Zum Hauptinhalt springen
GOLDINVEST

Wenige Tage nach der technischen Meldung vom 8. Juli 2026 hat sich Bruce Counts, President und CEO von Storm Exploration (TSXV: STRM / WKN A3D37E), im Interview mit Kai Hoffmann vom „Gold Newsletter" die Zeit genommen, die neuen Daten für Investoren zu übersetzen. Das Gespräch entstand am Rande des Rule Symposium 2026 in Boca Raton, Florida, und dreht sich um das zu 100 Prozent kontrollierte Gold-Standard-Projekt rund 60 Kilometer nördlich von Fort Frances im Nordwesten Ontarios.

Vom Luftbild in die Tiefe: Was die neuen VLF-EM-Daten zeigen

Ausgangspunkt ist eine rund fünf Kilometer lange Leitfähigkeitsanomalie, die bereits in einer luftgestützten VTEM-Vermessung sichtbar wurde. Das Problem bei Messungen aus der Luft: Die Auflösung ist begrenzt. Genau hier setzt die bodengestützte VLF-EM-Vermessung an, die Storm nun eingesetzt hat. Sie liefert ein deutlich schärferes Bild davon, wo der Leiter tatsächlich verläuft, welche Form er hat und – entscheidend – wie er sich in die Tiefe entwickelt.

Das Resultat: Die Daten bestätigen einen starken Leiter rund 100 Meter unter der Oberfläche, der sich exakt mit der fünf Kilometer langen VTEM-Anomalie deckt. Die Interpretation zeigt mehrere, unterschiedlich einfallende leitfähige Korridore, deren Signatur zur Tiefe hin breiter und stärker wird. Sie fallen mit den geologischen Kontaktzonen zwischen mafischen und felsischen Vulkaniten zusammen – ein klassisches strukturelles Umfeld für vulkanogene Massivsulfide (VMS). Für die Phase-1-Vermessung wurden zehn Linienkilometer an vier Stellen entlang der Anomalie erhoben, mit einem Linienabstand von 100 Metern und Messpunkten alle 20 Meter.

Sulfide an der Oberfläche – inklusive Chalkopyrit

Parallel zur Geophysik stießen die Teams an drei voneinander unabhängigen Stellen direkt an der Oberfläche auf sulfidische Mineralisierung – darunter Chalkopyrit (Kupferkies), ein Kupfersulfid. Alle drei Fundstellen liegen entlang der Leitfähigkeitsanomalie.

Counts beschreibt seinen Ansatz im Interview als Suche nach dem „fatalen Fehler" – also nach jenem Punkt, der die VMS-These widerlegen könnte. Bislang zeige alles in die entgegengesetzte Richtung: von der Geologie im Gelände bis zu den Sulfiden an der Oberfläche. Wichtig sei die Einordnung: Die an der Oberfläche sichtbare Sulfidmenge allein erklärt die außergewöhnlich starke Leitfähigkeit nicht – sie bestätigt aber, dass Sulfide im System vorhanden sind. Und ein Kupfersulfid direkt über einem Leiter ist, so der CEO, für sich genommen bereits ein überzeugendes Bohrziel.

Warum ein VMS-System so interessant ist

VMS-Lagerstätten sind gut verstanden und ausgeprägt zoniert. In der Nähe des „Vents" – also dort, wo die metallhaltigen Fluide austraten – fällt bevorzugt Kupfer aus; mit zunehmender Entfernung nimmt der Zinkanteil zu. Je näher am Vent, desto mächtiger die Sulfidpakete und desto höher tendenziell die Gehalte. Genau deshalb kombiniert Storm zwei Datenebenen: Die VLF-EM zeigt als geophysikalischer „Fingerabdruck", wo der Leiter am dicksten ist – und damit, wo der Vent liegen könnte. Die systematische Beprobung der Sulfide liefert den geochemischen „Fingerabdruck", also die Verteilung von Kupfer, Zink und möglichem Gold entlang des Trends. Zusammen sollen beide Datensätze die aussichtsreichsten Bohrpunkte eingrenzen.

Warum Inco die Zielzone offenbar verfehlte

Historisch ist das Gebiet nicht unberührt: Inco brachte 1969 und 1970 vier flache Bohrungen mit kleinem Durchmesser entlang der Anomalie nieder. Drei davon durchteuften eine nennenswerte disseminierte bis semi-massive Mineralisierung aus Pyrit, Magnetkies, Chalkopyrit und Zinkblende. Entscheidend ist jedoch: Nach heutiger Interpretation hat keine dieser historischen Bohrungen den eigentlichen Leiter erreicht. In mehreren Fällen wurde er offenbar überbohrt oder verfehlt – das eigentliche VMS-Ziel gilt damit als bislang ungetestet. Counts weist im Interview fair darauf hin, dass sich die exakte Lage der alten Bohrungen nur anhand einer handgezeichneten Karte aus den Altberichten rekonstruieren lässt; die Bohrkerne selbst sind längst verschollen.

Graphit oder Sulfide? Die entscheidende Frage

Ein bekanntes Risiko bei starken Leitern: Reiner Graphit kann elektromagnetisch „aufleuchten" wie ein Weihnachtsbaum, ohne dass eine wirtschaftliche Mineralisierung dahintersteckt. Counts beziffert die Zuversicht des Teams, dass der Leiter sulfidgetrieben ist, auf 85 bis 90 Prozent. Zwar gebe es graphitische Horizonte im Gebiet, doch seien diese zu klein und zu schwach, um eine derart starke Leitfähigkeit zu erzeugen. Für ein Signal dieser Stärke brauche es – zusammen mit den Sulfiden an der Oberfläche – eine erhebliche Menge an Sulfiden.

Die nächsten Schritte und mögliche Katalysatoren

Die erste VLF-EM-Kampagne war bewusst ein Test – und hat gezeigt, dass die Methode auf dem Projekt hervorragend funktioniert. Nun soll das Raster über die gesamte fünf Kilometer lange Anomalie vervollständigt werden, begleitet von einer systematischen Gesteinsbeprobung im Meter-Takt entlang der Sulfide. Ziel ist ein möglichst robustes, lückenloses geochemisches Bild über die volle Streichlänge.

Auf die Bohrgenehmigung angesprochen, zeigt sich Counts zuversichtlich: Aktuell liege sie noch nicht vor, werde aber in der zweiten Julihälfte erwartet, ohne dass derzeit Hindernisse erkennbar seien. Ein logistischer Vorteil: Die Anomalie verläuft praktisch direkt entlang einer Straße, die im Vorjahr ausgebaut wurde – der Zugang ist also einfach, und sobald Genehmigung und Bohrgerät vor Ort sind, kann es zügig losgehen.

Als wesentliche Katalysatoren nennt der CEO die geochemischen Ergebnisse, den Abschluss von Geophysik und Geochemie, die Bekanntgabe der Bohrgenehmigung und schließlich das erste Bohrprogramm selbst – geplant sind rund 2.000 bis 3.000 Bohrmeter, um den starken Leiter idealerweise an der geochemisch aussichtsreichsten Stelle des Fünf-Kilometer-Trends zu testen.

Keine Rohstoff-Chance mehr verpassen

Exklusive Updates zu Gold, Kupfer & Co. – wöchentlich, kostenlos.