspunkt ist ein simples Mengenverhältnis. Das weltweite Goldangebot wächst über sehr lange Zeiträume um lediglich rund 1,5 Prozent pro Jahr – physisch begrenzt durch eine Konzentration von etwa vier Teilen pro Milliarde in der Erdkruste. Der oberirdische Bestand liegt bei etwa 7,1 Milliarden Unzen, was einem Würfel von rund 22 Metern Kantenlänge entspricht.
Dem gegenüber steht die globale Geldmenge M2, die seit 2004 mit rund sieben Prozent jährlich wächst. Setzt man beide Trends fort und unterstellt, dass der Gesamtwert des oberirdischen Goldes der globalen M2 entspricht – also eine hundertprozentige Deckung –, landet man bei etwa 20.000 US-Dollar je Unze. Smith bezeichnet dieses Modell ausdrücklich als theoretisch und spekulativ; es steht und fällt mit den zugrunde liegenden Annahmen.
Warum Smith Inflation für den einzigen Ausweg hält
Der zweite Baustein ist die Verschuldung. Weltweit steigt die Schuldenquote gemessen am BIP seit den 1950er Jahren. Da reales Wachstum global nur bei zwei bis drei Prozent liege, so Smith, könne der Schuldenabbau praktisch nur über nominales Wachstum erfolgen – also über Inflation. Austerität sei politisch keine Option.
Für die USA diagnostiziert er fiskalische Dominanz: Die Notenbank sei faktisch nicht mehr unabhängig, sondern akkommodiere die Haushaltslage. Dass der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh die Inflation dauerhaft auf zwei Prozent zurückführe, hält Smith für unrealistisch.
Zentralbanken und Spieltheorie
Seit der Finanzkrise sind Zentralbanken netto Goldkäufer, angeführt von China. Laut Smith übersteigen die Goldbestände globaler Notenbanken in Dollar gerechnet inzwischen deren Bestände an US-Staatsanleihen. Er beschreibt die Lage als Gefangenendilemma: Wer eigene Reserven in Anleihen geopolitischer Gegner hält, geht ein Risiko ein – die eingefrorenen russischen Guthaben dienen ihm als Beleg. Sollten die USA selbst strategisch in den Goldmarkt einsteigen, etwa im Rahmen einer Vereinbarung mit Verbündeten, könne sich sein Zeitfenster von null bis sieben Jahren auf null bis zwei Jahre verkürzen.
Der zweite Pfad: Aktiencrash plus Dollarabwertung
Unabhängig davon führt Smith eine historische Analogie an. Rekordbewertungen am US-Aktienmarkt seien zweimal – in der Depression und in den 1970ern – von einem starken Kursrückgang und einer Dollarabwertung gefolgt worden. Eine Korrektur von 50 Prozent kombiniert mit einer Abwertung ergebe rechnerisch ein ähnliches Goldziel.
Dass Minenaktien in solchen Phasen nicht zwingend mitfallen, belegt er mit historischen Vergleichen: Homestake Mining in der Depression, ein Plus von 376 Prozent bei Goldaktien während des Einbruchs 1973/74, sowie ein Anstieg von 1.292 Prozent über die 1970er Jahre gegenüber 41 Prozent beim S&P 500.
Wo Crescat das Alpha sucht
Für Smith liegt die größte relative Chance nicht im Metall selbst, sondern bei Explorations- und Entwicklungsgesellschaften mit bedeutenden neuen Entdeckungen. Der Explorationsindex der TSX Venture habe gegenüber Gold eine außergewöhnlich lange Schwächephase hinter sich, während die Branche gleichzeitig unterfinanziert sei.
Zum Kontext gehört, dass Crescat aktuell selbst einen Rückgang verzeichnet – Gold kam von über 5.000 auf rund 4.000 US-Dollar zurück – und Smith die Präsentation ausdrücklich als Einstiegsargument für die eigenen Fonds versteht.