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Gold unter 4.300 Dollar: Sprott sieht historische Einstiegschance

2 Min.
Gold unter 4.300 Dollar: Sprott sieht historische Einstiegschance

Der Rutsch unter die Marke von 4.300 US-Dollar je Unze drückt den Goldpreis pünktlich zum Wochenauftakt auf ein frisches Einmonatstief – doch während das Gros der Marktteilnehmer wie gebannt auf die anstehende Zinsentscheidung der Federal Reserve starrt, greift diese Perspektive für manche Experten zu kurz. Für Ryan McIntyre, President des renommierten Edelmetall-Spezialisten Sprott Inc., vernebelt der kurzfristige Zinslärm den Blick auf die eigentliche tektonische Verschiebung: Das Schicksal des gelben Metalls entscheidet sich längst nicht mehr an 25 Basispunkten Zinserhöhung, sondern an der eskalierenden Schuldentragfähigkeit der westlichen Leitökonomie.

Das fiskalische Dilemma: Wenn Zinslasten das Wirtschaftswachstum einholen

Im Zentrum von McIntyres Analyse steht eine mathematische Bruchstelle im US-Staatshaushalt: das Verhältnis zwischen nominalem Bruttoinlandsprodukt (BIP) und den Zinskosten für den gigantischen Schuldenberg. Solange eine Volkswirtschaft schneller wächst als ihre Zinsverpflichtungen, bleibt das Defizit managebar. Kippt diese Relation jedoch, droht ein fiskalischer Teufelskreis.

Genau an dieser Schwelle befinden sich laut dem Analysten die USA heute:

  • Wachstum stößt an Zinsgrenze: Bei einem aktuellen nominalen US-Wachstum von rund 4 Prozent nähern sich die normalisierten Zinsausgaben des Bundesstaates gefährlich schnell ebenjener 4-Prozent-Marke an.
  • Kontrollverlust am langen Ende: Die jüngsten Renditesprünge an den Anleihemärkten signalisieren unmissverständlich, dass die Politik die Kontrolle über die Zinsen am langen Laufzeitenende zusehends einbüßt.
  • Unlösbare Zwickmühle: Drastische Sparprogramme zur Defizitsenkung würden die Konjunktur abwürgen, während anhaltend hohe Zinsen den staatlichen Schuldendienst explodieren lassen.

Vor diesem Hintergrund hält McIntyre die Furcht vor dem anstehenden Fed-Zinsschritt für überzogen. Selbst wenn Kevin Warsh und seine Notenbankkollegen nochmals an der Zinsschraube drehen, ist dieses Szenario in den aktuellen Kursen weitgehend diskontiert. Eine Pause hingegen böte Raum für eine unmittelbare Kurserholung.

Gold als Leitstern in einer Welt ohne risikofreie Zinsen

Für Sprott kristallisiert sich Gold in diesem Spannungsfeld als unverzichtbarer North Star (Leitstern) unter den monetären Vermögenswerten heraus – ein liquides Finanzgut ohne Emittenten- und Kontrahentenrisiko. Das traditionelle Dogma, wonach hohe Nominalzinsen das zinslose Edelmetall dauerhaft unattraktiv machen, greift demzufolge nicht mehr, sobald das Vertrauen in die langfristige Schuldentragfähigkeit und die Kaufkraft von Fiat-Währungen erodiert.

Besonderen Zündstoff birgt die nach wie vor frappierende Untergewichtung von Gold: Insbesondere US-amerikanische institutionelle Großanleger sind in physischen Edelmetallen und Minenaktien historisch unterinvestiert. Sollten anhaltende Spannungen am US-Anleihemarkt oder Korrekturen an überhitzten Aktienmärkten ein Umdenken erzwingen, stünde den physischen Gold-ETFs ein neuer Allzeithoch-Zyklus bevor. Für rohstoffaffine Investoren bleibt der Rücksetzer unter 4.300 US-Dollar daher primär eins: eine taktische Einstiegsgelegenheit in einem intakten, fiskalisch getriebenen Superzyklus, so Sprott.

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