Die Goldkäufe der Zentralbanken haben sich strukturell verändert: In den vergangenen vier Jahren nahmen die Notenbanken im Durchschnitt jeweils rund 1.000 Tonnen Gold auf – doppelt so viel wie im Mittel des vorangegangenen Jahrzehnts. Eine aktuelle Umfrage des World Gold Council unter 76 Zentralbanken zeigt nun, dass die meisten Reservemanager mit einer Fortsetzung dieses Trends rechnen und zugleich den Anteil des US-Dollars an den weltweiten Reserven sinken sehen.
Zentralbanken erwarten weiter steigende Goldreserven
Insgesamt gehen 89 Prozent der Befragten davon aus, dass die globalen Goldreserven der Zentralbanken in den kommenden zwölf Monaten zunehmen werden. Zugleich erwarten 45 Prozent, dass auch ihre eigene Institution den Goldbestand erhöht. Das ist der höchste bislang in der seit neun Jahren durchgeführten Befragung gemessene Wert.
Die Mehrheit der übrigen Teilnehmer rechnet mit unveränderten Beständen. Lediglich 1 Prozent erwartet einen Rückgang der eigenen Goldreserven.
Als Gründe für die hohe Bedeutung des Edelmetalls nennen die Notenbanken seine Entwicklung in Krisenzeiten, die Diversifikation von Portfolios und den Schutz vor Inflation. Hinzu kommen die Absicherung gegen geopolitische Risiken und die Verringerung der Abhängigkeit von einzelnen Reservewährungen.
Die Umfrage wurde zwischen dem 5. Februar und dem 19. Mai 2026 durchgeführt. Da ein Großteil der Antworten nach Beginn des Konflikts im Nahen Osten einging, spiegeln die Ergebnisse auch die Sicht der Zentralbanken auf Gold in einem von geopolitischen Spannungen geprägten Umfeld wider.
US-Dollar dürfte Anteil an globalen Reserven verlieren
Rund 74 Prozent der vom WGC Befragten erwarten, dass der Anteil des US-Dollars an den weltweiten Währungsreserven innerhalb der kommenden fünf Jahre moderat oder deutlich zurückgeht. Für den Euro und den chinesischen Renminbi wird dagegen mehrheitlich mit einem stabilen Anteil gerechnet, während Gold weiter an Gewicht gewinnen dürfte.
Neue Goldkäufe sollen unterschiedlich finanziert werden. Die Hälfte der Zentralbanken will dafür Programme zum Ankauf im Inland und in lokaler Währung nutzen. Weitere 38 Prozent planen, bestehende Reserveanlagen zu verkaufen und die Erlöse in Gold umzuschichten.
Auch bei der Lagerung verändert sich die Strategie. Die Bank of England bleibt mit 57 Prozent der bevorzugte Aufbewahrungsort, gefolgt von heimischen Tresoren mit 49 Prozent und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit 16 Prozent. Die Schweizerische Nationalbank verlor dagegen an Bedeutung: Ihr Anteil sank von 12 Prozent im Jahr 2025 auf 6 Prozent.
Gleichzeitig verteilen Zentralbanken ihre Bestände zunehmend auf mehrere Standorte. In den vergangenen zwölf Monaten erhöhten 9 Prozent die Lagerung im eigenen Land, während 10 Prozent ihre ausländischen Lagerorte breiter streuten. Im Vorjahr lagen diese Werte noch bei 5 beziehungsweise 2 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen, dass Gold für Zentralbanken nicht nur als Reserveanlage, sondern zunehmend auch als geopolitisch unabhängiger Vermögenswert dient. Neben der Höhe der Bestände rückt deshalb auch die Frage stärker in den Mittelpunkt, wo und unter wessen Kontrolle das Gold gelagert wird.
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