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Gramm × Meter (GxT) – die wichtigste Faustformel für Bohrergebnisse

12 Min.Stand:
Gramm × Meter (GxT) – die wichtigste Faustformel für Bohrergebnisse

Quick Reference

Formel
GxT = Erzgehalt × Mächtigkeit
Einheit Gold
g/t × m → „Gramm-Meter"
Einheit Kupfer
% × m → „%-Meter"
Einheit Silber
g/t × m → „Gramm-Meter"
Synonyme
Grade × Thickness, Gramm-Meter, GxT, GxM
Mediocre
< 50 GxT (Gold)
Gut
50–200 GxT
Exzellent
200–500 GxT
Inhalt

Auf einen Blick

  • Was ist GxT? Eine einfache Multiplikation: Erzgehalt mal Mächtigkeit. Sie liefert in einer einzigen Zahl einen schnellen Eindruck, wie „signifikant" ein Bohrabschnitt ist.
  • Warum wichtig? Bohrmeldungen wie „10 m mit 8 g/t Au" oder „50 m mit 2 g/t Au" lassen sich ohne GxT kaum vergleichen – mit GxT (80 vs. 100) auf einen Blick.
  • Daumenregel Gold: Unter 50 GxT mittelmäßig, 50–200 gut, 200–500 exzellent, über 500 weltklasse.
  • Wichtige Warnung: GxT ist eine Faustformel, kein Wert an sich. Wer sie ohne Cut-off, True Width und Capping interpretiert, kann teure Fehler machen.
  • Praktischer Nutzen: GxT ist das Werkzeug, mit dem erfahrene Anleger eine Bohrmeldung in 30 Sekunden einordnen.

1. Was ist GxT überhaupt?

GxT steht für „Gramm × Meter" oder im englischen Original „Grade × Thickness". Es ist eine simple Multiplikation aus zwei Zahlen, die in jeder Bohrmeldung enthalten sind: dem Erzgehalt (Grade, in Gramm pro Tonne bei Edelmetallen) und der Mächtigkeit (Thickness, in Metern). Das Ergebnis ist eine einzelne Vergleichszahl, mit der sich Bohrabschnitte unterschiedlicher Charakteristik schnell einordnen lassen.

Klingt banal – ist aber genau deshalb so mächtig. Wenn ein Junior-Explorer eine Pressemeldung mit „85 m mit 1,8 g/t Au" veröffentlicht und ein anderer „6 m mit 28 g/t Au" meldet, weiß ein Anleger ohne Vorwissen nicht, welches Ergebnis besser ist. Mit GxT-Rechnung (153 vs. 168) wird sofort klar: Beide sind ähnlich gut, das zweite Ergebnis sogar leicht besser – obwohl es auf den ersten Blick wie ein viel kleinerer Abschnitt wirkt.

In der Industrie ist GxT eine der am häufigsten genutzten Quick-Bewertungen überhaupt. Mining-Analysten, Fondsmanager und erfahrene Privatanleger rechnen sie reflexartig im Kopf, wenn sie eine Bohrmeldung sehen. Sie ist nicht perfekt – kein Wert, der eine Studie ersetzt – aber sie filtert in Sekunden heraus, ob ein Ergebnis aufmerksamkeitswürdig ist oder nicht.

2. Die Formel im Detail

Die Grundformel lautet:

GxT = Erzgehalt × Mächtigkeit

Bei Gold und Silber wird der Erzgehalt in Gramm pro Tonne (g/t) angegeben, die Mächtigkeit in Metern. Das Ergebnis trägt formal die Einheit „g/t × m", wird aber in der Praxis schlicht als „GxT" oder „Gramm-Meter" bezeichnet.

Beispiel:

40 m mit 3,5 g/t Au → 40 × 3,5 = 140 GxT

Bei Kupfer und anderen Basismetallen wird der Gehalt typischerweise in Prozent (%) angegeben. Die Formel bleibt identisch, das Ergebnis heißt dann „%-Meter":

150 m mit 0,8 % Cu → 150 × 0,8 = 120 %-Meter

Die Formel ist bewusst trivial – sie soll im Kopf rechenbar sein. Genau das ist ihr Vorteil: Eine Bohrmeldung, die einem Anleger im Newsfeed begegnet, lässt sich ohne Taschenrechner einordnen.

Wichtig: GxT ist eine lineare Approximation. Sie behandelt einen 50-Meter-Abschnitt mit 2 g/t und einen 2-Meter-Abschnitt mit 50 g/t als äquivalent (beide 100 GxT) – obwohl die wirtschaftliche Bedeutung dieser Bohrabschnitte sehr unterschiedlich sein kann. Dazu kommen wir in Abschnitt 5 ausführlich zurück.

3. Warum nicht einfach den Erzgehalt anschauen?

Auf den ersten Blick wirkt es naheliegend, die Bedeutung eines Bohrergebnisses am Erzgehalt allein festzumachen. Hohe Gehalte gleich gutes Ergebnis – oder? Die Realität ist deutlich komplizierter.

Eine Bohrmeldung, die nur den Gehalt nennt, sagt nichts über das Volumen der Vererzung aus. Eine 30 cm dünne, hochgradige Goldader mit 60 g/t kann optisch beeindrucken, aber wirtschaftlich kaum abbaubar sein – schlicht, weil sie zu schmal ist. Umgekehrt kann eine breite, niedriggradige Vererzung von 100 m mit 1,2 g/t Au eine wirtschaftlich überlegene Lagerstätte sein, weil sie sich im Tagebau effizient abbauen lässt.

Genau diese Volumendimension fängt GxT ein. Die Formel ist im Grunde ein vereinfachter Proxy für die Goldmenge pro Quadratmeter Querschnittsfläche – sie sagt: „Wenn du an dieser Stelle einen Quadratmeter senkrecht zur Bohrrichtung schneidest, wieviel Gold steckt da insgesamt drin?"

Diese Sichtweise erklärt auch, warum Bergbau-Erfahrene bei einer Bohrmeldung häufig zuerst auf die Mächtigkeit schauen, nicht auf den Erzgehalt. Eine breite, kontinuierliche Vererzung ist tendenziell besser abbaubar – und mit GxT lässt sich diese Intuition auf eine simple Zahl reduzieren.

4. Beispielrechnungen – GxT in der Praxis

Drei realitätsnahe Szenarien zeigen, wie GxT angewendet wird:

Beispiel 1: Vergleich zweier Bohrlöcher

Ein Junior-Explorer veröffentlicht zwei Bohrergebnisse aus seinem Goldprojekt in Quebec:

  • Bohrloch: DDH-2026-01 · Mächtigkeit: 65 m · Gehalt: 1,4 g/t Au · GxT: 91
  • Bohrloch: DDH-2026-02 · Mächtigkeit: 9 m · Gehalt: 11,2 g/t Au · GxT: 101

Auf den ersten Blick wirkt DDH-01 wie das spektakulärere Ergebnis, weil 65 m Mächtigkeit beeindrucken. Spezialisten lesen dies anders: Beide Abschnitte sind ähnlich „signifikant", DDH-02 sogar leicht besser bei einem Drittel der Mächtigkeit. Beide Treffer sind im Bereich „solide" – aber keine Sensation.

Beispiel 2: Bonanza-Grade vs. Bulk-Tonnage

Zwei Projekte mit identischer GxT, aber dramatisch unterschiedlichem Charakter:

  • Projekt: Projekt A · Mächtigkeit: 1,5 m · Gehalt: 200 g/t Au · GxT: 300 · Charakter: Schmale Bonanza-Ader, Untertage-Abbau
  • Projekt: Projekt B · Mächtigkeit: 150 m · Gehalt: 2,0 g/t Au · GxT: 300 · Charakter: Breite Stockwerk-Vererzung, Tagebau

Beide Projekte zeigen 300 GxT – ein exzellenter Wert. Wirtschaftlich sind sie aber völlig unterschiedlich: Projekt A bietet hochgradiges Untertage-Material, das Mining ist teurer aber bei kleineren Tonnagen profitabel. Projekt B ist eine klassische Open-Pit-Lagerstätte mit niedrigen Stückkosten, aber großem Anfangskapitalbedarf. Die GxT-Zahl ist gleich, die Investmentlogik nicht.

Beispiel 3: Wenn Capping die Story verändert

Ein Explorer meldet einen Topbohrabschnitt:

6 m mit 48 g/t Au, einschließlich 0,5 m mit 525 g/t Au

Roh-GxT: 6 × 48 = 288 – sieht nach einem Bombentreffer aus.

Was passiert, wenn der hochgradige Halbmeter mit der branchenüblichen Capping-Methode auf 30 g/t begrenzt wird (Standard-Praxis bei NI 43-101-Resourcenschätzungen, um Ausreißer-Werte nicht überzugewichten)?

  • Verbleibender 5,5-m-Abschnitt: angenommen mit 9,5 g/t (durchschnittlicher Restgehalt)
  • Gecappter Halbmeter: 0,5 m × 30 g/t

Neuer Durchschnittsgehalt: ((5,5 × 9,5) + (0,5 × 30)) / 6 = 11,2 g/t Gecappte GxT: 6 × 11,2 = 67

Aus 288 GxT werden 67. Das realistische Bild ist deutlich nüchterner als die Schlagzeile.

5. Was die Faustformel nicht zeigt

GxT ist mächtig, weil sie einfach ist – und genau das ist gleichzeitig ihre wichtigste Schwäche. Erfahrene Anleger kennen vier zentrale Limitationen:

1. GxT sagt nichts über die Wirtschaftlichkeit aus.

Eine Lagerstätte mit 200 GxT in 600 m Tiefe in einem schwer zugänglichen Hochgebirge ist anders zu bewerten als die gleichen 200 GxT in 80 m Tiefe an einer asphaltierten Straße. Mining-Methode, Strip-Ratio, Aufbereitungskosten und Infrastruktur entscheiden über Wirtschaftlichkeit – nicht der GxT-Wert.

2. GxT ignoriert den Cut-off Grade.

Pressemeldungen wählen oft selektiv den Cut-off, um attraktive GxT-Zahlen zu produzieren. Ein 100-Meter-Abschnitt mit 1,5 g/t bei einem Cut-off von 0,3 g/t ergibt 150 GxT. Bei einem realistischeren Cut-off von 0,8 g/t schrumpft dieser Abschnitt vielleicht auf 35 m mit 2,8 g/t = 98 GxT – immer noch gut, aber deutlich nüchterner. Wer den Cut-off nicht kennt, vergleicht Äpfel mit Birnen.

3. GxT ist linear – Mining-Realität ist es nicht.

Die Formel behandelt 1 m mit 100 g/t und 100 m mit 1 g/t als gleichwertig. In der Mining-Praxis sind beide Szenarien völlig verschieden: Das eine ist eine Bonanza-Ader im Untertagebau, das andere ist eine Bulk-Tonnage-Open-Pit-Lagerstätte. Beide können profitabel sein – oder eben nicht – aber sie folgen ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen.

4. GxT misst nicht die geologische Kontinuität.

Ein einzelner Bohrtreffer mit 200 GxT ist isoliert wenig wert, wenn die zwölf Bohrlöcher rundherum leer sind. Eine Lagerstätte braucht Kontinuität – die Vererzung muss über eine Fläche zusammenhängen. GxT pro Bohrloch sagt nichts über das Gesamtbild. Erst eine Resource Estimate nach NI 43-101 oder JORC fasst diese Kontinuität wissenschaftlich.

Mehr dazu im Artikel Ressourcen vs. Reserven – NI 43-101 verständlich erklärt.

6. True Width vs. Drilled Width

Eine der größten Stolperfallen bei der GxT-Interpretation ist die Unterscheidung zwischen wahrer Mächtigkeit und Bohrabschnittslänge.

Ein Bohrloch durchteuft eine Vererzungszone fast nie senkrecht. Wenn die Vererzung mit 60° Neigung im Untergrund liegt und das Bohrloch senkrecht von oben gebohrt wird, ist die im Bohrkern gemessene Länge des Vererzungsabschnitts immer größer als die echte Mächtigkeit der Vererzungszone.

Vereinfachtes Beispiel:

  • Bohrlängenabschnitt: 30 m mit 4 g/t Au → GxT laut Pressemitteilung: 120
  • Pressemeldung erwähnt: „True width geschätzt auf etwa 60 % der Bohrlänge"
  • Wahre Mächtigkeit: 30 × 0,6 = 18 m
  • Realer GxT-Wert: 18 × 4 = 72

Der Unterschied zwischen 120 und 72 ist erheblich – aus einem soliden Treffer wird ein mittelmäßiger.

Best Practice: Seriöse Junior-Explorer geben in ihren Pressemitteilungen immer beide Werte an – die gemessene Bohrlänge („intercept length") und die geschätzte wahre Mächtigkeit („estimated true width"). Wenn ein Explorer ausschließlich die Bohrlängen angibt und keine True-Width-Schätzung liefert, sollte das ein Warnsignal sein. Es ist nicht zwingend Betrug – Geometrie ist oft komplex – aber es heißt, dass der Anleger die Bewertung selbst leisten muss.

Faustregel: Wenn die wahre Mächtigkeit nicht angegeben ist, kann ein konservativer Investor pauschal mit 50–70 % der Bohrlänge rechnen – als Worst-Case-Annahme für die GxT-Bewertung.

7. Was ist „gut"? – Schwellenwerte und Einordnung

Über die Jahre haben sich in der Bergbau-Industrie informelle Schwellenwerte etabliert, an denen sich die Qualität eines Bohrergebnisses grob ablesen lässt. Diese Werte sind keine harten Definitionen, sondern Branchen-Konventionen, die jeder erfahrene Mining-Analyst kennt.

GxT-Schwellenwerte für Gold (g/t × m):

  • Bereich: < 50 · Einordnung: Mittelmäßig · Charakter: Häufig zu schmal oder zu niedriggradig für eine eigenständige Lagerstätte
  • Bereich: 50 – 200 · Einordnung: Solide / gut · Charakter: Typisch für gute Junior-Projekte; bei Kontinuität entwicklungsfähig
  • Bereich: 200 – 500 · Einordnung: Exzellent · Charakter: Material, das ein Projekt definieren kann
  • Bereich: 500 – 1.000 · Einordnung: Außergewöhnlich · Charakter: Nur wenige Projekte weltweit liefern solche Werte regelmäßig
  • Bereich: > 1.000 · Einordnung: World-Class / Bonanza · Charakter: Echte Spitzenfunde; oft Headline-Material

Wichtige Einschränkungen:

  • Diese Werte gelten für einzelne Bohrabschnitte, nicht für eine ganze Lagerstätte.
  • Konsistenz ist wichtiger als Einzelhits: Zehn Bohrlöcher mit je 80 GxT sind oft mehr wert als ein Bohrloch mit 800 GxT plus zwölf leeren Bohrlöchern.
  • Tagebau-Projekte können auch bei niedrigen GxT-Werten profitabel sein, wenn die Tonnage groß und der Strip-Ratio niedrig ist.
  • Hochgradige Untertage-Vererzungen können niedrige GxT-Werte haben und trotzdem attraktiv sein, wenn die Mining-Kosten dies rechtfertigen.

Beispiel-Einordnungen aus der Praxis:

  • 30 m mit 1,5 g/t Au = 45 GxT → mittelmäßig
  • 80 m mit 1,8 g/t Au = 144 GxT → gut
  • 120 m mit 2,5 g/t Au = 300 GxT → exzellent
  • 50 m mit 12 g/t Au = 600 GxT → außergewöhnlich

8. GxT bei verschiedenen Rohstoffen

Die GxT-Faustformel ist nicht auf Gold beschränkt – sie wird sinngemäß auch für andere Rohstoffe verwendet, allerdings mit angepassten Einheiten und Schwellenwerten.

Kupfer (% × m):

Bei Kupfer wird der Gehalt in Prozent angegeben. Die Schwellenwerte sind entsprechend niedriger in absoluten Zahlen:

  • < 50 %·m: Mittelmäßig
  • 50 – 200 %·m: Gut
  • 200 – 500 %·m: Exzellent
  • > 500 %·m: World-Class

Beispiel: 200 m mit 0,8 % Cu = 160 %-Meter → gut

Silber (g/t × m):

Silber wird wie Gold in g/t gemessen, allerdings mit deutlich höheren typischen Werten. Faustregel: Schwellenwerte etwa um den Faktor 60–80 höher als bei Gold (entsprechend dem Gold-Silber-Ratio).

  • < 3.000 GxT: Mittelmäßig
  • 3.000 – 12.000 GxT: Gut
  • 12.000 – 30.000 GxT: Exzellent
  • > 30.000 GxT: World-Class

Beispiel: 20 m mit 350 g/t Ag = 7.000 GxT → gut

Polymetallische Lagerstätten – AuEq und CuEq:

Bei Lagerstätten mit mehreren Metallen rechnen Unternehmen häufig mit „Gold-Äquivalent" (AuEq) oder „Kupfer-Äquivalent" (CuEq). Die Beimetalle werden über Preis-Ratios in einen einzigen Gold- oder Kupfer-Wert umgerechnet, anschließend wird ein einziger GxT-Wert berechnet.

Vorsicht: Diese Umrechnung hängt stark von den angenommenen Metallpreisen ab und kann zur Schönfärberei missbraucht werden. Wer „4,5 g/t AuEq" liest, sollte immer prüfen, welche Preisannahmen und welche Recovery-Rates dahinterstehen.

9. Häufige Tricks und Fallstricke

Anleger sollten bei GxT-Interpretationen einige typische „Pressemitteilungs-Tricks" kennen, mit denen schwächere Ergebnisse besser dargestellt werden:

1. Kreatives Cut-off-Picking

Mit einem niedrig angesetzten Cut-off lässt sich nahezu jede Vererzungszone breiter darstellen. Ein Bohrabschnitt von „150 m mit 0,5 g/t Au" sieht imposant aus – ist aber bei einem Cut-off von 0,8 g/t für eine Open-Pit-Mine kaum als Erzmaterial einzustufen.

Was tun: Nach dem zugrunde gelegten Cut-off Grade in der Pressemitteilung suchen. Seriöse Unternehmen geben ihn an. Wenn nicht: Vorsicht.

2. Verschachtelte „Including"-Angaben

Pressemitteilungen werben oft mit Aussagen wie:

„90 m mit 2,1 g/t Au, einschließlich 12 m mit 8,4 g/t Au, einschließlich 2 m mit 35 g/t Au"

Klingt nach drei Bombentreffern, ist aber nur ein Bohrabschnitt mit hochgradigen Teilbereichen. Die GxT der Gesamtmächtigkeit (189) und nicht die jeweils enthaltenen High-Grade-Lenses sind die Bewertungsgrundlage. Die „Including"-Hinweise zeigen Vererzungs-Charakteristik, nicht Lagerstätten-Größe.

3. Cherry-Picking einzelner Bohrlöcher

Wenn ein Unternehmen aus einer Kampagne von 30 Bohrlöchern nur die zwei besten via Pressemitteilung kommuniziert, entsteht ein verzerrtes Bild. Erst der Gesamtdatensatz (sichtbar im technischen Report oder NI 43-101) gibt eine seriöse Einschätzung.

4. Ausreißer ohne Capping

Ein einzelner extrem hochgradiger Wert kann den Durchschnittsgehalt eines Bohrabschnitts dramatisch heben. Branchenstandard bei Resource Estimates ist deshalb das Capping – die künstliche Begrenzung von Ausreißern auf einen statistisch sinnvollen Höchstwert. In Pressemitteilungen werden Werte aber oft ungecappt veröffentlicht.

5. Fehlende True-Width-Angabe

Wie in Abschnitt 6 beschrieben: Wenn nur die Bohrlänge angegeben wird, kann der reale Wert deutlich niedriger sein. Achtung bei Formulierungen wie „intercept length" oder „drilled length" ohne True-Width-Ergänzung.

Faustregel für Anleger: Eine Bohrmeldung, die alle drei Werte angibt – Cut-off, True Width und gecapptes/ungecapptes Capping – ist seriös. Fehlt eines davon, sollte der GxT-Wert nur als Indikator, nicht als Faktum behandelt werden.

Tiefer einsteigen: Wie liest man eine Bohrmeldung? und Cut-off Grade verstehen im Bergbauwissen-Dossier.

10. Fazit

GxT ist die wichtigste Faustformel für jeden, der Bohrmeldungen liest – aber sie ist eben eine Faustformel, kein Werturteil. Ihre Stärke liegt in der Schnelligkeit: In drei Sekunden eine Größenordnung. Ihre Schwäche ist genau dieselbe Eigenschaft: Sie reduziert Komplexität so stark, dass wichtige Informationen verloren gehen.

Die drei wichtigsten Take-aways für Anleger:

  1. GxT ist ein Filter, kein Urteil. Sie hilft, eine Bohrmeldung in Sekunden einzuordnen. Aber bevor man auf Basis davon eine Investitionsentscheidung trifft, müssen Cut-off, True Width und geologische Kontinuität geprüft werden.
  2. Konsistenz schlägt Einzelhits. Ein Junior-Explorer mit zwanzig 80-GxT-Bohrlöchern auf einer kontinuierlichen Vererzungszone ist meist mehr wert als einer mit zwei 800-GxT-Hits in einem unverstandenen Felsmassiv.
  3. Pressemitteilungen sind Marketing. Auch GxT-Werte können selektiv präsentiert werden. Wer eine Bohrmeldung wirklich verstehen will, schaut in die NI-43-101-Reports und die Cross-Sections. Die Faustformel ist der Einstieg, nicht das Ziel.

GxT richtig zu nutzen, bedeutet vor allem zu wissen, wann sie hilft und wann sie irreführen kann. Mit dieser Routine hat man als Anleger einen entscheidenden Vorteil gegenüber der breiten Masse, die jede Pressemitteilung mit großen Zahlen für eine Sensation hält.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet GxT genau?

GxT steht für „Grade × Thickness" – also Erzgehalt mal Mächtigkeit. Bei Gold und Silber wird der Gehalt in Gramm pro Tonne (g/t) angegeben, die Mächtigkeit in Metern. Das Ergebnis ist eine Vergleichszahl in „g/t × m", die häufig kurz als „GxT" oder „Gramm-Meter" bezeichnet wird.

Ist ein höherer GxT-Wert automatisch besser?

Tendenziell ja, aber nicht uneingeschränkt. Höhere GxT-Werte bedeuten mehr Metall pro Quadratmeter Querschnittsfläche – ein guter Indikator für die Signifikanz eines Bohrabschnitts. Aber: Zwei Bohrabschnitte mit gleicher GxT (etwa 1 m × 100 g/t vs. 100 m × 1 g/t) können wirtschaftlich völlig unterschiedlich sein. Wirtschaftlichkeit hängt von Mining-Methode, Cut-off, Tiefe, Infrastruktur und Recovery ab – nicht nur vom GxT-Wert.

Was ist ein „world-class"-GxT-Wert bei Gold?

In der Branche gelten GxT-Werte über 500 als außergewöhnlich, über 1.000 als world-class. Beispiele aus der Geschichte: Einzelne Bohrabschnitte aus Goldcorps Red-Lake-Mine erreichten Werte über 5.000 GxT. Solche Treffer sind selten und machen das Hauptthema einer Pressemitteilung aus – sie sind aber kein Garant für ein erfolgreiches Projekt, wenn die Kontinuität fehlt.

Wie unterscheidet sich GxT bei Gold von Kupfer?

Bei Gold rechnet man mit Gramm pro Tonne, bei Kupfer mit Prozent. Die Formel bleibt gleich (Gehalt × Mächtigkeit), die Schwellenwerte unterscheiden sich aber dramatisch in absoluten Zahlen. Ein Wert wie „200 GxT" hätte bei Gold und Kupfer komplett unterschiedliche Bedeutung. Faustregel Kupfer: über 200 %·m gilt als exzellent, über 500 als world-class.

Was ist der Unterschied zwischen Bohrlänge und True Width?

Die Bohrlänge („drilled length" oder „intercept length") ist die im Bohrkern gemessene Länge des Vererzungsabschnitts. Die True Width ist die wahre Mächtigkeit der Vererzungszone, gemessen senkrecht zu ihrer Geometrie. Wenn ein Bohrloch eine Vererzung schräg trifft, ist die Bohrlänge **immer größer** als die True Width. Für eine seriöse GxT-Bewertung sollte immer die True Width verwendet werden.

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