Nach der jüngsten Korrektur im Edelmetallsektor stellt sich für viele Anleger die klassische Frage: jetzt einsteigen oder lieber abwarten? In einem neuen Video zeigt GOLDINVEST-Partner Eckart Keil von OptionEarner.com einen dritten Weg – den Verkauf von Puts, der beide Ziele miteinander verbindet: sofortige Prämieneinnahmen und einen potenziell günstigeren Einstiegskurs.
Die Ausgangslage ist typisch für die aktuelle Marktphase. Sowohl bei Goldminen als auch bei Silberproduzenten hat sich nach der vorangegangenen Schwächephase eine Stabilisierung eingestellt – ein klar bestätigter Aufwärtstrend fehlt jedoch noch. Genau in einem solchen Umfeld, so Keil, kann der Verkauf von Puts seine Stärken ausspielen. Der grundlegende Mechanismus: Der Stillhalter vereinnahmt sofort eine Prämie und verpflichtet sich im Gegenzug, den Basiswert zum vereinbarten Strike abzunehmen, falls dieser bis zum Verfall darunter notiert.
Entscheidend ist dabei ein Grundsatz, den Keil im Video mehrfach betont: Puts werden ausschließlich auf Basiswerte verkauft, die man grundsätzlich positiv einschätzt und die man auch tatsächlich ins Depot nehmen möchte. Die Strategie ist also kein reines Prämienspiel, sondern an eine positive fundamentale Sicht auf den jeweiligen Wert gekoppelt.
Der GDX als defensive Variante
Als erstes Beispiel dient der VanEck Gold Miners ETF (GDX), der größere Goldminenunternehmen bündelt. Durch die breite Streuung fällt das Einzelwertrisiko geringer aus als bei einer einzelnen Minenaktie. Der Kurs bewegt sich derzeit um die 75 US-Dollar.
Konkret betrachtet Keil einen Put mit Strike 75 und Laufzeit bis zum 21. August 2026, also rund einen Monat Restlaufzeit. Für diesen Kontrakt erhält der Verkäufer aktuell eine Prämie von etwa 3,60 US-Dollar – bei 100 ETF-Anteilen pro Kontrakt entspricht das rund 360 US-Dollar. Kommt es zur Zuteilung, werden 100 Anteile zu 75 US-Dollar übernommen; nach Abzug der Prämie liegt der effektive Einstiegskurs dann knapp über 71 US-Dollar.
Das Ergebnis ist in beiden Szenarien nachvollziehbar: Bleibt der Kurs oberhalb des Strikes, verbleibt die Prämie als Einkommen beim Verkäufer. Fällt er darunter, steigt man zu einem gegenüber dem aktuellen Kurs rabattierten Niveau in einen Wert ein, den man ohnehin kaufen wollte. Ein zusätzlicher Vorteil des GDX ist laut Keil die meist gute Liquidität mit vergleichsweise engen Geld-Brief-Spannen.
Pan American Silver – mehr Chance, mehr Risiko
Als zweites, offensiveres Beispiel zieht Keil den Produzenten Pan American Silver heran. Das Unternehmen betreibt elf Gold- und Silberminen in Nord- und Südamerika und verfügt über rund zwei Milliarden Unzen Silber im Boden. Anders als beim breit gestreuten ETF handelt es sich hier um einen einzelnen Minenwert – die Chancen sind damit direkter, das Risiko aber ebenfalls erhöht. Der Kurs notiert knapp unter 44 US-Dollar, auch hier nach einer Schwächephase in Stabilisierung.
Bei gleicher Laufzeit bis zum 21. August liegt die Prämie für den Put mit Strike 44 bei etwa 2,80 US-Dollar, also rund 280 US-Dollar pro Kontrakt. Wer offensiver agieren will, kann den 45er-Put wählen: Dort fällt die Prämie höher aus, gleichzeitig steigt aber die Wahrscheinlichkeit einer Zuteilung. Als Faustregel gilt: Je höher der Strike, desto höher meist die Prämie – und desto höher das Übernahmerisiko. Da die Spreads bei einem Einzelwert wie Pan American Silver häufig weiter ausfallen als beim GDX, arbeitet OptionEarner hier konsequent mit Limit-Orders.
Die implizite Volatilität als Schlüsselgröße
Warum die Prämien so unterschiedlich ausfallen, führt Keil auf die vier klassischen Preistreiber einer Option zurück: den Kurs des Basiswerts, den Strike, die Restlaufzeit und vor allem die implizite Volatilität – also die vom Markt erwartete Schwankungsbreite. Steigt die Unsicherheit, steigen in der Regel auch die Prämien. Für den Optionsverkäufer ist das grundsätzlich attraktiv, doch eine hohe Prämie ist stets auch die Bezahlung für ein erhöhtes Risiko.
Einordnung
Im direkten Vergleich zeichnet Keil ein klares Bild: Der GDX ist die breitere, defensivere Variante mit mehr Streuung, meist besserer Liquidität und geringerem Einzelwertrisiko. Pan American Silver bietet größere direkte Chancen auf eine Erholung bei Gold und Silber, schwankt dafür aber stärker und ist risikoreicher.
In beiden Fällen kann der Put-Verkauf sinnvoll sein, sofern man für den Sektor grundsätzlich positiv gestimmt ist, eine Prämie vereinnahmen und einen günstigeren Einstiegskurs anstreben möchte. Die Strategie schafft so das Potenzial für regelmäßige Prämieneinnahmen und einen gewissen Kurspuffer – unter der zentralen Voraussetzung, dass man den Basiswert im Zweifel auch tatsächlich übernehmen will. Fällt der Kurs stark, bietet die Prämie nur einen begrenzten Schutz; genau deshalb bleibt die Auswahl übernahmewürdiger Basiswerte der eigentliche Kern der Strategie.