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Wood Mackenzie warnt: 15 Mio. Barrel Ausfall am Golf – Ölpreis könnte auf 150 bis 200 Dollar springen

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Wood Mackenzie warnt: 15 Mio. Barrel Ausfall am Golf – Ölpreis könnte auf 150 bis 200 Dollar springen

Der Ölpreis könnte nach Einschätzung von Wood Mackenzie noch einmal deutlich steigen, falls die derzeitigen Ausfälle von Lieferungen aus dem Golf anhalten. In einer aktuellen Analyse kommt das Beratungsunternehmen zu dem Schluss, dass der Markt einen so tiefen Einschnitt auf der Angebotsseite nur über sinkende Nachfrage wieder ins Gleichgewicht bringen kann. Dafür könnte ein Preisniveau von 150 US-Dollar pro Barrel erforderlich sein. Zugleich hält Wood Mackenzie im laufenden Jahr sogar Niveaus von 200 US-Dollar je Barrel nicht für ausgeschlossen.

Ausgangspunkt der Analyse ist ein außergewöhnlich großer Angebotsausfall. Nach Angaben von Wood Mackenzie sind derzeit 15 Millionen Barrel täglicher Exporte aus dem Golf nicht mehr auf dem Weltmarkt verfügbar. Insgesamt produzieren die Golfstaaten demnach rund 20 Millionen Barrel Flüssigkeiten pro Tag. Der Wegfall eines so großen Exportvolumens sei in dieser Größenordnung beispiellos. Entsprechend hoch ist der Druck auf den globalen Ölpreis, zumal viele Regionen in erheblichem Umfang von Lieferungen aus dieser Zone abhängig sind.

Bereits zu Wochenbeginn seien die Preise infolge des verschärften Wettbewerbs um die verbliebenen Mengen wieder über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Besonders betroffen sind laut der Analyse jene Märkte, die in hohem Maß auf Golf-Exporte angewiesen sind. Die Folgen zeigen sich damit nicht nur am Rohölmarkt selbst, sondern zunehmend auch bei raffinierten Produkten wie Diesel und Kerosin.

Ölpreis reagiert auf historischen Ausfall im Golf

Wood Mackenzie betont, dass die Branche einen Verlust dieser Größenordnung bislang nicht erlebt habe. Selbst wenn der Konflikt enden sollte, sei nicht davon auszugehen, dass die Versorgungsketten sofort wieder mit voller Geschwindigkeit anlaufen. Produktmengen, die sich bereits in Raffinerien oder Häfen befinden, könnten zwar vergleichsweise schnell verschifft werden. Schwieriger werde es jedoch, wenn Förderbohrungen über längere Zeit stillgelegt bleiben. Dann könne es Wochen oder sogar noch länger dauern, bis die Produktion wieder das frühere Niveau erreicht.

Für den Ölpreis ist das entscheidend, weil der Markt nicht nur auf den momentanen Angebotsausfall reagiert, sondern auch auf die Aussicht, dass die Unterbrechung nicht kurzfristig behoben werden kann. Genau diese Unsicherheit treibt nach Darstellung von Wood Mackenzie die Preisbildung zusätzlich an. Die verbleibenden Fässer werden knapper, während Käufer in mehreren Weltregionen gleichzeitig nach Alternativen suchen.

Besonders deutlich wird das in Europa und Asien. Europa steht laut der Analyse vor einer akuten Herausforderung, weil Raffinerien aus dem Golf im Jahr 2025 rund 60 Prozent des europäischen Kerosinbedarfs und 30 Prozent der Dieselversorgung gedeckt hätten. Diese Mengen seien nun vollständig weggefallen. Für Europa ist das deshalb relevant, weil nicht nur Rohöl, sondern auch bereits verarbeitete Produkte fehlen.

Europa und Asien verschärfen den Druck auf den Ölpreis

Auch in Asien ist die Lage angespannt. Die Region nimmt den größten Teil der Rohölexporte aus dem Golf ab und muss nun nach anderen Bezugsquellen suchen. Nach Darstellung von Wood Mackenzie haben Käufer aus China, Indien und weiteren asiatischen Staaten begonnen, verstärkt alternative Ladungen zu sichern. Dadurch seien die Preise für Rohöl aus Westafrika und Lateinamerika bereits gestiegen.

Diese Entwicklung verschärft den Druck auf den Ölpreis zusätzlich, weil Europa und Asien damit in direkte Konkurrenz um begrenzte Mengen außerhalb des Golfs treten. Der Wettbewerb verlagert sich also auf den Rest des Weltmarkts und treibt dort die Preisaufschläge weiter nach oben. Wood Mackenzie verweist in diesem Zusammenhang auch auf die außergewöhnlich hohen Crack Spreads, also die Margen zwischen Rohöl und raffinierten Produkten.

Im Nordwesteuropa habe der Crack Spread für Kerosin zeitweise bei 100 US-Dollar pro Barrel gelegen. Das entspreche einem Brent-Niveau von annähernd 200 US-Dollar pro Barrel. Beim Diesel wurden laut der Analyse Crack Spreads von 70 US-Dollar pro Barrel beobachtet. Das liege um das Vier- bis Fünffache über dem Niveau vor dem Krieg. Diese Zahlen verdeutlichen, dass sich die Marktanspannung längst nicht mehr nur auf Rohöl beschränkt, sondern die gesamte Versorgung mit Ölprodukten erfasst.

Strategische Reserven reichen laut Wood Mackenzie nicht aus

Zwar sieht Wood Mackenzie in strategischen Erdölreserven einen gewissen Puffer, doch nach Einschätzung der Analysten kann dieser die weggefallenen Mengen nicht vollständig ersetzen. Mitgliedsstaaten der Internationalen Energieagentur verfügen laut der Analyse zwar über Vorräte in Höhe von 90 Tagen ihrer Importe. Allerdings seien länger anhaltende Freigaben in dieser Form ohne Vorbild, und zudem entfielen auf IEA-Mitglieder weniger als die Hälfte der weltweiten Ölnachfrage.

Auch der Blick auf frühere Krisen stimmt Wood Mackenzie eher vorsichtig. Während der Russland-Ukraine-Krise hätten strategische Freigaben nicht verhindern können, dass der Ölpreis bis auf 125 US-Dollar pro Barrel anstieg. Die heutige Versorgungslücke sei jedoch noch deutlich größer. Damit erscheint ein nochmaliger Rückgriff auf Reserven aus Sicht der Analyse eher als begrenzte Entlastung denn als echte Lösung.

Alternative Förderquellen könnten den Ausfall ebenfalls nicht rasch kompensieren. Höhere Preise würden zwar Anreize für Produzenten in den USA schaffen, ihre Förderung zu beschleunigen und Wartungsarbeiten zu verschieben. Doch selbst dann könnten die Lower 48 innerhalb von drei bis sechs Monaten nur einige Hunderttausend Barrel pro Tag zusätzlich bereitstellen. Im Vergleich zu einem Fehlbetrag von 15 Millionen Barrel täglich ist das nur ein kleiner Beitrag.

Ölpreis von 150 Dollar als Mechanismus zur Nachfragereduktion

Weil auf der Angebotsseite kurzfristig keine tragfähige Lösung in Sicht ist, bleibt nach Einschätzung von Wood Mackenzie letztlich nur die Nachfrageseite als Ausgleichsmechanismus. Der Markt müsse die globale Ölnachfrage von derzeit 105 Millionen Barrel pro Tag so weit dämpfen, bis wieder ein Gleichgewicht entstehe. Aus Sicht der Analysten würde das in den kommenden Wochen einen Brent-Preis von mindestens 150 US-Dollar pro Barrel erfordern.

Ein solcher Ölpreis würde die Nachfrage über mehrere Kanäle bremsen. Industrieunternehmen könnten ihren Verbrauch senken, im Transportbereich könnten ölintensive Nutzungen ersetzt werden, wirtschaftliche Abschwächung würde die Aktivität insgesamt reduzieren, und Verbraucher würden diskretionäre Reisen zurückfahren. Genau dieser Prozess der Nachfragereduktion sei laut Wood Mackenzie nötig, wenn das fehlende Angebot nicht ersetzt werden kann.

Wie weit der Ölpreis tatsächlich steigt, hängt der Analyse zufolge vor allem davon ab, wie lange der Krieg andauert, wie lang die Straße von Hormus geschlossen bleibt und ob die US Navy eine sichere Passage für Schiffe gewährleisten kann. Klar ist aus Sicht von Wood Mackenzie jedoch bereits jetzt: Der Ausfall aus dem Golf hat eine Größenordnung erreicht, die den Ölmarkt weltweit neu austariert. Preise von 150 US-Dollar je Barrel gelten in diesem Szenario nicht als Extremfall, sondern als mögliches Niveau, das nötig wäre, um Angebot und Nachfrage wieder zusammenzuführen.

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