Nachdem der vierte Teil dieser Serie das geldpolitische Dilemma der US-Notenbank beleuchtet hat, geht es heute in Teil 5 um einen Faktor, der das Dilemma der FED erst so brisant macht: die stetig wachsende Verschuldung der öffentlichen Haushalte in den westlichen Staaten, allen voran in den Vereinigten Staaten.
Die Vierzig-Billionen-Dollar-Marke rückt näher
Die US-Staatsverschuldung liegt nach aktuellen Daten bei rund 39,6 bis 39,7 Billionen US-Dollar und damit bei etwa 123 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Ende 2024 lag der Schuldenstand noch bei „lediglich“ rund 35,25 Billionen US-Dollar.
Innerhalb weniger Jahre haben sich die amerikanischen Staatsschulden von einem exorbitant hohen Niveau aus damit nochmals deutlich erhöht und die runde Marke von 40 Billionen Dollar ist angesichts der laufenden Neuverschuldung nur noch eine Frage der Zeit. Sie wird schon in wenigen Wochen erreicht und überschritten sein. Für das laufende Haushaltsjahr 2025/2026 beziffert das Congressional Budget Office das Haushaltsdefizit auf rund 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Dies ist ein Wert, der für eine Phase ohne akute Rezession ungewöhnlich hoch ausfällt. Eigentlich sollten die westlichen Staaten bemüht sein, in guten oder zumindest stabilen Zeiten die Verschuldung zu senken, um einen Puffer zu schaffen, sollte in einem wirtschaftlichen Abschwung zwecks Konjunkturankurblung eine höhere Neuverschuldung notwendig werden.
Steigende Schulden verschärfen die Zinslast
Das grundlegende Problem lässt sich mit einer einfachen Überschlagsrechnung verdeutlichen: Steigen sowohl der Schuldenberg als auch das allgemeine Zinsniveau, wächst die jährliche Zinslast überproportional. Wo eine Regierung früher bei niedrigerem Schuldenstand und niedrigeren Zinsen einen bestimmten Betrag an Zinsen aufbringen musste, verlangt derselbe Schuldenstand bei höheren Zinsen ein Vielfaches an jährlichen Zinszahlungen.
Diese wachsende Zinslast konkurriert zunehmend mit anderen Haushaltsposten wie Verteidigung, Sozialleistungen oder Infrastruktur und schränkt den fiskalischen Handlungsspielraum der aktuellen und der künftigen Regierungen spürbar ein. Oder anders formuliert: Heute rächen sich die hohen Schulden, die in der Zeit des billigen Geldes mit niedrigen und teils negativen Zinsen leichtfertig aufgenommen wurden.
Diese Dynamik bleibt nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Auch in Europa und Asien steigen die Schuldenstände in vielen Ländern kontinuierlich an, wenn auch von einem unterschiedlichen Ausgangsniveau aus. Die grundsätzliche politische Herausforderung, eine wachsende Verschuldung bei einem gleichzeitig strukturell erhöhten Zinsniveau zu beherrschen, betrifft jedoch einen Großteil der entwickelten Volkswirtschaften und ist kein rein amerikanisches Phänomen.
Die Verbindung zu Gold: Die Tragfähigkeitsfrage
Für jeden Anleger stellt sich angesichts dieser Zahlen zunehmend die Frage nach der langfristigen Tragfähigkeit der hohen Staatsverschuldung. Wird ein Schuldenstand als nicht mehr tragfähig wahrgenommen, bleiben einer Regierung im Kern nur wenige Optionen: höhere Steuern, Ausgabenkürzungen, ein Schuldenschnitt oder eine schleichende Entwertung der Schulden über eine langfristig höhere Inflation.
Historisch betrachtet war insbesondere der letzte Weg, die sogenannte finanzielle Repression über negative Realzinsen und eine erhöhte Inflation, der politisch am wenigsten unpopuläre Ausweg aus einer Überschuldungssituation. Es liegt daher nahe, zu erwarten, dass Regierungen und Notenbanken diesen „politischen Königsweg“ der Entschuldung auch dieses Mal wieder beschreiten werden.
Gold hat jeden Schuldenschnitt und Staatsbankrott überlebt
Gold gilt in diesem Zusammenhang traditionell als Absicherung gegen genau dieses Szenario: Es unterliegt keiner Gegenparteiverpflichtung, kann von keiner Regierung durch Gelddrucken entwertet werden und hat sich historisch über sehr lange Zeiträume als Werterhaltungsmittel bewährt.
Je mehr Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit einer inflationären Lösung der Schuldenproblematik als steigend einschätzen, desto attraktiver wird für sie eine entsprechende Absicherung ihres Vermögens über Gold. Dieses Motiv, Gold zu kaufen und es über einen langen Zeitraum hinweg zu halten, ist völlig unabhängig von der kurzfristigen Zins- oder Konjunkturlage.
Auch institutionelle Anleger und Notenbanken dürften, wie in Teil 3 dieser Serie beschrieben, diese Überlegung in ihre langfristige Portfolioausrichtung einbeziehen. Hinzu kommt ein psychologischer Effekt, der insbesondere für die Kleinanleger von Bedeutung ist: Je häufiger runde und symbolisch aufgeladene Schuldenmarken wie die 40-Billionen-Dollar-Grenze in den Medien thematisiert werden, desto stärker rückt die Frage der langfristigen Schuldentragfähigkeit auch bei den privaten Anlegern in den Vordergrund.
Wenn die Masse auf Gold aufmerksam wird
Werden auch sie aktiv, könnte es am Goldmarkt schnell eng werden, denn auch wenn jeder einzelne von ihnen nur sehr wenig Gold kauft, so kann sich über die schiere Masse dennoch sehr leicht und schnell eine massive Goldnachfrage entwickeln. Sie trifft, was nur den wenigsten Anlegern bewusst ist, auf einen recht engen Markt.
Auch das ist ein struktureller und oft unterschätzter Aspekt, der für deutlich höhere Goldpreise in der Zukunft spricht, denn im Vergleich zu den Anleihe- und Aktienmärkten ist der globale Goldmarkt klein und nur von geringer Größe. Schichten die Anleger in Masse ihr Kapital auch nur ein wenig um, können sehr leicht gewaltige Hebeleffekte entstehen. Diesem von vielen nicht gesehenen Aspekt der Goldnachfrage werden wir im sechsten Teil der Serie beleuchten.
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