Quick Reference
- DDH
- Diamond Drill Hole (Diamantbohrung – Bohrkern als Probe)
- RC
- Reverse Circulation (Bohrlochspülung – Bohrklein als Probe)
- From / To
- Tiefe in Metern ab Bohransatzpunkt
- Intercept Length
- Länge des Vererzungsabschnitts im Bohrkern
- True Width
- wahre Mächtigkeit der Vererzungszone
- g/t Au
- Gramm Gold pro Tonne
- % Cu
- Prozent Kupfer
- incl. / inkl.
- „einschließlich" – Subintervall mit höherem Gehalt
Inhalt
Auf einen Blick
- Worum geht's? Eine Bohrmeldung ist die Pressemitteilung, mit der ein Mining-Unternehmen die Ergebnisse seiner Bohrkampagne kommuniziert. Sie bewegt regelmäßig den Aktienkurs – oft drastisch.
- Was steht drin? Headline-Zahlen, Bohrloch-Tabelle mit Gehalten und Mächtigkeiten, geologischer Kontext, CEO-Quote, QA/QC-Erklärung und juristische Disclaimer.
- Was ist Marketing, was ist Substanz? Die Schlagzeile ist meistens die schönste Geschichte. Die ehrliche Bewertung steckt in der Tabelle, im Cut-off Grade und in der True-Width-Angabe.
- Drei Werte sollten immer da sein: Cut-off Grade, True Width und QA/QC-Statement. Fehlt eines davon, ist Vorsicht angebracht.
- Wer das einmal beherrscht, kann eine Bohrmeldung in 3–5 Minuten valide bewerten – und gehört damit zur informierten Minderheit der Mining-Investoren.
1. Was ist eine Bohrmeldung?
Eine Bohrmeldung – im Englischen meist „Drill Results Press Release" – ist die offizielle Pressemitteilung, mit der ein Mining-Unternehmen die Ergebnisse seiner Bohrkampagne öffentlich macht. Für Junior Explorer sind Bohrmeldungen das wichtigste Kommunikationsereignis überhaupt: Sie sind der einzige Beleg dafür, was die Firma wirklich im Boden gefunden hat – und sie bewegen den Aktienkurs oft um zweistellige Prozentsätze, in beide Richtungen.
Bohrmeldungen folgen einem festen Aufbau, der sich über Jahrzehnte entwickelt hat. Sie enthalten eine Schlagzeile, einen Einleitungstext mit den wichtigsten „Highlights", eine technische Bohrloch-Tabelle, eine Geologen- oder CEO-Quote, Erläuterungen zu QA/QC und Methodik sowie diverse juristische Disclaimer. Die Reihenfolge variiert leicht, der Inhalt nicht.
Für Anleger ist diese Standardisierung Fluch und Segen zugleich. Segen, weil sich Bohrmeldungen über Unternehmen und Projekte hinweg vergleichen lassen, sobald man die Sprache einmal verstanden hat. Fluch, weil das standardisierte Format viel Spielraum für Marketing lässt: Welche Zahlen in die Schlagzeile kommen, welche Bohrlöcher überhaupt erwähnt werden, welcher Cut-off Grade angesetzt wird – all das entscheidet das Unternehmen selbst. Eine Bohrmeldung ist deshalb nie pure Tatsache, sondern immer auch Inszenierung.
2. Wer schreibt sie und wer reguliert sie?
Bohrmeldungen werden vom Unternehmen selbst verfasst – meist von der Investor-Relations-Abteilung in enger Abstimmung mit der Exploration und der Geschäftsführung. Die technischen Daten muss aber eine sogenannte Qualified Person (QP) prüfen und freigeben, also ein anerkannt qualifizierter Geologe oder Mining-Ingenieur.
Welche Standards angewendet werden, hängt vom Börsenplatz ab:
- NI 43-101 – kanadischer Standard, gilt für alle an der TSX oder TSX Venture Exchange notierten Unternehmen. Der globale De-facto-Standard für Junior Mining.
- JORC Code – australisches Pendant, für ASX-notierte Unternehmen.
- SAMREC – südafrikanischer Standard.
- PERC – europäischer Standard, in der Praxis seltener angewendet.
Diese Standards regeln, wie Ergebnisse berichtet werden müssen – nicht, ob sie berichtet werden müssen. Ein Unternehmen darf weiterhin entscheiden, welche Bohrlöcher in die Pressemitteilung kommen. Aber: Was berichtet wird, muss korrekt, vollständig und nicht irreführend sein. Verstöße können zu Anklagen wegen Wertpapierbetrugs führen – siehe der berühmte Bre-X-Skandal, bei dem manipulierte Bohrproben einen der größten Aktienbetrüge der Geschichte ermöglichten.
Für seriöse Junior-Explorer ist die Einhaltung dieser Standards selbstverständlich. Aber: Standards garantieren Genauigkeit, nicht Bedeutung. Auch eine vollkommen NI-43-101-konforme Pressemitteilung kann beim Anleger einen falschen Eindruck hinterlassen, wenn er sie nicht zu lesen weiß.
→ Mehr zum Thema im Artikel Ressourcen vs. Reserven – NI 43-101 verständlich erklärt und Bre-X – der größte Bergbau-Skandal der Geschichte.
3. Die Anatomie einer Bohrmeldung – Schritt für Schritt
Eine typische Bohrmeldung besteht aus sieben Komponenten, fast immer in dieser Reihenfolge:
1. Headline mit Schlagzeilen-Werten
Die optisch dominante Überschrift mit den besten 1–3 Bohrabschnitten. Hier kommt fast immer das Maximum dessen, was die Kampagne hergegeben hat.
2. „Highlights"-Liste
Eine bullet-pointierte Aufzählung der wichtigsten Befunde – meist die Top-Ergebnisse aus der Tabelle, oft inklusive Vergleich zur vorherigen Kampagne.
3. Einleitungstext mit CEO- oder VP-Exploration-Quote
Ein bis zwei Absätze Erläuterung mit eingebettetem Zitat. Hier wird die Bedeutung der Ergebnisse interpretiert – aus Unternehmenssicht.
4. Geologischer und projektbezogener Kontext
Wo wurde gebohrt? Welche Zone? Welche Phase der Exploration? Diese Informationen sind essenziell, weil ein Top-Hit in einer schon bekannten Zone weniger spektakulär ist als der gleiche Hit in einem neuen Gebiet.
5. Die vollständige Bohrloch-Tabelle
Das Herzstück der Bohrmeldung. Hier stehen alle Bohrlöcher, ihre Koordinaten, Längen, From/To-Werte und Gehalte. Wer Bohrmeldungen lesen will, lernt zuerst, diese Tabelle zu verstehen.
6. Methodik, QA/QC und QP-Statement
Erläuterungen, wie gebohrt, geprobt und analysiert wurde. Welche Labore? Welche Standards und Doppelproben? Wer ist die Qualified Person?
7. Juristische Disclaimer und Forward-Looking Statements
Standardtext am Ende, juristisch notwendig, inhaltlich meist überflüssig.
4. Die Headline – oft mehr Schein als Sein
Die Schlagzeile einer Bohrmeldung ist ein Marketing-Instrument. Sie soll Aufmerksamkeit erregen, Klicks generieren und im Idealfall den Aktienkurs nach oben treiben. Genau deshalb ist sie oft der am wenigsten neutrale Teil einer Pressemitteilung.
Typische Schlagzeilen-Muster:
- „Vulcan Gold meldet 5,2 m mit 28,4 g/t Au einschließlich 1,1 m mit 124 g/t Au"
- „Bonanza-Grade-Treffer auf dem Black Wolf Project"
- „Vulcan Gold erweitert hochgradige Goldzone signifikant"
Was diese Schlagzeilen vereinen: Sie wählen das eine beste Ergebnis aus oft zehn oder zwanzig Bohrlöchern. Die Schlagzeile mit „1,1 m mit 124 g/t Au" sagt nichts darüber aus, ob das ein einzelner Ausreißer war oder ob viele weitere Bohrlöcher ähnliche Werte zeigten. Und sie blendet aus, dass elf weitere Bohrungen in der Kampagne möglicherweise gar nichts Verwertbares getroffen haben.
Faustregel: Die Schlagzeile ist die Werbebroschüre. Die Wahrheit steht in der Bohrloch-Tabelle weiter unten. Wer eine Bohrmeldung wirklich verstehen will, scrollt direkt nach unten zur Tabelle und liest diese vor der Schlagzeile.
5. Die Bohrloch-Tabelle – das Herzstück
Die Bohrloch-Tabelle ist der einzige Teil einer Bohrmeldung, der vollständig durch die Daten getragen wird. Sie folgt einem Standardformat:
- Hole ID: BW-26-01 · From (m): 152,3 · To (m): 188,5 · Intercept (m): 36,2 · True Width (m): 28,1 · Au (g/t): 4,12 · Comment: Main Zone
- Hole ID: BW-26-01 · From (m): incl. 178,4 · To (m): 184,6 · Intercept (m): 6,2 · True Width (m): 5,1 · Au (g/t): 18,40 · Comment: High-grade lens
- Hole ID: BW-26-02 · From (m): 88,1 · To (m): 104,7 · Intercept (m): 16,6 · True Width (m): 12,9 · Au (g/t): 2,85 · Comment: Main Zone
- Hole ID: BW-26-03 · From (m): 245,8 · To (m): 248,2 · Intercept (m): 2,4 · True Width (m): 1,8 · Au (g/t): 0,98 · Comment: Hangingwall
- Hole ID: BW-26-04 · From (m): – · To (m): – · Intercept (m): – · True Width (m): – · Au (g/t): NSV · Comment: No significant values
Was die Spalten bedeuten:
- Hole ID: Eindeutige Bezeichnung des Bohrlochs. Format meist „[Projekt]-[Jahr]-[Nummer]". DDH steht für Diamond Drill Hole, RC für Reverse Circulation.
- From / To: Tiefe in Metern ab Bohransatzpunkt – also nicht ab Geländeoberfläche und nicht ab Meereshöhe, sondern ab dem Punkt, wo der Bohrkopf startet.
- Intercept (m): Die Länge des Vererzungsabschnitts im Bohrkern – schlicht die Differenz aus To minus From.
- True Width (m): Die geschätzte wahre Mächtigkeit der Vererzungszone, korrigiert um die Geometrie. Diese ist immer ≤ Intercept und der wirtschaftlich relevantere Wert.
- Au (g/t): Goldgehalt in Gramm pro Tonne über den genannten Abschnitt.
- Comment: Geologische Einordnung (welche Zone, welche Struktur).
Wichtige Beobachtungen:
- Die zweite Zeile zu BW-26-01 zeigt mit „incl." (einschließlich) ein Subintervall innerhalb des größeren Abschnitts. Es ist nicht zusätzlich zu den 36,2 m zu zählen, sondern Teil davon.
- Die Zeile zu BW-26-04 zeigt „NSV" – „No Significant Values". Das Bohrloch hat keine wirtschaftlich relevante Vererzung getroffen. Seriöse Unternehmen führen auch leere Bohrlöcher in der Tabelle. Wenn solche fehlen oder nur lapidar im Fließtext erwähnt werden, ist das ein Warnsignal.
- Die Differenz zwischen Intercept und True Width zeigt, dass die Bohrungen schräg zur Vererzung laufen. Diese Differenz muss für die GxT-Berechnung berücksichtigt werden.
→ Wie GxT-Werte gerechnet und interpretiert werden, erklärt der Artikel Gramm × Meter (GxT) – die wichtigste Faustformel für Bohrergebnisse.
6. Beispiel: Eine fiktive Bohrmeldung Schritt für Schritt sezieren
Schauen wir uns eine vereinfachte, fiktive Bohrmeldung an und arbeiten sie systematisch durch.
Vulcan Gold Corp. meldet hochgradige Goldfunde auf dem Black Wolf Project: 36,2 m mit 4,12 g/t Au, einschließlich 6,2 m mit 18,40 g/t Au
>
Toronto, 15. März 2026 – Vulcan Gold Corp. (TSX-V: VULC) freut sich, die Ergebnisse der ersten vier Bohrlöcher der Phase-2-Kampagne auf seinem zu 100 % im Eigentum befindlichen Black Wolf Project in Quebec, Kanada, bekannt zu geben.
>
Highlights: - 36,2 m mit 4,12 g/t Au (28,1 m True Width) in BW-26-01, einschließlich 6,2 m mit 18,40 g/t Au - 16,6 m mit 2,85 g/t Au (12,9 m True Width) in BW-26-02 - Bestätigung der Kontinuität der Main Zone über mindestens 250 m Streichlänge
>
„Diese Ergebnisse bestätigen unser Verständnis der Main Zone und positionieren Black Wolf als hochwertige Goldressource", kommentierte CEO Sarah Mitchell.
Schritt-für-Schritt-Analyse:
Schritt 1: Headline lesen, aber nicht überbewerten.
Die 36,2 m mit 4,12 g/t klingen sehr gut. GxT-Roh: 36,2 × 4,12 = 149. Das ist im Bereich „solide bis gut" für Gold. Mit der angegebenen True Width von 28,1 m wird die GxT auf 28,1 × 4,12 = 116 korrigiert – immer noch gut.
Schritt 2: Den „incl."-Trick erkennen.
Die einschließlich-Angabe „6,2 m mit 18,40 g/t" ist beeindruckend, aber sie ist kein zusätzlicher Treffer, sondern ein Subintervall von BW-26-01. Sie hilft zu verstehen, dass die Vererzung nicht homogen ist, sondern einen hochgradigen Kern hat. Sie als zweiten Treffer zu zählen, wäre Doppelzählung.
Schritt 3: Das zweite Bohrloch einordnen.
BW-26-02 zeigt 16,6 m mit 2,85 g/t (True Width 12,9 m). GxT: 12,9 × 2,85 = 37. Das ist mittelmäßig. Im Kontext eines Junior-Explorers durchaus berichtenswert, aber kein Sensationsergebnis.
Schritt 4: Das vierte Bohrloch beachten – das nicht erwähnt wird.
In den Highlights tauchen nur BW-26-01 und BW-26-02 auf. Erst die Tabelle verrät: BW-26-04 war ein „No Significant Values"-Bohrloch. Bei vier Bohrlöchern bedeutet das: 25 % der Kampagne war wertlos. Das ist nicht ungewöhnlich, sollte aber nicht übersehen werden.
Schritt 5: Gesamtbild bewerten.
Vier Bohrlöcher, zwei davon mit guten bis soliden Ergebnissen, eines mittelmäßig, eines leer. Das Projekt zeigt Substanz, aber keine Sensation. Die Story „Bestätigung der Kontinuität über 250 m Streichlänge" ist relevant – ein einzelner hochgradiger Hit ist viel weniger wert als ein Hit, der sich räumlich mit anderen Bohrungen verbindet. Das ist hier offenbar gegeben.
Wertung: Eine ehrliche, solide Bohrmeldung. Nicht das, was der Aktienkurs am Tag der Veröffentlichung suggerieren wird – aber auch keine reine Marketing-Show.
7. Cut-off, True Width und Capping – die drei Schlüsselbegriffe
Drei Begriffe entscheiden, ob eine Bohrmeldung seriös und vergleichbar ist. Wer sie nicht versteht, verpasst die Hälfte der Information.
Cut-off Grade
Der Cut-off ist der Mindestgehalt, ab dem eine Probe als „mineralisiert" in den Bohrabschnitt aufgenommen wird. Ein Beispiel: Bei einem Cut-off von 0,5 g/t Au würde eine Probe mit 0,4 g/t aus der Berechnung ausgeschlossen, eine mit 0,6 g/t einbezogen.
Der Cut-off entscheidet darüber, wie breit ein Vererzungsabschnitt erscheint. Mit einem niedrigen Cut-off von 0,3 g/t lässt sich aus einer schmalen, hochgradigen Vererzung ein breiter, niedrigergradiger Treffer machen – inklusive der mineralarmen Randbereiche. Mit einem höheren Cut-off von 0,8 g/t schrumpft derselbe Treffer auf den eigentlichen Vererzungskern zusammen.
Faustregeln für Cut-off-Werte bei Gold:
- Open-Pit Bulk Tonnage: 0,3 – 0,5 g/t
- Open-Pit Heap Leach: 0,2 – 0,4 g/t
- Standard Underground: 1,5 – 3,0 g/t
- Hochgradiges Underground: 4,0 – 8,0 g/t
Wenn eine Bohrmeldung einen Cut-off von 0,3 g/t für ein Untertage-Projekt verwendet, ist das rechnerisch zulässig, aber irreführend – kein Untertage-Mining ist bei 0,3 g/t profitabel.
→ Vertiefend: Cut-off Grade verstehen im Bergbauwissen-Dossier.
True Width
Wie im GxT-Artikel ausführlich erklärt: Die wahre Mächtigkeit ist immer ≤ Intercept. Wenn ein Bohrloch eine Vererzung schräg trifft, ist der im Bohrkern gemessene Abschnitt länger als die echte Vererzungszone. Bei einer 90°-Bohrung in eine 60°-geneigte Zone beträgt die True Width nur etwa 87 % der Bohrlänge; bei flacherer Geometrie kann der Faktor unter 50 % fallen.
Praxis-Hinweis: Wenn die True-Width-Angabe in einer Pressemitteilung fehlt, ist das nicht zwangsläufig betrügerisch – manchmal ist die Geometrie noch nicht ausreichend verstanden. Aber: Bei einer Bohrmeldung, die sehr breite Intercepts ohne True-Width-Angabe hervorhebt, sollte ein Anleger automatisch konservativ schätzen (typisch 50–70 % der Bohrlänge).
Capping
Bei statistischen Auswertungen einer Bohrkampagne werden extrem hochgradige Einzelproben („Bonanza Grades" oder „Outliers") oft auf einen Höchstwert begrenzt, das sogenannte Capping. Hintergrund: Eine einzelne Probe mit 500 g/t Au kann den Durchschnittsgehalt eines ganzen Bohrabschnitts dramatisch nach oben verzerren, ohne dass sie für die Lagerstätte als Ganzes repräsentativ wäre.
In Pressemitteilungen werden ungecappte Werte oft prominent platziert. Eine Bohrmeldung mit einer Bohrkernprobe von 525 g/t Au klingt spektakulär – könnte aber bei einer NI-43-101-Resourcenschätzung auf 30 oder 50 g/t gecappt werden, was die wirtschaftliche Realität deutlich nüchterner aussehen lässt. Seriöse Unternehmen geben sowohl ungecappte als auch gecappte Werte an.
8. CEO-Quote, QA/QC und die juristischen Disclaimer
Die CEO-Quote
Praktisch jede Bohrmeldung enthält ein Zitat des CEOs, des VP Exploration oder des Chefgeologen. Diese Quotes folgen einem festen Muster: Sie loben die Ergebnisse, bestätigen das Modell und kündigen die nächsten Schritte an.
Inhaltlich sind diese Quotes selten substanziell, aber sie liefern manchmal wertvolle Hinweise: Welche Pläne hat das Unternehmen für die nächste Kampagne? Wird eine Resource Estimate angekündigt? Welche Zonen werden als Priorität definiert?
Faustregel: Quote überspringen ist meist okay – es sei denn, sie enthält konkrete Pläne (Bohrmeter, Zeitpläne, Studien) oder finanzielle Hinweise.
QA/QC – Quality Assurance und Quality Control
Dieser Abschnitt ist für viele Anleger der langweiligste – und gleichzeitig einer der wichtigsten. QA/QC beschreibt, wie das Unternehmen sicherstellt, dass die Bohrproben korrekt entnommen, transportiert und analysiert wurden. Standardelemente:
- Bohrkernlagerung: Sicher und verschlossen?
- Probenversand: Per gesicherter Logistik zum Labor?
- Doppelproben (Duplicates): Stichproben werden in einem zweiten Labor analysiert.
- Standards: Proben mit bekanntem Gehalt werden mitgeschickt; das Labor muss korrekte Ergebnisse liefern.
- Blanks: Proben ohne Mineralgehalt werden mitgeschickt; das Labor darf keine falsch positiven Ergebnisse liefern.
- Akkreditiertes Labor: SGS, ALS, Bureau Veritas und Actlabs sind die führenden Namen.
Wenn ein Unternehmen QA/QC nur in einem einzigen Satz erwähnt („Standard QA/QC-Verfahren wurden angewendet"), ohne Details zu nennen, ist das ein leichtes Warnsignal. Seriöse Unternehmen widmen QA/QC einen ganzen Abschnitt.
Der Bre-X-Bezug: Genau bei QA/QC versagte beim Bre-X-Skandal alles – die Bohrproben wurden zwischen Bohrloch und Labor mit Goldstaub angereichert, ohne dass interne Kontrollen das auffingen. Seither sind QA/QC-Standards deutlich strenger.
Forward-Looking Statements
Der juristische Disclaimer am Ende jeder Bohrmeldung. Standardisiert, juristisch notwendig, inhaltlich überflüssig. Anleger können diesen Abschnitt überspringen.
9. Red Flags – wann eine Bohrmeldung Warnsignale sendet
Erfahrene Mining-Investoren entwickeln über die Jahre ein Gespür für Bohrmeldungen, die etwas verstecken. Sieben typische Red Flags:
1. Keine True-Width-Angaben
Wenn alle Intercepts ohne True-Width-Schätzung präsentiert werden, sollte ein Anleger automatisch konservativ rechnen. In komplexer Geometrie ist eine grobe Schätzung immer möglich – sie zu verschweigen ist eine bewusste Entscheidung.
2. Kein angegebener Cut-off Grade
Eine Pressemitteilung ohne Cut-off ist nicht vergleichbar. Was ist „60 m mit 0,9 g/t" wert, wenn man nicht weiß, ob ein Cut-off von 0,3 oder 0,8 g/t verwendet wurde?
3. Nur Highlights, keine vollständige Tabelle
Wenn ausschließlich die Top-Ergebnisse genannt werden und keine vollständige Bohrloch-Tabelle erscheint, fehlt der Kontext der gesamten Kampagne. Manchmal werden vollständige Tabellen erst Wochen später veröffentlicht – das ist ein Warnzeichen.
4. Verschwiegene leere Bohrlöcher
Wenn ein Unternehmen 15 Bohrlöcher abteuft und nur 8 in der Pressemitteilung erscheinen, fehlt die Information über die übrigen 7. Erfolgsquote in Bohrkampagnen ist eine entscheidende Information für Anleger.
5. Vage Geologie-Beschreibungen
„Highly mineralized intersection" ohne konkrete Werte ist fast nie ein gutes Zeichen. Seriöse Bohrmeldungen liefern Zahlen, keine Adjektive.
6. Aggressive Equivalent-Berechnungen
„AuEq"-Werte (Gold-Äquivalent) basieren auf Annahmen über Metallpreise und Recovery. Bei polymetallischen Projekten kann ein Unternehmen mit zu optimistischen Annahmen aus „2 g/t Au + 0,5 % Cu" einen klingenden Wert von „6 g/t AuEq" machen – der mit fairen Preisannahmen eher bei 3–4 g/t AuEq liegt. Achten auf die zugrunde gelegten Preisannahmen und die angenommene Recovery.
7. Inkonsistente Bohrlochreihenfolge
Wenn Bohrlöcher in unsystematischer Reihenfolge präsentiert werden – mal nach Datum, mal nach Erfolg, mal nach Zone – kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Reihenfolge bewusst gewählt wurde, um die besten Ergebnisse maximal sichtbar zu platzieren.
8. „Visible Gold"-Marketing ohne Assays
Pressemitteilungen, die nur „sichtbares Gold" im Bohrkern erwähnen, ohne dass Laborergebnisse vorliegen, sind reine Aktienkurs-Trigger. Sichtbares Gold sieht im Foto spektakulär aus, sagt aber nichts über den tatsächlichen Gehalt der Lagerstätte. Erst die Assays zählen.
10. Checkliste für Anleger
Eine Bohrmeldung kann in 3–5 Minuten valide bewertet werden, wenn man sie systematisch abarbeitet:
Schritt 1 – Kontext klären (30 Sekunden)
- Welche Phase des Projekts? (Grassroots-Exploration, Resource Definition, Feasibility?)
- Bekannte oder neue Zone?
- Wievielte Bohrkampagne ist es?
Schritt 2 – Tabelle prüfen (90 Sekunden)
- Vollständig? Auch leere Bohrlöcher gelistet?
- True Width angegeben?
- Cut-off Grade genannt?
- „incl."-Subintervalle korrekt einsortiert?
Schritt 3 – GxT der wichtigsten Bohrlöcher rechnen (60 Sekunden)
- True Width × Gehalt für die Top 3–5 Treffer
- Einordnung in Schwellenwerte (siehe GxT-Artikel)
Schritt 4 – QA/QC scannen (30 Sekunden)
- Akkreditiertes Labor?
- Doppelproben, Standards, Blanks erwähnt?
- Detaillierter Abschnitt oder nur ein lapidarer Satz?
Schritt 5 – Red Flags-Check (60 Sekunden)
- Fehlt eines der drei Schlüsselelemente (Cut-off, True Width, QA/QC)?
- Auffällig kreative Equivalent-Berechnungen?
- Aggressive Sprache ohne Substanz?
Schritt 6 – Einordnung im Kontext
- Wie verhält sich das Ergebnis zu früheren Kampagnen?
- Wird die Geologie-These bestätigt oder verändert?
- Gibt es einen Resource-Update-Zeitplan?
Wer diese sechs Schritte routiniert anwendet, erkennt eine schwache Bohrmeldung sofort – und vermeidet die typischen FOMO-Käufe nach reiner Marketing-Schlagzeile.
11. Fazit
Bohrmeldungen sind keine objektive Wahrheit – sie sind kommunizierte Wahrheit, eingerahmt von rechtlichen Standards. Wer das versteht, holt aus jeder Pressemitteilung deutlich mehr heraus als der Durchschnitts-Anleger.
Drei Take-aways:
- Lies die Tabelle vor der Schlagzeile. Die Schlagzeile inszeniert. Die Tabelle dokumentiert. Wer mit der Tabelle beginnt und erst dann zur Schlagzeile zurückkehrt, urteilt eigenständig statt geleitet.
- Drei Werte sind immer Pflicht: Cut-off, True Width, QA/QC. Fehlt eines davon, ist die Bohrmeldung in ihrer Bewertbarkeit eingeschränkt. Das macht sie nicht automatisch zur Lüge – aber sie wird zum Indiz, dass entweder das Geologie-Modell unausgereift ist oder das Unternehmen kommunikativ nicht ganz transparent agiert.
- GxT als Schnellfilter, dann tiefer einsteigen. Mit einer geübten GxT-Berechnung erkennt man in Sekunden, ob ein Treffer interessant ist. Aber GxT ist nur der Eingang – die echte Bewertung liegt in der Kontinuität, der Geologie und der Wirtschaftlichkeit.
Eine Bohrmeldung lesen können bedeutet nicht, eine Lagerstätte bewerten zu können – das ist Aufgabe von Geologen mit Jahrzehnten Erfahrung. Aber es bedeutet, eine Pressemitteilung nicht mehr unkritisch zu glauben. In einer Welt, in der jeder Junior-Explorer sich als nächstes Newmont vermarktet, ist das ein riesiger Vorteil.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen DDH und RC?
DDH (Diamond Drill Hole) bedeutet Diamantbohrung – mit einer diamantbesetzten Bohrkrone wird ein zylindrischer Bohrkern gewonnen, der dem Geologen die Vererzung visuell und chemisch zeigt. Diamantbohrungen sind teurer, liefern aber die genauesten Ergebnisse. RC (Reverse Circulation) ist ein günstigeres Bohrverfahren, bei dem das zerkleinerte Bohrgut durch Druckluft an die Oberfläche gespült wird – schneller und billiger, aber ohne Bohrkern und mit etwas geringerer Genauigkeit. In frühen Explorationsphasen wird oft RC genutzt, in späteren Phasen meist DDH.
Was bedeutet „NSV" in einer Bohrtabelle?
NSV steht für „No Significant Values" – das Bohrloch hat keine Werte erreicht, die über dem Cut-off Grade liegen. Es ist also leer im Sinne der wirtschaftlichen Vererzung, kann aber geologisch durchaus informativ sein (etwa für die Strukturkartierung). Seriöse Unternehmen führen NSV-Bohrlöcher in der Tabelle mit auf.
Was sagen mir die Bohrloch-Koordinaten?
Die Koordinaten zeigen, wo genau gebohrt wurde. Das ist wichtig, um zu verstehen, ob die Ergebnisse aus einer **bekannten Zone** stammen (Bestätigungsbohrung) oder ob sie eine **neue Zone** entdecken (Step-out-Bohrung). Step-out-Treffer sind oft wertvoller, weil sie das Lagerstätten-Modell erweitern. Die Koordinaten finden sich meist in der Bohrtabelle oder in einer Karte im Anhang der Pressemitteilung.
Warum sind „incl."-Angaben oft problematisch?
Sie sind nicht problematisch per se, aber sie werden oft missbraucht, um aus einem mittleren Bohrtreffer einen Topwert zu machen. Wenn ein Unternehmen „60 m mit 1,2 g/t Au, einschließlich 1,5 m mit 28 g/t Au" meldet, klingt der Top-Treffer (1,5 × 28 = 42 GxT) im hochgradigen Bereich – ist aber nur ein winziges Subintervall innerhalb eines mittelmäßigen Hauptintervals (60 × 1,2 = 72 GxT). Wer „incl."-Werte als zusätzliche Treffer zählt, übergewichtet die Bedeutung der Hochgrad-Lenses.
Wie lange dauert es von der Bohrung bis zur Pressemitteilung?
Typischerweise 6–12 Wochen. Bohrkerne werden vor Ort beschriftet und beprobt, dann gesichert ins akkreditierte Labor verschickt. Dort dauern die Assays (Fire Assay für Gold, ICP für andere Metalle) je nach Auslastung 4–8 Wochen. Hinzu kommen QA/QC-Prüfung, geologische Interpretation und das Schreiben der Pressemitteilung. Wenn ein Unternehmen Ergebnisse innerhalb von zwei Wochen nach Bohrung meldet, ist das fast immer ein Zeichen, dass es sich um vorläufige, noch nicht vollständig geprüfte Daten handelt.
Keine Rohstoff-Chance mehr verpassen
Exklusive Updates zu Gold, Kupfer & Co. – wöchentlich, kostenlos.