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Gold-ETFs: 31 Mrd. US-Dollar Zufluss trotz Preisrückgang

4 Min.
Gold-ETFs: 31 Mrd. US-Dollar Zufluss trotz Preisrückgang

Im dritten Quartal 2026 flossen laut World Gold Council (WGC) 31 Mrd. US-Dollar in physisch hinterlegte Gold-ETFs – so viel wie nie zuvor in einem Quartal. Allein im September kamen 10 Mrd. US-Dollar hinzu, obwohl der Goldpreis in diesem Monat um 8,5 Prozent nachgab. Die Bestände stiegen auf einen Rekordwert von 4.256 Tonnen.

Rekordzuflüsse bei fallendem Goldpreis

Der September lieferte ein ungewöhnliches Bild: Gold schloss den Monat bei 4.176 US-Dollar je Unze und damit 8,5 Prozent tiefer als im August – der stärkste Monatsverlust des laufenden Jahres. Gleichzeitig verzeichneten die weltweiten Gold-ETFs Zuflüsse von 10 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 67 Tonnen, wie der World Gold Council in seinem Monatskommentar berichtet. Damit summierten sich die Quartalszuflüsse auf die Rekordmarke von 31 Mrd. US-Dollar.

Dass die verwalteten Vermögen dennoch schrumpften, zeigt die Wucht der Preisbewegung: Das in Gold-ETFs verwaltete Volumen sank im Quartalsvergleich um 7 Prozent auf 574 Mrd. US-Dollar. Vorausgegangen war ein kräftiger August mit einem Preisanstieg von 13 Prozent auf 4.563 US-Dollar je Unze – nach WGC-Angaben die drittstärkste Monatsperformance in 25 Jahren. Auf Jahressicht lag Gold Ende September 4,4 Prozent im Minus, nach einem Rekordhoch von 5.405 US-Dollar je Unze am 29. Januar 2026.

Warum der Terminmarkt den Preis drückt

Den Widerspruch zwischen Preisrückgang und Rekordnachfrage lösen WGC und BMO Capital Markets übereinstimmend auf: Verkauft wurde nicht an der ETF-Front, sondern am Terminmarkt. An der Comex schrumpften die Netto-Positionen des Managed Money im September um das Äquivalent von 84 Tonnen oder 12 Mrd. US-Dollar, die Spreading-Positionen gaben um weitere 156 Tonnen beziehungsweise 22 Mrd. US-Dollar nach. Diese Liquidation übertraf die ETF-Käufe deutlich.

Hinzu kam der makroökonomische Gegenwind. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte im September um 53 Basispunkte auf 5,3 Prozent, der Dollar-Index DXY legte 2 Prozent zu. Beides zählt laut dem Attributionsmodell des WGC zu den Hauptgründen für den Preisrückgang. „Golds sechswöchiger Rückgang verdeckt eine bemerkenswerte Divergenz bei Anlegerpositionierung und zugrunde liegender Nachfrage", schrieben die BMO-Analysten Helen Amos und George Heppel in einer Notiz.

Auch die physische Nachfrage zeigte sich stabil: In Indien notierte der lokale Goldpreis laut BMO erstmals seit der Erhöhung der Importzölle im Mai wieder mit einem Aufschlag auf London, chinesische Prämien blieben intakt. Die Zentralbanken kauften im August 39 Tonnen – 70 Prozent mehr als im Juli und doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, angeführt von China, Polen und Usbekistan.

Britische Fonds als Überraschung des Quartals

Regional verschob sich das Bild spürbar nach Europa. Nordamerikanische Fonds sammelten im September 4 Mrd. US-Dollar ein und im Quartal 12 Mrd. US-Dollar. Europäische Produkte kamen im September auf 3,6 Mrd. US-Dollar und im Quartal auf einen Rekordwert von 14 Mrd. US-Dollar – und lagen damit auf Regionsebene erstmals seit 2021 wieder in einem Quartal im Plus und vor Nordamerika. Auf Länderebene blieben die USA laut WGC der größte Einzelmarkt, dicht gefolgt von Großbritannien.

Die britischen Fonds stechen dabei heraus: 7,5 Mrd. US-Dollar im Quartal bedeuten ihren stärksten Dreimonatszeitraum überhaupt, mit Zuflüssen in 12 von 13 Wochen bis zum 25. September. In Tonnen gerechnet waren es 54 Tonnen – rund das Dreifache der 18 Tonnen, die ein Modell auf Basis der historischen Beziehung zu anderen westlichen ETF-Strömen nahegelegt hätte. Seit Jahresbeginn summieren sich die Zuflüsse in britisch gelistete Fonds auf 9,5 Mrd. US-Dollar; damit haben sie chinesische Produkte als größte Länderquelle knapp überholt.

Fiskalsorgen als mögliche Erklärung

Der World Gold Council hat die 36 Tonnen Überschuss gegenüber dem Modellwert mit weiteren Variablen zu erklären versucht – Politikunsicherheit, relative Aktienmarktentwicklung, Wechselkurs, Kreditrisiko, Anleiherenditen. Keine davon schließt die Lücke überzeugend. Eine Ausnahme: Seit Juli bewegen sich die Überschusszuflüsse im Gleichklang mit der britischen Laufzeitprämie. Das deute auf Inflationsunsicherheit, fiskalische Risiken oder Zweifel am Timing der Bank of England hin, schreibt der WGC – weist aber selbst darauf hin, dass der Zeitraum für belastbare Schlüsse zu kurz ist.

Als Hintergrund verweist der Verband auf den Bericht des Office for Budget Responsibility vom Juli, der den britischen Haushaltspfad ohne deutliche Konsolidierung als nicht tragfähig bezeichnet. Anders als bei der kurzlebigen Gilt-Krise 2022 steigen die Renditen diesmal global; auch in Frankreich und Deutschland ziehen Laufzeitprämien und ETF-Zuflüsse an, wenn auch weniger ausgeprägt.

Woran sich die Deutung im Oktober messen lässt

Der WGC nennt die anstehende Fed-Sitzung als Prüfstein. Die jüngsten US-Daten sprächen nicht mehr für eine baldige Zinsanhebung, und die Märkte hätten ihre Straffungserwartungen auch für Bank of England und EZB zurückgenommen. Bleiben die Anleiherenditen trotz dieser leicht taubenhaften Neubewertung hoch, wäre das aus Sicht des Verbands ein Hinweis darauf, dass Anleger weniger auf kurzfristige Leitzinsen als auf fiskalische Risiken und Laufzeitprämien schauen. Für Anleger ist vor allem die Divergenz selbst bemerkenswert: ETF-, Schmuck- und Zentralbanknachfrage trugen zuletzt, während der Spotpreis von der Positionierung am Terminmarkt bestimmt wurde.

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