Zum Hauptinhalt springen
GOLDINVEST

Gold – Nervös, aber die Bodenbildung ist intakt

8 Min.
Gold – Nervös, aber die Bodenbildung ist intakt

Nach wie vor verläuft die mögliche Bodenbildung am Goldmarkt rund um die Marke von 4.000 US-Dollar äußerst volatil. Nachdem in den vergangenen Tagen der Ausbruch über die seit Ende Mai deckelnde Abwärtstrendlinie gelungen war, konnte der Goldpreis schnell bis auf 4.165 US-Dollar steigen, nur um dann gestern im Zuge der erneut eskalierenden Iran- und Öl-Krise fast alle Gewinne wieder abzugeben. Damit bleibt das Kursgeschehen um die psychologisch wichtige 4.000-Dollar-Marke weiterhin wackelig und hochvolatil: An einem Tag geht es um 100 US-Dollar nach oben, am nächsten wieder um 100 US-Dollar nach unten. Dennoch bleibt die Chance auf eine erfolgreiche Bodenbildung, eine anschließende Trendwende sowie eine größere Erholung bzw. eine Sommer-Rallye weiterhin intakt.

Gold spiegelt die Neuordnung der Märkte

Nach wie vor bewegen sich die Finanzmärkte durch ein selten dichtes Geflecht aus geopolitischer Nervosität und struktureller monetärer Neuordnung – und nirgendwo verdichtet sich diese Gemengelage klarer als im Goldpreis. Nach dem Rekordhoch von rund 5.600 US-Dollar je Unze im Januar folgte ein scharfer Rückschlag auf ein Niveau knapp unter 4.000 Dollar, ausgelöst durch Gewinnmitnahmen, Iran-Krieg, steigende Zinserwartungen sowie auch durch den leicht erstarkten US-Dollar.

Allein im zweiten Quartal gab Gold rund 14 Prozent nach, Silber sogar 22 Prozent. Wer daraus jedoch auf ein Ende der Goldstory schließt, verwechselt eine zyklische Korrektur mit einem strukturellen Bruch. Die Fundamentaldaten sprechen weiterhin klar dafür, dass das Hoch Ende Januar nicht das Ende des säkularen Bullenmarktes markiert hat.

Zentralbanken bleiben der Haupttreiber

Goldnachfrage seitens der Zentralbanken. © World Gold Council, VanEck

Dabei bleibt der eigentliche Anker des Gold-Bullenmarktes die Nachfrage der Zentralbanken. Seit vier Jahren kaufen Notenbanken weltweit im Schnitt rund 1.000 Tonnen jährlich – doppelt so viel wie im Jahrzehnt zuvor. In der jüngsten Umfrage des World Gold Council gaben 45 Prozent der befragten Reservemanager an, ihre Goldbestände in den kommenden zwölf Monaten weiter aufstocken zu wollen. Dieser Trend ist kein kurzfristiges Hedging gegen Marktvolatilität, sondern Ausdruck einer langfristigen Diversifikation weg vom US-Dollar als alleinigem Anker des globalen Währungssystems.

De-Dollarisierung gewinnt an Dynamik

Der Blick auf die geopolitischen Verwerfungen bestätigt das Bild der voranschreitenden De-Dollarisierung. Während Amerika aggressiv, aber planlos mit den Waffen des 20. Jahrhunderts seinen völkerrechtswidrigen Angriff und Luftkrieg auf den Iran fortsetzt, reagiert Teheran mit einer asymmetrischen Kriegsführung. Strategisch und präzise wird ein US-Stützpunkt nach dem anderen im Mittleren Osten mit Hilfe von Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern zerstört. Bald werden den USA nicht nur Präzisionsmunition und Abwehrsysteme inkl. Luft-, Boden- und Abwehrraketen ausgehen, sondern auch die Orte zum Landen: Ohne Start- und Landebahnen und ohne Treibstoffreserven wird der Paradigmenwechsel in der modernen Kriegsführung, der sich über dem Golf abspielt, auch für den naiven Westen nicht mehr zu leugnen sein. Die Präzision der iranischen Angriffe wird natürlich durch die Chinesen und Russen maßgeblich gestützt, denn beide Länder können und werden es nicht zulassen, dass der Iran fällt.

Genau in dieses Bild fügt sich die vielleicht bemerkenswerteste Entwicklung der vergangenen Wochen: Chinas größte Banken, darunter die Industrial and Commercial Bank of China, stellen zum 24. Juli den Handel mit Retail-Papiergold über die Shanghai Gold Exchange ein. Offiziell dient dies dem Risikomanagement nach Phasen erhöhter Volatilität, in denen Privatanleger empfindliche Verluste durch gehebelte Produkte erlitten. Die spekulative Papierebene wird abgeschaltet, während physischer Besitz, Goldsparpläne und ETFs unberührt bleiben – ebenso wie die Reservestrategie der People's Bank of China.

Ungeachtet der offiziellen “Risiko-Begründungen” ist dies als weiterer Schritt weg von einem System zu verstehen, in dem westliche Papiermärkte wie COMEX und LBMA mithilfe hoher Hebelwirkung eine künstliche Preisbildung ermöglichen, bei der auf eine physische Unze vielfache Papier-Ansprüche kommen können. Indem China seine Bürger konsequent in Richtung physischen Goldbesitzes lenkt, verschiebt sich das Kräfteverhältnis zwischen Papier- und Realmarkt weiter. Das erinnert an historische Parallelen wie den Zusammenbruch des Londoner Goldpools 1968, auch wenn diesmal eher eine graduelle, unspektakuläre und schrittweise Verschiebung zu erwarten ist.

Geopolitik trifft Stagflation

Diese monetäre Neuordnung vollzieht sich vor einer geopolitischen Kulisse, die selbst hartgesottene Marktbeobachter aufhorchen lässt. Der Nahost-Konflikt drückt laut IMF-Weltwirtschaftsausblick messbar auf das globale Wachstum, das 2026 auf rund 3,1 Prozent taxiert wird. Warnungen ehemaliger US-Militärs vor den asymmetrischen iranischen Strategien gegen die amerikanisch-israelischen Luftstreitkräfte im Golf unterstreichen, wie fragil die Sicherheitsarchitektur in der Region wahrgenommen wird. Für Gold als klassischen Krisenwertspeicher ist dieses Risikoumfeld ein struktureller Rückenwind, selbst wenn die kurzfristige Zinslogik und Dollar-Liquidität Bedürfnisse den Preis seit Monaten belastet.

Mit dem seit drei Wochen wieder stark steigenden Ölpreis rückt vielmehr unser immer wieder skizziertes Szenario einer Stagflation weiter in den Mittelpunkt!

Stagflation – die toxische Mischung aus stagnierendem Wachstum, hoher Inflation und steigender Arbeitslosigkeit – stellt Anleger vor ein Dilemma, da die klassischen geldpolitischen Instrumente in diesem Umfeld oft kontraproduktiv wirken. In einer solchen Phase verlieren Papierwerte und festverzinsliche Anlagen real an Wert, während Sachwerte wie Rohstoffe, defensive Qualitätsaktien und insbesondere Gold historisch als stabile Wertanker fungieren.

Gold als Top-Performer in einer Stagflation

Jedes Wirtschaftsregime begünstigt andere Anlageklassen. © VanEck

Gold bleibt in Stagflationszeiten deshalb besonders gefragt, weil es weder von der Bonität eines Emittenten abhängt noch durch reale Negativzinsen entwertet werden kann. Gerade wenn Inflation hartnäckig bleibt, das Wachstum schwach ist und das Vertrauen in Währungen, Staatsanleihen und politische Steuerungsfähigkeit immer schneller schwindet, gewinnt das Edelmetall seine klassische Funktion als knappes, liquides und global anerkanntes Schutzinstrument zurück. Die Erfahrung der 1970er-Jahre zeigt eindrücklich, dass Gold in solchen Phasen nicht nur absichert, sondern zu den ganz wenigen Anlageklassen gehört, die realen Vermögensschutz überhaupt noch ermöglichen.

Gold ringt um die 4.000-Dollar-Marke – Bodenbildung bleibt intakt


Gold in US-Dollar, Tageschart vom 24. Juli 2026. ©Gold.de

Seit der letzten scharfen Abwärtswelle, die bereits am 11. Juni bei 4.023 US-Dollar endete, bemüht sich der Goldpreis im Bereich um die runde Marke von 4.000 US-Dollar um eine Bodenbildung. Nach mittlerweile sechs Wochen ist daraus einerseits ein nervöses Auf und Ab sowie ein tieferes Tief bei 3.942 US-Dollar entstanden. Andererseits kommen die Bären seit sechs Wochen nicht mehr entscheidend voran, während der Wochenchart deutlich überverkauft ist und der Tageschart mit positiven Divergenzen zumindest eine Gegenbewegung und Erholung andeutet.

An einem Tag haben die Käufer die Oberhand und drücken den Goldpreis schnell um 100 bis 200 US-Dollar nach oben. Nur wenige Tage später übernehmen wieder die Bären die Kontrolle und erobern den Großteil der verlorenen Preisregionen zügig und mit hohem Volumen zurück. Es ist ein wildes Hin und Her in einem äußerst schwierigen Marktumfeld, zumal auch die Aktienmärkte immer wieder unter starkem Abgabedruck stehen, die Zinsen steigen und der anziehende Ölpreis erneut den Newsflow bestimmt.

Sprung über 4.100 US-Dollar könnte die nächste Aufwärtswelle auslösen

Immerhin konnten die Goldbullen am Dienstag mit dem Überspringen einer seit Ende Mai intakten Abwärtstrendlinie einen ersten Erfolg für sich verbuchen. Zwar wurden fast alle Gewinne am gestrigen Donnerstag wieder abgegeben, die Marktstruktur hat sich jedoch etwas verbessert. Gelingt dem Gold im nächsten Schritt der nachhaltige Sprung zurück über die Marke von 4.100 US-Dollar, wäre eine weitere Abwärtstrendlinie egalisiert. Dann wäre der Weg frei bis zum oberen Bollinger-Band auf dem Tageschart (4.181 US-Dollar) sowie im weiteren Verlauf wohl auch bis zur fallenden 50-Tage-Linie (4.231 US-Dollar).

Mit einer etablierten Bodenbildung und erfolgreichen Trendwende im Rücken könnten die Goldbullen den Goldpreis im Sommer dann im besten Fall sogar wieder in Richtung der 200-Tage-Linie (4.494 US-Dollar) führen. Diese verläuft inzwischen ungefähr entlang des seit Ende Januar intakten übergeordneten Abwärtstrends, der weiterhin den Maßstab für die weitere Goldpreisentwicklung bildet.

Insgesamt hat sich an unserer Erwartung nichts geändert: Wir bleiben optimistisch, dass die Bodenbildung gelingt, und sehen im Anschluss eine Erholung in Richtung 4.200 und 4.300 US-Dollar sowie im späteren Verlauf auch bis etwa 4.500 US-Dollar als möglich an. Das Ende der übergeordneten Korrektur wollen wir jedoch noch nicht ausrufen.

Fazit: Nervös, aber die Bodenbildung ist intakt

Der Goldmarkt bleibt kurzfristig zwar ein Spielball von Geopolitik, Zinserwartungen, US-Dollar-Bewegungen und dem Ölpreis, doch das große Bild spricht weiterhin klar für die Edelmetalle. Dass der Bereich um 4.000 US-Dollar trotz der heftigen Ausschläge bislang verteidigt wird, ist weniger ein Zeichen von Schwäche als vielmehr Ausdruck eines Marktes, der nach einer scharfen Korrektur wieder antizyklische Käufer anlockt. Solange die Zentralbanken weltweit zukaufen, die geopolitischen Risiken hoch bleiben und die Realzinsen kein klares Gegenargument liefern, bleibt die übergeordnete Struktur konstruktiv.

Gerade die Kombination aus schwachem Wachstum, hartnäckiger Inflation und weiter zunehmender Unsicherheit spricht dafür, dass Gold seine Rolle als monetärer Schutzanker weiter ausbauen wird. Stagflation ist kein Umfeld, in dem Anleger auf schnelle Wachstumsfantasie setzen, sondern eines, in dem Knappheit, Liquidität und Werterhalt wieder an Bedeutung gewinnen. Genau hier entfaltet Gold traditionell seine Stärke – nicht als perfekter Taktgeber für den nächsten Handelstag, sondern als strategische Absicherung in einem zunehmend fragilen Wirtschafts- und Währungsregime.

Schlagwörter

Keine Rohstoff-Chance mehr verpassen

Exklusive Updates zu Gold, Kupfer & Co. – wöchentlich, kostenlos.

Disclaimer

I. Informationsfunktion und Haftungsausschluss: Die GOLDINVEST Consulting GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Analysen und Nachrichten auf www.goldinvest.de zu veröffentlichen. Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle, fachkundige Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Finanzanalysen oder Verkaufsangebote, noch liegt eine Handlungsaufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren vor. Entscheidungen, die auf Basis der veröffentlichten Informationen getroffen werden, erfolgen vollständig auf eigene Gefahr. Zwischen der GOLDINVEST Consulting GmbH und den Lesern bzw. Nutzern entsteht kein vertragliches Verhältnis, da sich unsere Informationen ausschließlich auf das Unternehmen und nicht auf persönliche Anlageentscheidungen beziehen.

II. Risikoaufklärung: Der Erwerb von Wertpapieren birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt die GOLDINVEST Consulting GmbH und ihre Autoren keine Haftung für Vermögensschäden oder die inhaltliche Garantie bezüglich Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der veröffentlichten Informationen. Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Nutzungshinweise.

III. Interessenkonflikte: Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.

IV. Einsatz von KI-gestützten Systemen: Bei der Erstellung von Beiträgen können KI-gestützte Systeme zur Unterstützung von Recherche, Strukturierung oder sprachlicher Optimierung eingesetzt werden. Sämtliche Inhalte werden vor Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.