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Der durstige Chatbot: Warum die KI unser Wasser aufzehrt

3 Min.
Der durstige Chatbot: Warum die KI unser Wasser aufzehrt

Haben Sie heute schon eine KI genutzt? Vielleicht, um eine E-Mail charmant umzuformulieren, ein Bild zu generieren oder Programmiercode zu prüfen. Das Arbeiten mit der Künstlichen Intelligenz fühlt sich so wunderbar sauber und digital an. Daten fließen unsichtbar durch den Äther, die KI antwortet in Sekundenschnelle.

Doch hinter dieser scheinbar schwerelosen digitalen Magie verbirgt sich eine der handfestesten, schwersten Industrien unserer Zeit. Sie ist neu, revolutionäre und aktuell der Liebling vieler Anleger. Leicht übersehen wird dabei jedoch, dass diese Industrie einen extremen Durst hat.

Ein halber Liter Wasser pro Anfrage

Die nackten Zahlen, die das Bank of America Institute frisch vorgelegt hat, lassen an dieser Stelle aufhorchen: Wer einen simplen Prompt von rund 100 Wörtern in ein modernes KI-Modell eintippt, verbraucht damit indirekt etwa einen halben Liter Wasser. Das entspricht dem Inhalt einer kleinen Mineralwasserflasche.

Dieser Verbrauch klingt im ersten Moment nach wenig. Rechnet man ihn jedoch auf die Milliarden von Anfragen hoch, die weltweit sekündlich über die Server jagen, wird daraus ein Tsunami. Ein einziges, mittelgroßes Rechenzentrum „trinkt“ mittlerweile zwischen einer und zwei Millionen Liter Wasser – Tag für Tag.

Bis zum Jahr 2030 könnte die jährliche „Wasserrechnung“ der globalen Rechenzentren auf unvorstellbare 1,2 Billionen Liter ansteigen. Um dem Ganzen eine plastische Dimension zu geben: Das ist genau so viel Wasser, wie die gesamte Metropole New York City in einem ganzen Jahr verbraucht.

Das unsichtbare Scope-2-Problem

Doch wer nun glaubt, dass in den riesigen Serverhallen der Tech-Giganten gigantische Rasensprenger oder offene Wasserbecken stehen, der irrt. Das eigentliche Problem ist unsichtbar. Nur etwa ein Viertel des Wassers wird direkt vor Ort verbraucht – zum Beispiel, um die Luft in den Hallen zu kühlen oder zu befeuchten (Scope 1). Die restlichen 75 Prozent des Wasserfußabdrucks entstehen außerhalb des eigentlichen Standorts.

Jedes Mal, wenn eine Grafikkarte (GPU) unter Volllast rechnet, verbraucht sie massiv Strom. Dieser Strom wird in den meisten Ländern nach wie in fossilen Kraftwerken oder Atommeilern erzeugt und es sind genau diese Kraftwerke, die wiederum gigantische Mengen Wasser zur Kühlung ihrer eigenen Turbinen benötigen.

Hinzu kommt die extrem wasserintensive Herstellung der High-Tech-Chips in den Halbleiter-Fabriken. Auch sie verschlingen jeden Tag Millionen Liter reinstes Wasser. Kurz gesagt: Unser neuer KI-Konsum trocknet über die Stromnetze, die ihn erst möglich machen, indirekt ganze Regionen aus.

Im Silicon Valley der Trockenheit

Besonders brisant: Rechenzentren werden oft dort gebaut, wo das Wasser ohnehin schon knapp ist. Warum? Weil die Tech-Konzerne gerne dorthin gehen, wo es billiges Bauland, einen schnellen Netzzugang und liberale Gesetze gibt. Dass diese Regionen oftmals unter einer Dürre leiden, wird im ersten Schritt oft übersehen oder bewusst ignoriert.

Über 20 Gigawatt der weltweiten Rechenzentrumskapazität befinden sich deshalb bereits in Gebieten mit hoher oder extrem hoher Wasserknappheit. Es ist ein gefährliches Spiel mit den begrenzten Ressourcen unseres Planeten, vor allen den Wasserressourcen.

Wenn wir in Zukunft weiter unbeschwert „prompten“ wollen, müssen die Server-Riesen schleunigst lernen, mit geschlossenen Wasserkreisläufen zu arbeiten oder ihre Server komplett in Kühlflüssigkeiten zu tauchen. Ansonsten könnte dem digitalen Fortschritt schlicht das Wasser ausgehen.

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