Quick Facts
- Chemisches Symbol
- Ag (Argentum)
- Ordnungszahl
- 47
- Dichte
- 10,49 g/cm³
- Schmelzpunkt
- 961,8 °C
- Mohs-Härte
- 2,5
- Top-3-Produzentenländer
- Mexiko, China, Peru
- Weltproduktion p.a.
- rund 26.000 Tonnen (2025)
- Hauptanwendungen
- Industrie (Solar, Elektronik), Investment, Schmuck
- Kritischer Rohstoff (EU/US)
- nein – aber strategisch durch Solar- und KI-Demand
Inhalt
Auf einen Blick
- Was ist Silber? Silber (Ag) ist ein Edelmetall mit der höchsten elektrischen und thermischen Leitfähigkeit aller Metalle – das macht es einzigartig: Es ist gleichzeitig Wertspeicher und unverzichtbarer Industrierohstoff.
- Hauptverwendung: Rund 50 % der Nachfrage kommen aus der Industrie (Solar-PV, Elektronik, KI-Hardware, E-Mobilität), der Rest verteilt sich auf Investment, Schmuck und Silberbesteck.
- Top-Produzenten: Mexiko, China und Peru dominieren die Förderung; rund 70 % des weltweiten Silbers fallen jedoch als Beiprodukt der Blei-, Zink- und Kupferförderung an.
- Preis & Trend: Silber notiert am 07.05.2026 bei rund 73 USD je Unze – ein Plus von über 120 % gegenüber Vorjahr. Strukturelles Angebotsdefizit seit 2021.
- Investment-Relevanz: Höherer Hebel als Gold, ausgeprägtere Volatilität, klassischer Bestandteil eines diversifizierten Edelmetalldepots – mit zusätzlichem Industrie-Story-Bonus.
Was ist Silber?
Silber ist ein chemisches Element mit dem Symbol Ag – abgeleitet vom lateinischen „argentum", was so viel wie „glänzend, weiß" bedeutet – und trägt die Ordnungszahl 47. Wie Gold zählt es zur Gruppe der Edelmetalle und kommt in der Natur sowohl gediegen als auch in Mineralverbindungen vor. Es ist eines der ältesten dem Menschen bekannten Metalle: Schon vor mehr als 5.000 Jahren wurde Silber in Anatolien aus Bleierzen gewonnen, und in der Antike entstanden die ersten Silbermünzen, die den Welthandel prägten.
Was Silber von allen anderen Edelmetallen unterscheidet, ist seine Doppelrolle: Es ist gleichzeitig monetäres Asset und kritischer Industrierohstoff. Während Gold heute zu über 90 % in Schmuck, Investment und Zentralbanken fließt, geht rund die Hälfte der Silbernachfrage in industrielle Anwendungen – Tendenz steigend. Diese Konstellation macht Silber zur einzigen Edelmetall-Anlage, die zugleich von Krisenangst und Industriekonjunktur profitiert.
Historisch war Silber jahrhundertelang sogar wichtiger als Gold: Vom römischen Denar über den spanischen Real bis zum US-Silver-Dollar war Silber das tägliche Geld der Welt. Das endete mit dem „Crime of '73", als die USA den Silber-Standard zugunsten eines reinen Goldstandards aufgaben. Seither hat Silber seine monetäre Rolle weitgehend an Gold abgegeben – und sich gleichzeitig zu einem der industriell unverzichtbarsten Metalle der Energiewende entwickelt. Für Anleger ergibt sich daraus eine spannende Kombination: ein Edelmetall, dessen Preis sowohl auf Inflations- und Krisenängste als auch auf Solar-Ausbau und KI-Server-Boom reagiert.
Eigenschaften
Silber hat eine außergewöhnliche Eigenschafts-Kombination, die es industriell unersetzbar macht. Es besitzt die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Metalle, die höchste thermische Leitfähigkeit aller Metalle und die höchste Reflektivität im sichtbaren Lichtspektrum. In allen drei Disziplinen liegt Silber sogar vor Kupfer und Gold – ein einzigartiges Profil, das in der Materialwissenschaft praktisch alternativlos ist.
Mit einer Dichte von 10,49 g/cm³ ist Silber rund halb so schwer wie Gold und mit einer Mohs-Härte von 2,5 vergleichsweise weich. Reines Silber lässt sich daher sehr gut bearbeiten, läuft aber an Luft an, weil es mit Schwefelwasserstoff zu schwarzem Silbersulfid reagiert – der bekannte Belag auf altem Silberbesteck. Dieser Effekt ist auch der Grund, warum hochwertiger Silberschmuck oft rhodiniert oder mit Schutzlack versehen wird.
Chemisch ist Silber weniger inert als Gold: Es löst sich in Salpetersäure und in heißer konzentrierter Schwefelsäure. Im Vergleich zu Gold ist Silber zudem rund 65-mal häufiger in der Erdkruste vertreten – etwa 75 ppb gegenüber 4 ppb bei Gold – was den deutlich niedrigeren Preis erklärt.
- Atommasse: 107,87 u
- Dichte: 10,49 g/cm³
- Schmelzpunkt: 961,8 °C
- Siedepunkt: 2.162 °C
- Mohs-Härte: 2,5
- Elektrische Leitfähigkeit: 63,0 × 10⁶ S/m (höchste aller Metalle)
- Wärmeleitfähigkeit: 429 W/(m·K)
- Reflektivität (sichtbares Licht): bis 95 %
- Häufigkeit in der Erdkruste: ca. 75 ppb
Im direkten Vergleich zu Gold ist Silber günstiger, weicher, häufiger und industriell vielseitiger; gegenüber Kupfer (Dichte 8,96 g/cm³, deutlich höhere Härte) hat Silber höhere Leitfähigkeit, ist aber etwa hundertmal teurer und korrosionsbeständiger.
Vorkommen und Geologie
Silber kommt in der Natur in mehreren Formen vor: gediegen als reines Metall, in Silbermineralen wie Argentit (Ag₂S), Akanthit und Chlorargyrit, sowie als Beimengung in Blei-, Zink- und Kupfererzen. Mit etwa 75 Milliardstel Anteilen in der Erdkruste ist Silber zwar selten, aber rund 19-mal häufiger als Gold.
Die geologisch wichtigsten Lagerstättentypen sind:
- Epithermale Silber-Lagerstätten: Entstehen oberflächennah bei vulkanischer Aktivität, häufig hochgradig. Der mexikanische Silbergürtel und Teile des Andengebiets gehören hierzu.
- Polymetallische Lagerstätten: Vor allem Blei-Zink-Silber-Lagerstätten (z.B. Cannington in Australien, Antamina in Peru) liefern Silber als wirtschaftlich relevantes Beiprodukt.
- Porphyr-Kupfer-Lagerstätten: Auch große Kupferminen (Buenavista del Cobre, Grasberg) tragen substanzielle Silbermengen bei.
- VMS-Lagerstätten (Volcanogenic Massive Sulfide): Sulfidische Lagerstätten, oft mit hohen Silbergehalten neben Kupfer und Zink.
Eine wichtige Besonderheit für Anleger: Rund 70 % des weltweiten Silberangebots fallen als Beiprodukt der Förderung anderer Metalle an. Reine Silberminen, sogenannte „Primary Silver Producer", liefern nur etwa 30 %. Das hat Konsequenzen für die Preisreaktion: Wenn der Silberpreis steigt, kann das Angebot kurzfristig kaum schnell ausgeweitet werden – es hängt schließlich von Kupfer-, Blei- und Zink-Förderentscheidungen ab. Genau diese Trägheit ist einer der Gründe für das anhaltende strukturelle Defizit.
Die globalen Reserven schätzt der U.S. Geological Survey (USGS) auf rund 720.000 Tonnen wirtschaftlich abbaubares Silber. Bei aktueller Fördermenge entspricht das einer statischen Reichweite von etwa 28 Jahren – allerdings ohne Berücksichtigung des Recyclings und neuer Funde.
Top-Minen weltweit (2025, gerundet):
- Cannington (Australien): ca. 460 Tonnen Ag
- Fresnillo (Mexiko): ca. 280 Tonnen Ag
- Saucito (Mexiko): ca. 270 Tonnen Ag
- Antamina (Peru): ca. 260 Tonnen Ag
- Penasquito (Mexiko): ca. 250 Tonnen Ag
Anwendungen und Verwendung
Die Silbernachfrage verteilt sich gemäß Silver Institute World Silver Survey auf vier Hauptblöcke. Im Gegensatz zu Gold dominiert dabei die Industrie – mit deutlich steigender Tendenz.
1. Industrielle Anwendungen (rund 50–55 %)
Silber ist das industriell vielseitigste Edelmetall. Die wichtigsten Sub-Segmente:
- Solar-Photovoltaik: Mit rund 29 % des industriellen Silberverbrauchs ist die Solarindustrie der größte Einzeltreiber – ein dramatischer Anstieg von etwa 11 % im Jahr 2014. Jedes PV-Modul enthält feine Silberpasten, die Strom aus den Solarzellen leiten.
- Elektronik und Halbleiter: Bonddrähte, Kontakte, Leiterplatten – Silber ist in praktisch jedem elektronischen Gerät verbaut.
- KI- und Rechenzentren: Ein neuer struktureller Treiber. KI-fokussierte Server verbrauchen schätzungsweise zwei- bis dreimal mehr Silber als klassische Server-Hardware, vor allem in Hochfrequenz-Kontakten und Kühlsystemen.
- E-Mobilität: Elektrofahrzeuge nutzen rund das Doppelte an Silber gegenüber Verbrennern, vor allem in Batteriemanagement, Sensorik und Kontaktsystemen.
- Medizintechnik: Silberionen wirken antimikrobiell und werden in Wundauflagen, Beschichtungen und Implantaten eingesetzt.
2. Investment (rund 20–25 %)
Physische Anlagebarren und Anlagemünzen sowie ETFs/ETCs. Nach dem Preisanstieg 2025/26 verzeichnet auch die Silber-Investment-Nachfrage neue Rekorde – auf einem allerdings deutlich niedrigeren absoluten Niveau als bei Gold.
3. Schmuck und Silberbesteck (rund 18–22 %)
Indien ist mit Abstand der größte Schmuckkonsument für Silber, gefolgt von China und den USA. Hochpreisphasen drücken jedoch zunehmend auf die Schmuckmenge.
4. Sonstige (rund 3–5 %)
Photographie (heute fast verschwunden, aber noch vorhanden), Münzgeld einzelner Staaten, Katalysatoren, Spiegel, hochwertige Münzbesteck-Auflagen.
Substitute? In manchen industriellen Anwendungen zwar möglich – in der Solarindustrie laufen Programme zur Silberreduktion pro Modul, in der Elektronik wird teilweise Kupfer als Ersatz erprobt. Doch in den meisten Anwendungen geht es nur um Reduktion, nicht um Ersatz: Silbers physikalische Eigenschaften sind in der Spitze schlicht alternativlos.
Angebot und Nachfrage
Auf der Angebotsseite kommt Silber aus zwei Quellen: Minenproduktion (rund 81 %) und Recycling (rund 19 %), vor allem aus Industrieabfällen, Schmuck und Photovoltaik-Schrott. Die globale Minenproduktion liegt bei rund 26.000 Tonnen pro Jahr und stagniert seit Jahren.
Top-Produzentenländer (2025, gerundet):
- Mexiko: ca. 6.400 t (~25 %)
- China: ca. 3.400 t (~13 %)
- Peru: ca. 3.100 t (~12 %)
- Polen: ca. 1.300 t (~5 %)
- Russland: ca. 1.200 t (~5 %)
- Bolivien: ca. 1.200 t (~5 %)
- Chile: ca. 1.200 t (~5 %)
- Australien: ca. 1.100 t (~4 %)
Die geographische Konzentration ist deutlich höher als bei Gold: Die Top 5 vereinen rund 60 % der Weltproduktion, allein Mexiko liefert ein Viertel. Das macht den Silbermarkt anfälliger für regionalspezifische Risiken – etwa Streiks, regulatorische Eingriffe oder politische Unruhen in Lateinamerika.
Auf der Nachfrageseite zeigt der Silver Institute World Silver Survey eine markante Veränderung: Seit 2021 befindet sich der Silbermarkt im strukturellen Defizit. Für 2026 wird ein Angebotsdefizit von rund 67 Mio. Unzen (etwa 2.080 Tonnen) erwartet – das fünfte Defizitjahr in Folge. Die Lücke wird bisher aus oberirdischen Lagerbeständen gedeckt, die jedoch endlich sind. Genau diese strukturelle Knappheit ist einer der wichtigsten fundamentalen Treiber des Silberpreises.
Hinzu kommt: Silber wird industriell dissipativ verbraucht – einmal in einem PV-Modul oder Halbleiter verbaut, ist es technisch zwar recycelbar, ökonomisch aber oft nicht rentabel zurückzugewinnen. Anders als Gold, das praktisch nie verloren geht, sinkt ein Teil der industriellen Silbernachfrage dauerhaft aus dem Markt.
Preisgeschichte und Preistreiber
Silber hat eine der volatilsten Preisgeschichten unter den großen Rohstoffen. Während der Goldpreis sich tendenziell wellenartig bewegt, sind Silber-Bewegungen oft scharf und extrem.
Die wichtigsten Preisphasen:
- Hunt-Brothers-Squeeze (1979–1980): Die texanischen Brüder Nelson und William Hunt versuchten 1979/80, den Silbermarkt zu cornern. Der Preis schoss von rund 6 auf 50 USD je Unze – um nach regulatorischen Eingriffen der COMEX (höhere Margin-Anforderungen) auf unter 11 USD einzubrechen. Das Ereignis prägt den Markt bis heute und gilt als Lehrstück über spekulative Squeezes.
- Lange Bärenmarkt-Phase (1980–2003): Silber pendelte über zwei Jahrzehnte zwischen 4 und 8 USD.
- Rohstoff-Superzyklus (2003–2011): Anstieg von 4 auf knapp 50 USD, getrieben durch Industriedemand, schwachen US-Dollar und Finanzkrise. Im April 2011 erreichte Silber kurzzeitig erneut den Bereich des Hunt-Hochs.
- Konsolidierung und Tief (2011–2020): Rückgang auf zeitweise unter 12 USD im Frühjahr 2020.
- Neuer Bullenmarkt (seit 2020): Corona, Inflation, Solar-Boom und das einsetzende strukturelle Angebotsdefizit haben den Silberpreis von 12 auf über 70 USD getragen – ein Anstieg von mehr als 500 % in fünf Jahren.
Die fundamentalen Preistreiber sind komplexer als bei Gold, weil Silber sowohl monetäre als auch industrielle Treiber hat. Erstens: Goldpreis-Korrelation. Silber folgt strukturell dem Gold, allerdings mit einem Hebel von typischerweise 1,5–2x (sowohl nach oben als auch nach unten). Zweitens: Industriedemand, insbesondere Solar-PV, KI-Hardware und E-Mobilität – ein Segment, das es bei Gold so nicht gibt. Drittens: Realzinsen und US-Dollar, beide wirken ähnlich wie bei Gold. Viertens: Spekulative Positionen an der COMEX – Silber ist ein deutlich kleinerer Markt als Gold und reagiert daher empfindlicher auf Positionierungsverschiebungen großer Marktteilnehmer.
Ein Klassiker zur Einordnung der relativen Bewertung ist das Gold-Silber-Ratio (wie viele Unzen Silber man für eine Unze Gold bekommt). Aktuell liegt es bei rund 61, der historische Mittelwert über die letzten 50 Jahre liegt bei etwa 60–65. In Bullenmärkten fällt das Ratio typischerweise auf 30–45 (Silber outperformt), in Bärenmärkten steigt es auf 80–100.
Wie kann man in Silber investieren?
Silber ist für Anleger besonders zugänglich – schon kleine Beträge ermöglichen physisches Investment, der Hebel auf Mining-Aktien ist hoch, und das ETF-Angebot ist breit. Wichtig ist jedoch ein steuerlicher Aspekt, den Gold-Anleger nicht kennen.
1. Physisches Silber (Barren und Münzen)
Klassische Anlagebarren von 1 oz bis 5 kg sowie Anlagemünzen wie American Silver Eagle, Maple Leaf, Krügerrand oder Wiener Philharmoniker. Vorteile: direkte Eigentümerschaft, kein Kontrahentenrisiko, attraktiver Einstiegspreis.
Achtung Steuern: Anders als Gold ist physisches Silber in Deutschland mehrwertsteuerpflichtig (19 %). Viele Händler bieten jedoch die Differenzbesteuerung an, die den effektiven Steueraufschlag auf etwa 8–12 % senkt – das macht Silber zwar steuerlich teurer als Gold, aber Gewinne aus dem Verkauf von Silber sind nach einem Jahr Haltefrist einkommensteuerfrei.
2. ETFs und ETCs
Silbergedeckte börsengehandelte Produkte wie Xetra-Silber, iShares Physical Silver oder WisdomTree Physical Silver bilden den Silberpreis 1:1 ab und sind physisch hinterlegt. Vorteile: keine MwSt., hohe Liquidität, niedrige Spreads. Nachteile: laufende Verwaltungsgebühren von typischerweise 0,20–0,49 % pro Jahr und Kontrahentenrisiko im Vergleich zum direkten Besitz.
3. Silber-Aktien (Mining-Companies)
Silber-Mining-Aktien bieten den größten Hebel auf den Silberpreis. Auch hier vier Kategorien:
- Senior Producer: Spezialisierte Silber-Major wie Pan American Silver, Hecla Mining, Coeur Mining oder First Majestic. Daneben Polymetallic-Producer mit hohem Silberanteil wie Industrias Peñoles oder Fresnillo.
- Mid-Tier Producer: Mittelgroße Produzenten mit 5–25 Mio. Unzen Jahresproduktion.
- Junior Explorer und Developer: Kleine Unternehmen mit Silber-Projekten in Mexiko, Peru, Bolivien oder den USA. Höchste Chancen, höchste Risiken.
- Royalty- und Streaming-Companies: Wheaton Precious Metals ist die mit Abstand silberlastigste Royalty-Gesellschaft – das Unternehmen entstand ursprünglich als reine Silber-Streaming-Firma. Daneben relevant: Silvercrest, Triple Flag.
Wichtig: Silber-Mining-Aktien reagieren typischerweise mit einem Hebel von 2–3x auf Silberpreisbewegungen – die Volatilität ist entsprechend hoch.
4. Futures und Optionen
Standard-COMEX-Silber-Futures repräsentieren 5.000 Unzen je Kontrakt. Hoher Hebel, hohe Margin-Anforderungen, geeignet primär für professionelle Anleger und Trader.
Chancen, Risiken und Investment-These
Bull Case für Silber:
Erstens das strukturelle Angebotsdefizit, das mittlerweile fünf Jahre anhält und sich durch das stagnierende Minenangebot kaum kurzfristig schließen lässt. Zweitens die Solar-PV-Demand, die durch die globale Energiewende auf Jahre hinaus zweistellig wachsen dürfte – jeder Ausbau-Schub verschärft die Knappheit. Drittens neue Treiber wie KI-Server und E-Mobilität, die Silber zusätzlich industriellen Rückenwind geben. Viertens die historische Korrelation zu Gold: Solange der Goldpreis weiter steigt, sollte Silber überproportional mitziehen – das Gold-Silber-Ratio hat in Bullenmarkt-Endphasen Potenzial, deutlich unter 50 zu fallen. Fünftens die niedrige absolute Marktgröße: Schon moderate Investmentströme können den Markt stark bewegen.
Bear Case für Silber:
Auch hier gibt es Substanz. Eine schwere Industrierezession würde die Hälfte der Silbernachfrage treffen – ein Risiko, das Gold so nicht hat. Wenn Solar-Hersteller ihre Pläne zur Silber-Reduktion pro Modul schneller umsetzen als erwartet, wäre das ein deutlicher Gegenwind. Steigende Realzinsen drücken auf alle Edelmetalle, und Silber typischerweise stärker als Gold. Außerdem: Die Volatilität ist Fluch und Segen – Korrekturen von 30–40 % sind in Silber-Bullenmärkten historisch normal.
Hauptrisiken konkret:
- Industriekonjunktur: Bei Rezessionsängsten kann Silber kurzfristig stärker fallen als Gold
- Substitutionsrisiko: Solar-Industrie arbeitet aktiv an Silberreduktion (Dünnschicht-Module, Cu-Pasten)
- Volatilität: Silber-Bewegungen sind extrem – Risikomanagement ist Pflicht
- Recycling-Druck: Bei dauerhaft hohen Preisen kann Altsilber das Marktangebot ausweiten
- Spekulationsrisiko: Großspekulanten (Hedgefonds) können kurzfristig massive Kursbewegungen auslösen
Anlegerprofil:
Silber eignet sich als Beimischung in einem Edelmetall-Portfolio, typischerweise mit einem Anteil von 20–40 % am gesamten Edelmetall-Block (also bspw. 75 % Gold + 25 % Silber). Wer höheren Hebel und den Industrie-Story-Bonus sucht, kann den Silberanteil erhöhen. Reines Silber-Investment ohne Gold-Basis ist hingegen nur für risikoaffine Anleger empfehlenswert.
Ausblick und Fazit
Mittelfristig (1–3 Jahre) ist die fundamentale Lage konstruktiv. Mehrere Häuser, darunter Morgan Global, prognostizieren einen durchschnittlichen Silberpreis von rund 81 USD je Unze für 2026. Das strukturelle Defizit, der wachsende Solar- und KI-Bedarf und die historisch enge Korrelation zum Goldpreis sprechen für weiter steigende Notierungen. Die 100-USD-Marke ist technisch in Reichweite, sollte allerdings nicht als kurzfristiges Selbstläufer-Ziel verstanden werden.
Langfristig (5–10 Jahre) hängt viel davon ab, wie schnell die Solar-Industrie Silber pro Modul reduzieren kann und ob das Recycling-Volumen aus alten PV-Anlagen ab Mitte der 2030er-Jahre ein Gegengewicht bilden wird. Selbst unter optimistischen Reduktionsannahmen dürfte der absolute Silberbedarf der Solarindustrie aber weiter wachsen, weil das Modul-Volumen schneller steigt als der pro-Modul-Verbrauch fällt.
GOLDINVEST-Take: Silber ist 2026 das spannendere Edelmetall. Es bietet zwei Treiber-Stories gleichzeitig – monetäre Krise und Industrierevolution – und einen strukturellen Angebotsmangel. Wer einen Edelmetall-Anteil im Portfolio aufbaut, sollte Silber zumindest als Beimischung berücksichtigen. Wer den höheren Hebel sucht, ergänzt physisches Silber um Mining-Aktien aus dem Senior- und Mid-Tier-Bereich. Junior-Stories sind interessant, aber nur für Anleger geeignet, die mit der hohen Volatilität und dem Verwässerungsrisiko umgehen können. Der wichtigste Hinweis bleibt klassisch: Silber-Bullenmärkte enden historisch nicht ruhig, sondern in spektakulären Spikes – wer dann verkauft, gewinnt.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet sich Silber von Gold?
Drei zentrale Unterschiede: Erstens ist Silber rund 19-mal häufiger als Gold und entsprechend günstiger. Zweitens kommt rund die Hälfte der Silbernachfrage aus der Industrie – bei Gold sind es nur etwa 7 %. Drittens ist Silber deutlich volatiler: Es bewegt sich tendenziell mit dem 1,5–2-fachen Hebel zum Goldpreis. Das Gold-Silber-Ratio misst genau diese Relation und ist ein klassischer Bewertungsindikator.
Welche Aktien profitieren am stärksten von steigenden Silberpreisen?
Den größten Hebel bieten Junior Silver Explorer und Developer, gefolgt von Mid-Tier Primary Silver Producern wie Pan American Silver oder First Majestic. Royalty-Companies wie Wheaton Precious Metals bieten einen attraktiven Mittelweg mit hohem Silberhebel ohne operatives Minenrisiko. Polymetallic-Producer (Blei-Zink-Silber) reagieren gedämpfter, weil Silber dort nur einen Teil der Erlöse ausmacht.
Wo wird Silber gehandelt?
Die wichtigsten Silbermärkte sind die London Bullion Market Association (LBMA) für den OTC-Handel mit physischem Silber, die COMEX in New York für Silber-Futures (Standard 5.000 Unzen pro Kontrakt) und die Shanghai Futures Exchange (SHFE) für den asiatischen Markt. Daneben spielen Münzbörsen und der außerbörsliche Bullion-Handel eine große Rolle.
Kann man Silber physisch kaufen?
Ja, problemlos. Anlagemünzen wie American Silver Eagle, Maple Leaf, Krügerrand und Wiener Philharmoniker sind weit verbreitet, ebenso Anlagebarren von 1 oz bis 5 kg. Wichtig: In Deutschland fällt auf physisches Silber Mehrwertsteuer an (19 %, oft via Differenzbesteuerung effektiv 8–12 %). Gewinne aus dem Verkauf sind nach einem Jahr Haltefrist einkommensteuerfrei.
Wie hoch sind die globalen Silberreserven?
Der USGS schätzt die wirtschaftlich abbaubaren Reserven auf rund 720.000 Tonnen. Insgesamt wurden in der Geschichte schätzungsweise 1,75 Millionen Tonnen Silber gefördert – ein deutlich höherer Anteil davon ist allerdings industriell „verloren" als bei Gold, also dissipativ in Produkten verbaut, ohne wirtschaftlich rezyklierbar zu sein.
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