Die Sperrung der Straße von Hormus treibt nicht nur Öl- und Gaspreise. Im Hintergrund verschärft sich ein Rohstoffproblem, das selbst nach einer Wiederöffnung bestehen dürfte: Der hohe Munitionsverbrauch im Iran-Krieg und Waffenlieferungen an die Ukraine treffen auf einen angespannten Wolframmarkt. Für die USA wird damit ein Metall zum strategischen Engpass, das in Rüstung, Maschinenbau und zahlreichen Alltagsprodukten kaum zu ersetzen ist.
Wolfram trifft auf steigende Nachfrage und chinesische Exportkontrollen
Wolfram verbindet mehrere Industrien, die derzeit gleichzeitig mehr Material benötigen. Das Metall wird für panzerbrechende Munition, industrielle Schneid- und Bohrwerkzeuge, Elektronikfertigung, Luft- und Raumfahrt sowie Elektrofahrzeuge eingesetzt. Der aktuelle Nachfrageimpuls kommt vor allem aus dem Verteidigungssektor, reicht aber weit darüber hinaus.
Auf der Angebotsseite dominiert China den Markt und kontrolliert laut Branchenquellen bis zu 80 Prozent der weltweiten Wolframversorgung. Zugleich geht die chinesische Produktion zurück. Seit Februar 2025 unterliegen Exporte mit Verweis auf nationale Sicherheitsinteressen strengeren Kontrollen. China kauft deshalb zunehmend Wolframkonzentrate aus anderen Ländern zu Aufpreisen, um seine Verarbeitungsanlagen sowie den eigenen Verteidigungs-, Industrie- und Energiebedarf zu versorgen.
Nach den jüngsten Daten des US Geological Survey wurden 2024 weltweit rund 81.000 Tonnen Wolfram produziert. Vietnam lag mit großem Abstand auf Rang zwei hinter China. Die USA fördern dagegen praktisch kein Wolfram im eigenen Land.
Damit unterscheidet sich die Lage von einem kurzfristigen Preisschock. Selbst wenn sich der Ölhandel durch die Straße von Hormus normalisiert, bleiben geringe westliche Förderkapazitäten, chinesische Exportbeschränkungen und der steigende Verteidigungsbedarf bestehen.
Neue Wolframminen sollen Versorgungslücke schließen
Ein Schwerpunkt der Suche nach neuen Quellen liegt in Kasachstan. Cove Kaz Capital entwickelt dort ein Projekt mit zwei Tagebaulagerstätten, die nach Unternehmensangaben mehr als 50 Jahre betrieben werden könnten. Im Vollbetrieb soll die Anlage jährlich 12.000 Tonnen Wolfram produzieren. Das entspräche etwa 15 Prozent der derzeitigen globalen Minenförderung.
Cove Kaz will die technischen Studien sowie die Bauplanung für Mine und Raffinerie abschließen und innerhalb der kommenden 18 Monate mit den Bauarbeiten beginnen. Ein Termin für die volle Produktion wurde nicht genannt.
Die US-Regierung unterstützt das Projekt mit Zusagen von bis zu 1,6 Milliarden US-Dollar über die Export-Import Bank und die U.S. International Development Finance Corporation. Darin enthalten sind 900 Millionen US-Dollar aus dem vergangenen November und 700 Millionen US-Dollar aus Februar. Zusätzlich hat Cove Kaz Capital laut Bericht 400 Millionen US-Dollar beim US-Verteidigungsministerium beantragt.
Ab dem 1. Januar 2027 treten zudem neue Beschaffungsregeln des Verteidigungsministeriums in Kraft. Sie beschränken bei bestimmten Anwendungen den Einsatz von Wolframpulvern und schweren Legierungen, die in China abgebaut, raffiniert und hergestellt wurden. Nach Marktschätzungen könnte allein der US-Bedarf bis zu 20.000 Tonnen jährlich erreichen – ohne die nationale Verteidigungsreserve und Project Vault.
Auch Almonty Industries erweitert das westliche Angebot. Das kanadische Bergbauunternehmen schloss im März die Phase-1-Inbetriebnahme seiner Sangdong-Wolframmine in der südkoreanischen Provinz Gangwon ab. Damit kehrt die Lagerstätte nach mehr als 30 Jahren in die Produktion zurück. Almonty betreibt außerdem eine produzierende Mine in Portugal und prüft laut CEO Lewis Black Möglichkeiten in den USA.
Engpass reicht von Munition bis zum Zahnarztbohrer
Die Wolframknappheit betrifft nicht nur Regierungen und Rüstungskonzerne. US-Raffinerien müssen ihre Anlagen mit einer begrenzten Mischung aus Schrott, recyceltem Material und Erzkonzentraten versorgen. Gleichzeitig füllen die USA und Europa ihre Bestände an Waffen und Munition wieder auf.
Wolframkarbid sorgt für die Härte von Bohrern, Sägen und anderen Werkzeugen, die im Bergbau, Bauwesen und in der Fertigung eingesetzt werden. Auch Dentalbohrer, Werkzeuge zur Herstellung von Leiterplatten und weniger giftige Angelgewichte basieren auf Wolfram. Steigende Preise oder fehlendes Material könnten deshalb Bauprojekte verzögern, Maschinen verteuern und die Herstellung elektronischer Geräte belasten.
Der Markt steht damit vor einem Problem, das sich nicht allein durch höhere Preise lösen lässt. Neue Minen benötigen Jahre bis zur Produktion, während Bestände durch militärische und industrielle Nachfrage sinken. Projekte in Kasachstan, Südkorea, Portugal und möglicherweise den USA können die Abhängigkeit von China reduzieren, werden den Engpass aber nicht sofort beseitigen.
Für Rohstoffinvestoren rückt Wolfram deshalb stärker in den Fokus. Entscheidend wird sein, welche Projekte tatsächlich finanziert, genehmigt und in ausreichender Größenordnung gebaut werden können, bevor der Bedarf bis in die 2030er-Jahre weiter steigt.
Erwähnte Unternehmen
Kategorien
Schlagwörter
Keine Rohstoff-Chance mehr verpassen
Exklusive Updates zu Gold, Kupfer & Co. – wöchentlich, kostenlos.
Disclaimer
I. Informationsfunktion und Haftungsausschluss: Die GOLDINVEST Consulting GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Analysen und Nachrichten auf www.goldinvest.de zu veröffentlichen. Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle, fachkundige Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Finanzanalysen oder Verkaufsangebote, noch liegt eine Handlungsaufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren vor. Entscheidungen, die auf Basis der veröffentlichten Informationen getroffen werden, erfolgen vollständig auf eigene Gefahr. Zwischen der GOLDINVEST Consulting GmbH und den Lesern bzw. Nutzern entsteht kein vertragliches Verhältnis, da sich unsere Informationen ausschließlich auf das Unternehmen und nicht auf persönliche Anlageentscheidungen beziehen.
II. Risikoaufklärung: Der Erwerb von Wertpapieren birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt die GOLDINVEST Consulting GmbH und ihre Autoren keine Haftung für Vermögensschäden oder die inhaltliche Garantie bezüglich Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der veröffentlichten Informationen. Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Nutzungshinweise.
III. Interessenkonflikte: Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.
IV. Einsatz von KI-gestützten Systemen: Bei der Erstellung von Beiträgen können KI-gestützte Systeme zur Unterstützung von Recherche, Strukturierung oder sprachlicher Optimierung eingesetzt werden. Sämtliche Inhalte werden vor Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.