Stand: 02.10.2026 von Florian Grummes
Seit dem Sommerhoch bei 4.697 US-Dollar am 25. August sowie dem anschließenden Notenbanktreffen in Jackson Hole befindet sich der Goldpreis in einer deutlichen Korrektur. Die zwischenzeitlich stark überverkaufte Lage brachte bislang keine nachhaltige Trendwende.
Stattdessen konsolidiert das Edelmetall knapp oberhalb der Bodenbildungszone vom Frühsommer und hat damit nahezu sämtliche Gewinne der spektakulären, jedoch nur kurzlebigen Sommerrally wieder abgegeben.
Der gespaltene Goldmarkt:
Während der Westen zögert, kauft Asien
Während die westlichen Terminmärkte den Rücksetzer als Ausdruck anhaltender Zurückhaltung interpretieren, spricht die physische Nachfrage, insbesondere aus China, eine zunehmend andere Sprache. An den Papiermärkten zögern viele Anleger weiterhin, auf einen nachhaltigen Anstieg der Edelmetallpreise zu setzen.
In Asien hingegen wird die Schwäche offenbar genutzt, um in großem Umfang physisches Gold und Silber zu erwerben.
So entsteht eine wachsende Kluft zwischen den kurzfristig orientierten Preisbewegungen an den westlichen Börsen und der langfristigen Nachfrage jener Marktteilnehmer, die Edelmetalle zunehmend als Schutz vor Währungsabwertung und finanzieller Instabilität betrachten.

Gold – Offenes Interesse an der Comex, vom 2. Oktober 2026. ©GOLD.DE, MacleodFinance
Gleichzeitig eröffnet diese Zurückhaltung den Market Makern und Handelstischen der Bullionbanken die Möglichkeit, bestehende Short-Positionen abzubauen und sich vorsichtig neutral bis long zu positionieren. Dass sie sich auf steigende Preise einstellen, zeigt sich auch an den Lieferungen zum Auslaufen des Oktober-Kontrakts: Insgesamt wurden 11.465 Goldkontrakte im Umfang von 35,66 Tonnen sowie 2.125 Silberkontrakte über 330,47 Tonnen zur Lieferung angemeldet. Seit Jahresbeginn summieren sich die Auslieferungen damit auf 600,6 Tonnen Gold und 9.000,65 Tonnen Silber. Chinas Zollstatistik weist zudem bis Ende August Goldimporte von 1.141 Tonnen aus; zusätzlich stockte die chinesische Zentralbank ihre offiziellen Goldreserven um weitere 80 Tonnen auf.
Während die Nachfrage westlicher Privatanleger nahezu ausbleibt, nutzen China und andere asiatische Länder die gedrückten Preise offenbar, um Dollarbestände abzubauen und ihre Goldreserven massiv auszuweiten. Damit stehen sich zwei grundlegend unterschiedliche Marktsegmente gegenüber:
- Auf der einen Seite der westliche Papierhandel, der von Zinserwartungen, Anleiherenditen und kurzfristiger Positionierung geprägt ist.
- Auf der anderen Seite die physische Nachfrage staatlicher und institutioneller Käufer mit einem deutlich langfristigeren Anlagehorizont.
Die entscheidende Frage ist daher, wer den Markt besser einschätzt: die großen Käufer, angefangen bei den Zentralbanken, oder jene Anleger, die erfahrungsgemäß häufig am Hoch kaufen und am Tief verkaufen.
Gold in US-Dollar – Konsolidierung im Abwärtstrend

Gold in US-Dollar, Tageschart vom 2. Oktober 2026. ©GOLD.DE
Rückblickend waren wir in den vergangenen Wochen etwas zu optimistisch, denn der Goldpreis konnte die erwartete Seitwärtsbewegung zwischen seiner 50-Tage- und seiner 200-Tage-Linie nicht bestätigen. Stattdessen scheitertedie Erholungsbewegung nach dem FED-Zinsentscheid vom 16. September rasch unterhalb der Marke von 4.400 US-Dollar.
Seitdem hat sich das technische Bild weiter eingetrübt, denn die Goldnotierungen sind schließlich bis auf 4.110 US-Dollar abgerutscht. Direkt zu Wochenbeginn setzten die Bären dabei erneut zum Paukenschlag an. Nachdem die breite Unterstützungszone um die steigende 50-Tage-Linie (aktuell 4.327 US-Dollar) einfach überrannt wurde, drückten sie die Goldnotierungen ohne Gnade bis auf 4.110 US-Dollar. Erst auf diesem Niveau fanden sich wieder mehr Käufer als Verkäufer ein, sodass die zu Ende gehende Handelswoche seit Montagabend vor allem von einer zähen, aber bislang wenig überzeugenden Erholung geprägt war.
Aktuell hängt der Goldpreis kurz vor Veröffentlichung der neuen US-Arbeitsmarktdaten bei rund 4.180 US-Dollar etwas orientierungslos in den Seilen. Die Bewegung der letzten Tage lässt sich dabei als Dreiecksformation einordnen, die in der Regel als trendbestätigende Zwischen-Konsolidierung innerhalb einer größeren Bewegung auftritt. Insofern bleiben die Bären – ungeachtet der überverkauften Lage – weiterhin Herr im Haus.
Um die aktuelle Ausgangslage zu entschärfen, benötigen die Bullen einen nachhaltigen Anstieg über 4.220 US-Dollar und idealerweise über 4.250 US-Dollar. Gelingt dies, rückt die 50-Tage-Linie (aktuell 4.327 US-Dollar) als nächstes unmittelbares Ziel wieder in den Fokus
Unterhalb von 4.200 bis 4.220 US-Dollar bleibt der Goldpreis jedoch unter Druck.
Die Bären werden alles versuchen, um die Goldnotierungen zurück in die Bodenbildungszone vom Frühsommer (3.950 bis 4.050 US-Dollar) zu drücken. Zwar wäre spätestens dort mit einem größeren Erholungsversuch zu rechnen, gleichzeitig wäre die technische Lage im übergeordneten Bild dann jedoch noch deutlicher beschädigt. In diesem Szenario müssten wir unser bekanntes Abwärtsziel bei 3.500 US-Dollar wieder aktivieren.
Fazit: Gold – Überverkauft, aber Abwärtstrend noch intakt
Der Goldmarkt befindet sich weiterhin in einer angespannten Lage. Während westliche Anleger und Terminhändler die jüngste Korrektur als Warnsignal deuten und sich zurückhalten, nutzen zentrale Käufer aus Asien – allen voran China – die gedrückten Preise, um ihre physischen Bestände massiv auszuweiten. Diese wachsende Kluft zwischen kurzfristig orientiertem Papierhandel und langfristig denkender Nachfrage aus Asien spiegelt nicht nur die unterschiedliche Markteinschätzungen wider, sondern auch die grundlegend verschiedenen wirtschaftspolitischen Strategien.
Gleichzeitig belasten die steigenden Zinsen aktuell den Goldmarkt. Obwohl ein erheblicher Teil der anziehenden Verbraucherpreise durch externe Energie- und geopolitische Schocks verursacht wurde, hat die Fed ihre Geldpolitik verschärft und damit für zusätzlichen Druck gesorgt.
Technisch bleibt die Lage daher angespannt. Solange der Preis unter 4.220 bis 4.250 US-Dollar verharrt, dominieren die Bären das Geschehen, und ein Rückfall in die Frühsommer-Bodenzone zwischen 3.950 und 4.050 US-Dollar bleibt absehbar. Ein derartiger Rückfall würde im nächsten Schritt auch das Abwärtsszenario mit Ziel 3.500 US-Dollar wieder aktivieren.
Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben könnte hingegen schnell die 50-Tage-Linie bei 4.327 US-Dollar wieder ins Spiel bringen und die Stimmung drehen. Entscheidend wird sein, ob die physische Nachfrage aus Asien stark genug ist, um die westliche Zurückhaltung langfristig zu kompensieren – oder ob der Markt noch tiefer korrigieren muss, bevor eine echte Trendwende gelingt.
Für Anleger wäre ein Rücksetzer in Richtung 4.000 US-Dollar kein Beinbruch, sondern vielmehr eine attraktive Kaufgelegenheit. Schließlich spielt man mit physischen Gold- und Silberbeständen auf Zeit und den übergeordneten, säkulare Bullenmarkt, welcher trotz der seit Ende Januar laufenden Korrektur weiterhin intakt ist.
Stand: 02.10.2026
geschrieben von:Florian Grummes
Technischer Analyst, Edelmetallexperte
Erwähnte Unternehmen
Kategorien
Schlagwörter
Keine Rohstoff-Chance mehr verpassen
Exklusive Updates zu Gold, Kupfer & Co. – wöchentlich, kostenlos.
Disclaimer
I. Informationsfunktion und Haftungsausschluss: Die GOLDINVEST Consulting GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Analysen und Nachrichten auf www.goldinvest.de zu veröffentlichen. Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle, fachkundige Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Finanzanalysen oder Verkaufsangebote, noch liegt eine Handlungsaufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren vor. Entscheidungen, die auf Basis der veröffentlichten Informationen getroffen werden, erfolgen vollständig auf eigene Gefahr. Zwischen der GOLDINVEST Consulting GmbH und den Lesern bzw. Nutzern entsteht kein vertragliches Verhältnis, da sich unsere Informationen ausschließlich auf das Unternehmen und nicht auf persönliche Anlageentscheidungen beziehen.
II. Risikoaufklärung: Der Erwerb von Wertpapieren birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt die GOLDINVEST Consulting GmbH und ihre Autoren keine Haftung für Vermögensschäden oder die inhaltliche Garantie bezüglich Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der veröffentlichten Informationen. Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Nutzungshinweise.
III. Interessenkonflikte: Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.
IV. Einsatz von KI-gestützten Systemen: Bei der Erstellung von Beiträgen können KI-gestützte Systeme zur Unterstützung von Recherche, Strukturierung oder sprachlicher Optimierung eingesetzt werden. Sämtliche Inhalte werden vor Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.