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Ressourcen vs. Reserven – NI 43-101 verständlich erklärt

15 Min.Stand:
Ressourcen vs. Reserven – NI 43-101 verständlich erklärt

Quick Reference

Exploration Target
Spekulative Ziel-Schätzung, keine Ressource
Inferred Resource
Vermutete Ressource (geringe Sicherheit)
Indicated Resource
Angedeutete Ressource (mittlere Sicherheit)
Measured Resource
Gemessene Ressource (hohe Sicherheit)
M+I
Measured + Indicated (Standard-Aggregat)
Probable Reserve
aus Indicated Resources, wirtschaftlich abbaubar
Proven Reserve
aus Measured Resources, wirtschaftlich abbaubar
PEA
Preliminary Economic Assessment
Inhalt

Auf einen Blick

  • Worum geht's? „Ressource" und „Reserve" werden im Alltag oft synonym verwendet – im Bergbau sind sie zwei klar getrennte Konzepte mit unterschiedlicher Aktienkurs-Wirkung.
  • Ressource: geologisch nachgewiesene Mineralisation, wirtschaftlich nicht zwingend abbaubar.
  • Reserve: Teilmenge der Ressource, die durch eine wirtschaftliche Studie als rentabel abbaubar bestätigt wurde.
  • Drei Sicherheitsstufen: Inferred (vermutet) → Indicated (angedeutet) → Measured (gemessen). Reserven gibt es nur in zwei Stufen: Probable und Proven.
  • NI 43-101 ist der wichtigste Reporting-Standard, eingeführt 2001 als Reaktion auf den Bre-X-Skandal. Er verpflichtet Mining-Unternehmen zu Transparenz – Anleger müssen die Sprache aber kennen, um zu profitieren.
  • Praxis-Faustregel: Inferred-Ressourcen sind spekulativ, Reserven sind die „Hard Currency" der Bewertung.

1. Warum die Unterscheidung Aktienkurse bewegt

In Investorenforen liest man regelmäßig Sätze wie „Das Unternehmen hat eine Ressource von 3 Mio. Unzen Gold" – und der Aktienkurs spiegelt diese Wahrnehmung. Was die meisten Anleger jedoch nicht hinterfragen: Was für eine Ressource? Eine Inferred-Ressource? Eine Measured-Ressource? Oder gar eine Reserve?

Der Unterschied ist enorm. Eine Inferred-Ressource ist eine geologische Vermutung mit großer Unsicherheit – sie kann beim nächsten Resource Update auf die Hälfte schrumpfen oder verschwinden. Eine Measured-Reserve dagegen ist faktisch ein Bankrohstoff – sie ist die Grundlage, auf der Banken Milliardenkredite vergeben.

Die Marktkapitalisierung pro Unze („EV/oz") schwankt entsprechend dramatisch:

  • Exploration Target: 5–25 USD
  • Inferred Resource: 25–60 USD
  • Indicated + Measured: 50–120 USD
  • Probable + Proven Reserve: 100–250 USD
  • Producing Mine: 200–500 USD

Mit jedem Schritt nach oben in der Sicherheits-Pyramide steigt die typische Bewertung pro Unze um den Faktor 1,5–2x. Eine fehlerhafte Einordnung der Ressourcen-Klasse bedeutet damit für Anleger einen systematischen Bewertungsfehler – in beide Richtungen.

Genau deshalb ist NI 43-101 das wichtigste Begriffsfeld im Mining-Investment.

Mehr zur Aktienkursdynamik im Lebenszyklus: Die Lassonde-Curve verstehen im Investieren-Dossier.

2. Was ist NI 43-101 – und warum gibt es ihn?

NI 43-101 steht für „National Instrument 43-101 – Standards of Disclosure for Mineral Projects". Es ist ein verbindlicher kanadischer Regulierungsstandard, der vorschreibt, wie Mining-Unternehmen über ihre mineralischen Projekte berichten dürfen. Eingeführt 2001 von den Canadian Securities Administrators (CSA) ist er heute der globale De-facto-Standard für Junior-Mining – nicht nur weil Kanada der wichtigste Listing-Platz für Mining-Aktien ist, sondern weil NI 43-101 inhaltlich besonders streng ist.

Der historische Kontext: NI 43-101 wurde als direkte Reaktion auf den Bre-X-Skandal entwickelt. 1997 stellte sich heraus, dass das kanadische Junior-Mining-Unternehmen Bre-X Minerals seine vermeintliche „Lagerstätte" Busang in Indonesien systematisch manipuliert hatte – Bohrproben waren mit Goldstaub angereichert worden („salting"), die gemeldete „Ressource" von angeblich 200 Mio. Unzen Gold existierte nicht. Anleger verloren rund 6 Milliarden CAD. Bis dahin hatte es in Kanada keinen verbindlichen Reporting-Standard für Bohrproben gegeben.

NI 43-101 schreibt seit 2001 vor:

  • Jeder veröffentlichte Mineralisierungsbefund muss von einer Qualified Person (QP) verantwortet werden – einem geprüften Geologen oder Mining-Ingenieur.
  • Bei materiellen Veränderungen muss innerhalb von 45 Tagen ein Technical Report (oft mehrere hundert Seiten) bei den Aufsichtsbehörden eingereicht werden.
  • Der Report folgt einer 27-kapitelvorgegebenen Struktur – von der Property-Beschreibung über die Geologie bis zur wirtschaftlichen Bewertung.
  • Inferred-Ressourcen dürfen nicht in wirtschaftliche Studien einfließen, mit Ausnahme einer PEA (siehe Abschnitt 6).

Andere Standards:

  • JORC Code (Australien) – inhaltlich sehr ähnlich, gilt für ASX-Notierungen.
  • SAMREC (Südafrika) – für JSE-Notierungen.
  • PERC (Europa) – seltener angewendet.
  • CRIRSCO ist die internationale Dachorganisation, die alle Standards koordiniert.

Praktisch gilt: Wer ein NI-43-101-konformes Reporting versteht, versteht auch JORC – die Standards sind weitgehend kompatibel.

3. Die Sicherheits-Pyramide: Vom Exploration Target zur Reserve

Der gesamte Reporting-Standard lässt sich als hierarchische Sicherheits-Pyramide darstellen. Jede Stufe verlangt mehr Daten, mehr Sicherheit – und ist damit für Anleger wertvoller. Vereinfacht:

Wichtige Beobachtungen:

  • Was ganz unten beginnt (Exploration Target), ist offiziell keine Ressource – nur eine Schätzung mit der erwarteten Größenordnung. Ein seriöses Exploration Target wird als Bandbreite angegeben („zwischen 1,2 und 2,5 Mio. Unzen Au"), nie als feste Zahl.
  • Die drei mittleren Stufen sind Ressourcen – geologische Konzepte. Sie beschreiben, was im Boden ist, sagen aber nichts über die Wirtschaftlichkeit.
  • Die zwei oberen Stufen sind Reserven – ökonomische Konzepte. Sie sind ein Teil der Ressourcen, der wirtschaftlich abbaubar ist.

Eine zentrale Regel des NI 43-101:

Eine Inferred-Ressource kann niemals direkt zu einer Reserve werden. Sie muss vorher durch zusätzliche Bohrungen mindestens auf Indicated-Niveau angehoben werden.

Diese Regel ist der wichtigste Mechanismus der Sicherheits-Pyramide. Sie verhindert, dass spekulative Ressourcenmengen in finalen wirtschaftlichen Studien (PFS, DFS) Verwendung finden.

4. Die drei Ressourcen-Klassen: Inferred, Indicated, Measured

Die drei Ressourcen-Klassen unterscheiden sich primär durch die geologische Datendichte und die daraus resultierende statistische Sicherheit.

Inferred Resource (vermutete Ressource)

Die niedrigste Stufe. Inferred-Ressourcen werden auf Basis weniger Bohrlöcher und limitierter geologischer Information geschätzt. Die Bohrlochabstände sind groß – bei flach liegenden Vererzungen typischerweise 100–250 m, bei strukturkontrollierten Lagerstätten manchmal noch mehr. Die geologische Kontinuität wird zwischen den Bohrlöchern angenommen, nicht bewiesen.

Charakteristik:

  • Geringe statistische Sicherheit
  • Tonnage und Gehalt können bei mehr Bohrungen um 30–50 % schwanken
  • Darf in PFS und DFS nicht berücksichtigt werden
  • Kann in einer PEA verwendet werden, aber muss als „Inferred" gekennzeichnet sein

Indicated Resource (angedeutete Ressource)

Die mittlere Stufe. Indicated-Ressourcen sind durch ein dichteres Bohrraster (typisch 50–100 m) und konsistente geologische Interpretation belegt. Die Kontinuität der Vererzung zwischen Bohrlöchern ist wahrscheinlich, nicht nur vermutet.

Charakteristik:

  • Mittlere statistische Sicherheit (Schwankung typisch ≤ 15–20 %)
  • Darf in PFS-Studien einfließen
  • Kann zu Probable Reserves werden, wenn Modifying Factors stimmen

Measured Resource (gemessene Ressource)

Die höchste Ressourcen-Stufe. Measured-Ressourcen erfordern ein engmaschiges Bohrraster (oft < 50 m), bei dem die geologische Kontinuität statistisch eindeutig belegt ist.

Charakteristik:

  • Hohe statistische Sicherheit (Schwankung typisch ≤ 10 %)
  • Darf in DFS einfließen
  • Kann zu Proven Reserves werden, wenn Modifying Factors stimmen

Aggregations-Konventionen:

In der Praxis werden Ressourcen oft kombiniert berichtet:

  • „M+I" = Measured + Indicated → die wirtschaftlich verwertbare Ressourcen-Basis
  • „Total Resource" = M+I+Inferred → die geologische Gesamt-Ressourcen-Basis (oft optisch beeindruckend, aber Inferred-Anteil immer separat ausweisen!)
  • Klasse: Inferred · Bohrabstand (typisch): 100–250 m · Statistische Sicherheit: ± 30–50 % · Verwendung: nur PEA
  • Klasse: Indicated · Bohrabstand (typisch): 50–100 m · Statistische Sicherheit: ± 15–20 % · Verwendung: PFS, DFS
  • Klasse: Measured · Bohrabstand (typisch): < 50 m · Statistische Sicherheit: ± 10 % · Verwendung: PFS, DFS

5. Die zwei Reserven-Klassen: Probable, Proven

Reserven sind wirtschaftlich abbaubare Teilmengen der Ressourcen. Während Ressourcen rein geologische Konzepte sind, müssen Reserven nachweislich rentabel produzierbar sein.

Probable Reserve (wahrscheinliche Reserve)

Wird aus einer Indicated Resource abgeleitet, nachdem alle „Modifying Factors" geprüft wurden (siehe Abschnitt 7). Mindestens eine PFS muss vorliegen.

Charakteristik:

  • Geologische Basis: Indicated Resources
  • Wirtschaftliche Basis: PFS oder DFS
  • Höhere Sicherheit als Ressourcen, aber noch nicht maximal

Proven Reserve (nachgewiesene Reserve)

Wird aus einer Measured Resource abgeleitet. Erfordert i. d. R. eine DFS und das Vorliegen aller Genehmigungen.

Charakteristik:

  • Geologische Basis: Measured Resources
  • Wirtschaftliche Basis: DFS, idealerweise inkl. Genehmigungen
  • Höchste Sicherheitsstufe, Bankenfinanzierung möglich

Eine zentrale Beobachtung:

In der Praxis sind viele aktive Minen mit „Proven + Probable" (P+P) Reserven kombiniert ausgewiesen. Das hat einen pragmatischen Grund: Selbst in produzierenden Minen wird nicht das gesamte Erzkörper-Volumen so engmaschig erbohrt, dass alles als „Measured" qualifiziert. Der Mix aus Probable und Proven Reserve ist typisch und kein Warnsignal.

  • Reserven-Klasse: Probable · Geologische Basis: Indicated · Studientyp: PFS oder DFS
  • Reserven-Klasse: Proven · Geologische Basis: Measured · Studientyp: DFS, idealerweise inkl. Permits

6. Die Studien-Eskalation: PEA, PFS, DFS

Eine Ressource wird nicht über Nacht zur Reserve. Dazwischen liegen drei Stufen wirtschaftlicher Studien, die sich in Tiefe und Genauigkeit dramatisch unterscheiden.

PEA – Preliminary Economic Assessment

Die erste wirtschaftliche Bewertung eines Projekts. Sie liefert eine erste Indikation: Könnte das Projekt überhaupt wirtschaftlich sein?

Eigenschaften:

  • Darf Inferred-Ressourcen verwenden (mit klarer Kennzeichnung)
  • Genauigkeitsanspruch: ± 30–50 %
  • Kosten: typisch 300.000 bis 1 Mio. USD
  • Dauer: 3–6 Monate
  • Resultat: Erste NPV-, IRR- und Capex-Schätzung

Wichtig für Anleger: Eine PEA ist kein Beleg für Wirtschaftlichkeit, sondern eine Studie. Aktienkurse reagieren oft euphorisch auf positive PEAs („IRR 35 %!"), aber Inferred-Ressourcen können bei tieferen Studien dramatisch schrumpfen.

PFS – Pre-Feasibility Study

Die zweite, deutlich seriösere Studienebene. Inferred-Ressourcen sind hier nicht mehr erlaubt.

Eigenschaften:

  • Nur Indicated und Measured Resources zulässig
  • Genauigkeitsanspruch: ± 25 %
  • Kosten: typisch 1–5 Mio. USD
  • Dauer: 6–12 Monate
  • Erstmals werden Probable Reserves ausgewiesen

DFS – Definitive Feasibility Study (auch Bankable Feasibility Study)

Die finale Studienstufe. Sie ist die Grundlage, auf der Banken eine Projektfinanzierung gewähren.

Eigenschaften:

  • Nur Indicated und Measured Resources zulässig
  • Genauigkeitsanspruch: ± 10–15 %
  • Kosten: typisch 5–25 Mio. USD
  • Dauer: 12–24 Monate
  • Probable + Proven Reserves werden ausgewiesen
  • Detaillierte Engineering-Designs, Verträge mit Anlagenbauern, Permitting in Endphase

Aktienmarkt-Wirkung der Studien-Eskalation:

  • Maiden Resource (Inferred): +20 bis +80 %
  • Resource Update (mehr Indicated): +10 bis +40 %
  • PEA (positiv): +30 bis +100 %
  • PFS (positiv): +20 bis +60 %
  • DFS (positiv): +10 bis +40 %
  • Construction Decision: +10 bis +30 %
  • Erste Produktion: +5 bis +20 %

Diese Treppe der Aktienkurs-Effekte ist genau das, was die Lassonde-Curve beschreibt – mit dem berüchtigten „Tal des Todes" zwischen positiver DFS und erster Produktion, wenn die Finanzierung steht und die spekulative Phantasie verschwindet.

Vertiefend: Die Lassonde-Curve verstehen im Investieren-Dossier.

7. Modifying Factors – was aus einer Ressource eine Reserve macht

Eine Ressource wird nicht allein durch mehr Bohrungen zur Reserve – sie braucht den Nachweis der Wirtschaftlichkeit. Genau dafür hat NI 43-101 die sogenannten Modifying Factors definiert. Sie listen alle Aspekte auf, die zwischen geologischer Existenz und wirtschaftlichem Abbau stehen.

Die acht Modifying Factors:

1. Mining

Welche Mining-Methode wird verwendet (Open-Pit, Untertage, Heap Leach)? Welche Verluste durch Verdünnung treten auf? Welcher Anteil der Ressource ist tatsächlich abbaubar (Mining Recovery)? Wieviel Gestein muss bewegt werden (Strip Ratio)?

2. Metallurgy / Processing

Wie hoch ist die metallurgische Recovery-Rate? Welche Aufbereitungsverfahren werden eingesetzt (Flotation, CIL, Heap Leach)? Welche Beimetalle werden mitgewonnen? Diese Werte stammen aus metallurgischen Tests an Bohrkern-Proben.

3. Wirtschaftlichkeit

Welche Metallpreise werden angenommen? Welche Kosten (Mining-Kosten, Aufbereitung, Transport, Royalties)? Welcher Diskontierungssatz wird für NPV-Berechnungen verwendet? In NI-43-101-Studien sind diese Annahmen mit Sensitivitätsanalysen zu untermauern.

4. Marketing

Existieren Verkaufskontrakte für das produzierte Konzentrat oder Doré? Welche Smelter- und Refinery-Charges fallen an? Bei seltenen Metallen (z. B. Wolfram, Antimon) ist diese Frage kritisch, weil der Markt deutlich fragmentierter ist als bei Gold oder Kupfer.

5. Legal

Sind die Mining-Konzessionen unbestritten? Gibt es Streitigkeiten mit indigenen Gruppen oder Nachbarbesitzern? Sind die Lizenzen verlängerungsfähig?

6. Environmental

Welche Umwelt-Auflagen gelten? Wie wird das Tailings-Management organisiert? Liegen die nötigen Genehmigungen vor oder sind sie absehbar?

7. Social

Wie ist die soziale Lizenz im Projektgebiet (Social License to Operate)? Gibt es Widerstand der lokalen Bevölkerung? Bei Projekten in Lateinamerika ist dies häufig die kritischste Frage.

8. Governmental

Welche Steuern und Royalties verlangt die Regierung? Wie stabil ist der politische Rahmen? Wie wahrscheinlich sind Vertragsänderungen oder Verstaatlichungen?

Eine Ressource wird nur dann zur Reserve, wenn alle acht Faktoren positiv – oder zumindest mit kalkulierbarem Restrisiko – beantwortet sind. Ein Projekt mit hervorragender Geologie kann an einem einzigen Modifying Factor scheitern: an fehlender sozialer Akzeptanz, an einem Wassermangel, an einer Regierungsentscheidung.

8. Vulcan Gold im Praxis-Beispiel: Vom Bohrhit zur Reserve

Erinnerst du dich an Vulcan Gold Corp. aus dem Bohrmeldungs-Artikel? Das fiktive Junior-Unternehmen meldete im März 2026 die ersten vier Bohrlöcher der Phase-2-Kampagne auf dem Black Wolf Project. Schauen wir uns an, wie diese Bohrhits über die Jahre durch die Sicherheits-Pyramide wandern könnten – als idealtypischer Verlauf.

Phase 1 – Mai 2026: Maiden Resource (Inferred)

Nach insgesamt 28 abgeteuften Bohrlöchern (rund 12.000 Bohrmetern) veröffentlicht Vulcan Gold die erste Ressourcenschätzung – eine Maiden Resource:

  • 1,2 Mio. Unzen Au @ 1,8 g/t Au, alles Inferred

Aktienkurs reagiert mit +60 %. Wichtig zu wissen: Die Schätzung ist gut, aber die Inferred-Klassifikation bedeutet, dass der Wert in zukünftigen Updates auf 0,8 oder 1,6 Mio. Unzen schwanken kann.

Phase 2 – Anfang 2027: Resource Update (Konversion zu Indicated)

Nach weiteren 22.000 Bohrmetern in einem dichteren Raster veröffentlicht das Unternehmen ein Resource Update:

  • 1,8 Mio. Unzen Au gesamt:

- davon 0,9 Mio. Unzen Indicated @ 2,1 g/t Au - 0,9 Mio. Unzen Inferred @ 1,4 g/t Au

Die Konversion von Inferred zu Indicated bei der zentralen Zone der Lagerstätte ist der wichtigste Datenpunkt für Anleger – sie bedeutet, dass Vulcan Gold jetzt eine PFS-fähige Ressourcen-Basis hat.

Phase 3 – Mitte 2027: PEA

Vulcan Gold veröffentlicht seine erste PEA, in der auch die Inferred-Ressourcen einbezogen werden. Die Ergebnisse:

  • Capex: 380 Mio. USD
  • NPV (8 % Diskontierung): 720 Mio. USD bei 2.000 USD/oz Au
  • IRR: 28 %
  • Lebensdauer der Mine: 11 Jahre

Aktienkurs reagiert mit +85 %. Wichtig: Diese Zahlen sind preliminary – die Inferred-Anteile könnten in der nachfolgenden PFS verschwinden.

Phase 4 – Ende 2028: PFS und erste Reserven

Nach weiterem Infill-Drilling und einer 14-monatigen Studie veröffentlicht Vulcan Gold die Pre-Feasibility Study:

  • Erstmals Probable Reserves ausgewiesen: 0,7 Mio. Unzen Au @ 1,9 g/t Au
  • Indicated + Measured Resources: 1,4 Mio. Unzen Au
  • Inferred (separat ausgewiesen): 0,4 Mio. Unzen Au
  • Verfeinerte Capex: 425 Mio. USD
  • NPV (8 %): 580 Mio. USD bei 2.000 USD/oz
  • IRR: 22 %

NPV und IRR sind niedriger als in der PEA – das ist normal und kein Warnsignal. Gleichzeitig hat das Projekt jetzt eine belastbare Reservenbasis, mit der Bankenfinanzierungen verhandelt werden können.

Phase 5 – Mitte 2030: DFS und Construction Decision

Nach 18 Monaten Engineering und Permitting wird die Definitive Feasibility Study veröffentlicht:

  • Probable + Proven Reserves: 1,1 Mio. Unzen Au @ 2,1 g/t Au
  • Permits: vorhanden
  • Verfeinerte Capex: 460 Mio. USD
  • NPV (5 %): 750 Mio. USD bei 2.200 USD/oz
  • IRR: 24 %

Vulcan Gold trifft die Construction Decision und verhandelt parallel ein Bankenkonsortium. Aktienkurs reagiert moderat (+15 %), weil die Story bereits weitgehend eingepreist ist – willkommen im Tal des Todes der Lassonde-Curve.

Take-away aus dem Vulcan-Gold-Beispiel:

Was 2026 noch eine Inferred-Schätzung von 1,2 Mio. Unzen war, ist vier Jahre später eine 1,1-Mio.-Unzen-Reserve. Die nominalen Unzenzahlen sind ähnlich – aber die Bewertungs-Qualität ist eine völlig andere. Genau diese Reise verstehen zu können, ist der Kernwert dieses Artikels.

9. Häufige Tricks und Fallstricke

Auch innerhalb des regulierten NI-43-101-Frameworks gibt es Spielräume, die Junior-Unternehmen für Marketing nutzen. Sieben typische Fallstricke:

1. „Gesamt-Ressource" ohne Aufschlüsselung

Eine Pressemitteilung, die nur „2,5 Mio. Unzen Gesamt-Ressource" nennt, ohne die Aufschlüsselung in Inferred/Indicated/Measured zu zeigen, macht den Wert nicht bewertbar. Wenn 80 % davon Inferred sind, ist die wirtschaftlich verwertbare Basis dramatisch kleiner.

2. PEA-Zahlen werden als final dargestellt

Eine PEA mit „NPV von 1,2 Mrd. USD" wird gerne als feste Größe präsentiert – obwohl sie auf Inferred-Ressourcen basiert und ± 30–50 % Genauigkeitsanspruch hat. In der nachfolgenden PFS schrumpft der NPV oft erheblich.

3. Resource-Verwässerung über die Zeit

Manche Unternehmen veröffentlichen alle 12–18 Monate ein Resource Update – immer mit etwas optimistischeren Annahmen, etwas niedrigerem Cut-off, etwas höheren Metallpreisen. Wer die Versionen vergleicht, sieht oft: Die geologische Basis hat sich kaum verändert, nur die Rechenparameter.

4. Cut-off-Optimierung

Der Cut-off Grade entscheidet maßgeblich über die ausgewiesene Ressourcen-Tonnage. Mit einem niedrigen Cut-off lassen sich riesige Niedrig-Grade-Volumen darstellen, die wirtschaftlich kaum abbaubar sind. Anleger sollten den verwendeten Cut-off mit dem Mining-Typ abgleichen (siehe Cut-off Grade verstehen).

5. Ressourcen + Reserven werden vermischt

In schlecht aufgesetzten Pressemitteilungen liest man Aussagen wie „Das Projekt hat 3 Mio. Unzen Ressourcen und Reserven". Das ist NI-43-101-rechtlich problematisch, weil Reserven Teilmenge der Ressourcen sind – sie zu addieren bedeutet Doppelzählung.

6. Veraltete Studien werden weiter zitiert

Eine PEA von 2018 mit 1.300 USD/oz Au-Preisannahme ist 2026 nicht mehr relevant. Trotzdem zitieren manche Junior-Unternehmen jahrelang dieselben veralteten Studienzahlen. Anleger sollten immer das Datum der zitierten Studie prüfen.

7. Equivalent-Ressourcen mit aggressiven Preisannahmen

Bei polymetallischen Lagerstätten werden Beimetalle in Gold-Äquivalent (AuEq) oder Kupfer-Äquivalent (CuEq) umgerechnet. Mit zu optimistischen Preisannahmen oder zu hoch angesetzter Recovery lassen sich attraktive Equivalent-Werte produzieren, die in der Realität unerreichbar sind.

Vertiefend zu Tricks: Wie liest man eine Bohrmeldung? im Bergbauwissen-Dossier.

10. Was Anleger konkret prüfen sollten

Eine seriöse Bewertung einer Mining-Aktie braucht ein paar Minuten Aufwand pro Pressemitteilung – und führt mit Routine zu deutlich besseren Investmententscheidungen.

Bei jeder Resource Estimate:

  • Wie ist die Aufschlüsselung zwischen Inferred, Indicated und Measured?
  • Welcher Cut-off Grade wurde verwendet? Passt er zum geplanten Mining-Typ?
  • Welche Metallpreise wurden angenommen? Realistisch oder aggressiv?
  • Welche Recovery-Rate? Aus metallurgischen Tests oder pauschal angenommen?
  • Wer ist die QP, und an welchem Institut/Beratungsfirma ist sie tätig?

Bei jeder Studie (PEA/PFS/DFS):

  • Welches Studien-Niveau? (PEA = vorläufig, PFS = Realisierungsbasis, DFS = bankfähig)
  • NPV bei welchem Diskontierungssatz?
  • Welche Sensitivitätsanalysen sind enthalten? (Metallpreise +/- 20 %, Capex +/- 15 %)
  • Welche Hauptannahmen treiben den NPV (Metallpreise, Capex, Mengen)?
  • Wie alt ist die Studie? (> 24 Monate = Vorsicht)

Bei der Reserve-Konversion:

  • Welche Modifying Factors sind kritisch? (Permits, soziale Akzeptanz, Wasser, Royalties)
  • Sind die Permits bereits erteilt oder noch ausstehend?
  • Liegen Smelter-Verträge vor (bei Konzentrat-Produzenten)?

Diese Liste mag aufwendig wirken, aber sie filtert in 80 % der Fälle die Marketing-Geschichten heraus.

11. Fazit

Der Unterschied zwischen Ressource und Reserve ist die wichtigste konzeptuelle Trennung im gesamten Mining-Investment. Wer Inferred-Ressourcen wie Reserven behandelt, überzahlt regelmäßig. Wer Reserven wie Inferred-Ressourcen behandelt, lässt Chancen liegen. NI 43-101 schafft zwar einen verbindlichen Rahmen – aber es ist die Aufgabe des Anlegers, diese Sprache zu sprechen.

Drei Take-aways:

  1. Ressource ≠ Reserve. Eine Ressource ist eine geologische Beobachtung. Eine Reserve ist ein wirtschaftlicher Beleg. Beide werden nach NI 43-101 unterschiedlich behandelt, und der Markt zahlt für beide unterschiedlich. Anleger, die diese Unterscheidung verinnerlichen, vermeiden eine der häufigsten Bewertungsfallen im Junior-Mining.
  2. Die Studien-Eskalation ist der Wertmotor. Jede Stufe – PEA, PFS, DFS, Construction Decision – ist ein Trigger für signifikante Aktienkurs-Bewegungen. Diese Sequenz ist der Kern dessen, was die Lassonde-Curve beschreibt. Wer die Studienstufen kennt, kann die Aktienkurs-Phasen einordnen, in denen ein Unternehmen sich gerade befindet.
  3. Modifying Factors sind oft der Engpass. Geologie scheitert selten – Genehmigungen, soziale Akzeptanz und Wasser dagegen häufig. Wer die acht Modifying Factors regelmäßig durchgeht, sieht Probleme früher als der Markt.

NI 43-101 ist keine Garantie gegen Verluste, aber es ist eine Sprache, die Anleger trennt. Wer sie spricht, ist nie wieder auf das Marketing-Vokabular angewiesen, das viele Junior-Unternehmen so gerne pflegen.

Häufig gestellte Fragen

Können Reserven sinken?

Ja, und das passiert regelmäßig. Reserven werden meistens jährlich oder alle 2–3 Jahre neu berechnet. Sinkt der angenommene Metallpreis, steigen Kosten, oder zeigen sich operative Probleme, kann ein Teil der Reserven wieder aus der Bilanz fallen. Während der Goldpreis-Tiefphase 2013–2015 mussten zahlreiche Goldproduzenten ihre Reservenbasis bei Goldpreisen unter 1.300 USD/oz reduzieren.

Was ist eine „Maiden Resource"?

Die erste offizielle Ressourcenschätzung für ein Projekt – meist nach 1–3 Jahren systematischer Bohrkampagne. Sie ist fast immer überwiegend Inferred und löst regelmäßig deutliche Aktienkurs-Bewegungen aus. Anleger sollten beachten, dass eine Maiden Resource der Anfang eines langen Weges ist – nicht ein wirtschaftlicher Beleg.

Was ist der Unterschied zwischen NI 43-101 und JORC?

Inhaltlich sehr ähnlich – beide unterscheiden Inferred/Indicated/Measured und Probable/Proven, beide verlangen einen QP. Die Hauptunterschiede liegen im Detail: NI 43-101 ist etwas strenger bei Inferred-Ressourcen in PEAs, JORC etwas flexibler bei der Berichtsfrequenz. Praktisch sind sie aber kompatibel; CRIRSCO als Dachorganisation harmonisiert die Standards weiter.

Können Inferred-Ressourcen direkt zu Reserven werden?

Nein, niemals. Das ist eine zentrale Regel des NI 43-101: Inferred-Ressourcen müssen erst durch zusätzliche Bohrungen mindestens auf Indicated-Niveau angehoben werden, bevor sie in eine Reserve einfließen können. Diese Regel verhindert, dass spekulative geologische Schätzungen in finalen wirtschaftlichen Studien Verwendung finden.

Warum ist eine PEA wertvoll, wenn sie so unsicher ist?

Weil sie der erste belastbare wirtschaftliche Indikator für ein Projekt ist. Die PEA zeigt, ob Projektgrößenordnung, Cash Flows und Capex überhaupt im profitablen Bereich liegen – oder ob das Projekt, selbst bei optimistischen Annahmen, kein attraktives Risiko-Rendite-Profil hat. Eine negative PEA beerdigt ein Projekt oft endgültig; eine positive PEA gibt grünes Licht für die teurere PFS.

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