Trotz historisch hoher Notierungen bleibt Gold der strategische Reserveanker der globalen Zentralbanken. Wie der neue Global Public Investor Report 2026 des Official Monetary and Financial Institutions Forum (OMFIF) belegt, halten inzwischen 82 Prozent der Währungshüter physisches Gold – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 71 Prozent des Vorjahres. In einem von Fragmentierung und Staatsschulden geprägten Finanzsystem planen netto 30 Prozent der befragten Reserveverwalter, ihre Bestände in den kommenden zwei Jahren weiter aufzustocken. Hohe Kaufkurse schrecken dabei kaum ab: Nur 28 Prozent der Institutionen sehen in den gestiegenen Preisen ein Hindernis. Vielmehr kalkuliert die Mehrheit der Zentralbanken bis Mitte 2027 mit einem Goldpreis zwischen 5.000 und 6.000 US-Dollar je Unze.
Geopolitische Krisen treiben den Goldpreis und die Diversifikation
Haupttreiber dieser ungebrochenen Nachfrage sind neben der klassischen Portfoliodiversifikation zunehmend geopolitische Risiken. Für gut die Hälfte der Reserveverwalter dient das Edelmetall explizit als strategischer Schutzschild gegen globale Krisen. Dabei rücken ehemalige Sorgen wie Handelskonflikte in den Hintergrund. Aktuell dominieren die angespannte Lage im Nahen Osten, Unwägbarkeiten der US-Außenpolitik sowie Fragen der Energiesicherheit die Risikowahrnehmung. Dieser Trend ist laut OMFIF-Research-Chefin Andrea Correa ein globales Phänomen: Während europäische Staaten bereits über hohe Bestände verfügen, zeigen insbesondere afrikanische Länder eine wachsende Bereitschaft, ihre physischen Goldreserven strategisch auszubauen.
Wandel zu einer multipolaren Währungsordnung
Begleitet wird diese Entwicklung von einer fundamentalen Verschiebung der globalen Finanzarchitektur. Knapp 80 Prozent der Zentralbanken gehen von einem schrittweisen Übergang in ein multipolares Währungssystem aus. Obwohl der US-Dollar dank seiner hohen Liquidität vorerst die dominante Leitwährung bleibt, planen viele Institutionen, ihre Dollarpositionen im kommenden Jahrzehnt abzubauen und in alternative Reserveanlagen umzuschichten. Da für die konservativ agierenden Währungshüter der Kapitalerhalt oberste Priorität genießt, gilt Gold als unverzichtbarer Baustein, um Portfolios gegen dauerhafte Schocks abzusichern. Entsprechend rangiert das Edelmetall bei den geplanten Anlageerhöhungen der Zentralbanken direkt hinter Unternehmensanleihen und noch vor dem globalen Aktienmarkt.
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