Zum Hauptinhalt springen
GOLDINVEST

Goldpreis vor 4.700 Dollar? Warum die Rallye weitergehen könnte

7 Min.
Goldpreis vor 4.700 Dollar? Warum die Rallye weitergehen könnte

Stand: 04.09.2026 von Florian Grummes

Wir hatten bereits im Juni und vor allem im Juli wiederholt und energisch auf die sich abzeichnende Bodenbildung bei den Edelmetallen hingewiesen und unsere Erwartung einer baldigen Sommerrallye klar dargelegt. Tatsächlich setzte der Goldpreis ab dem 3. August zu einer frenetischen, dreiwöchigen Aufwärtsbewegung an, die die Notierungen innerhalb kürzester Zeit von 4.020 auf 4.697 US-Dollar trieb.

Ausgehend vom frühsommerlichen Tief der fünfmonatigen Korrektur bei 3.942 US-Dollar am 30. Juni erholte sich der Goldpreis somit um 19,15 % und konnte einen erheblichen Teil des zuvor verlorenen Terrains zurückgewinnen. Der Silberpreis fand sein frühsommerliches Tief erst am 17. Juli bei 54,74 US-Dollar, erholte sich im August jedoch bis auf 71,16 US-Dollar und konnte so in der Spitze um rund 30 % zulegen.

Yen-Rallye und Treasury-Intervention:
Bessents Doppelstrategie

Yen gegen US-Dollar, Tageschart vom 4. September 2026. © GOLD.DE

Fundamental ausgelöst wurde die Rallye durch das Eingreifen von US-Finanzminister Scott Bessent am Devisenmarkt Ende Juli, als er zugunsten des japanischen Finanzministeriums in den Yen-Kurs intervenierte. Der Yen legte daraufhin innerhalb weniger Tage sofort stark zu, korrigierte diesen steilen Anstieg im August und stieg seit Mittwoch erneut deutlich an.

Innerhalb eines Monats hat der Yen damit über 5 % gegenüber dem US-Dollar gewonnen. Dies ist insofern bedeutsam, als japanische Institutionen nun ihre Auslandsinvestitionen in Anleihen und Aktien vermutlich überprüfen werden und Carry-Trader, die US-Treasury Bills gekauft hatten, möglicherweise zu Verkäufen gezwungen sein könnten, um ihre Yen-Short-Positionen zu decken. Dies wiederum stellt eine Herausforderung für die Nachfrage nach T-Bills dar, die nur durch eine Anhebung des Leitzinses durch die Fed aufrechterhalten werden kann, um das Zinsgefälle zu den globalen Märkten zu bewahren. Der Wettbewerb um internationale Kapitalanlagen hat damit weiter an Intensität gewonnen.

Gleichzeitig musste US-Finanzminister Scott Bessent auf den unerwartet starken Renditeanstieg bei den langlaufenden US-Staatsanleihen (die 30-jährige Rendite hatte zeitweise ein 19-Jahres-Hoch erreicht) Mitte August 2026 reagieren. Er kündigte überraschend die Ausweitung der Treasury-Rückkaufprogramme an: Die Rückkäufe von 10-, 20- und 30-jährigen Papieren wurden mindestens auf 4 Mrd. US-Dollar pro Operation verdoppelt, wobei Bessent ausdrücklich offen ließ, dass die Volumina noch weiter steigen könnten. Ziel war dabei nicht, ein bestimmtes Rendite-Niveau durchzusetzen – was er als außerhalb seiner Macht liegend bezeichnete –, sondern „disorderly moves“ zu verhindern und die Marktliquidität in einer Phase dünner Sommerhandelsvolumina zu stabilisieren. Die Maßnahmen, die ab dem 10. September starten sollten, wurden als „Operation Twist light“ interpretiert und lösten eine Debatte aus: Während Bessent betonte, keine Geldpolitik zu betreiben, sondern lediglich die Funktionsfähigkeit des Anleihemarktes zu sichern, warnten Kritiker wie Stanley Druckenmiller vor einer gefährlichen Grenzüberschreitung und forderten stattdessen eine konsolidierte Haushaltspolitik.

Dollar am Kipppunkt? Sieben Warnsignale – und eine umstrittene Strategie

Das Kollaps-Indikator-Modell. © The Leah Files

Scott Bessent scheint den US-Dollar gezielt in den Abgrund zu steuern. Zieht man sieben historische Indikatoren für Währungskollapse zu Rate, weist der Dollar nun alle sieben Warnsignale auf – ausgelöst durch Bessents jüngste Maßnahmen.

Kein Land der modernen Geschichte hat je alle sieben Kriterien erfüllt und einen Kollaps vermieden.

Doch anders als bei früheren Krisen wirkt dies nicht wie ein unglücklicher Zufall, sondern wie ein bewusster Akt – von jenen, die eigentlich genau das verhindern sollen, aber die nun selbst daran verdienen.

Trotz dieser für die Edelmetalle sehr positiven Dynamik mussten die Goldbullen ab dem 24. August nach der atemberaubenden Rallye jedoch kurz Luft holen. Die geschickt hawkischen Äußerungen von Christopher Warsh beim Notenbankertreffen in Jackson Hole lösten einen scharfen Rücksetzer bis auf 4.282 US-Dollar aus.

Zu Wochenbeginn dominierte plötzlich wieder die Angst vor deutlichen Zinserhöhungen das Marktgeschehen. Zudem ist die Volatilität enorm: 700 US-Dollar Aufwärtsbewegung in drei Wochen, gefolgt von 400 US-Dollar Abwärtsbewegung in nur einer Woche.

Dennoch ließ sich der Goldpreis von dem gezielten FED-Scharmützel nicht beeindrucken und erholte sich ab Dienstag ausgehend von 4.282 US-Dollar wieder deutlich bis auf 4.510 US-Dollar.

Damit bleibt die Sommer-Rallye intakt.

Gold hat die 200-Tagelinie erneut im Visier

Gold in US-Dollar, Tageschart vom 4. September 2026. © GOLD.DE

Wie so oft setzte die erwartete Sommerrallye bei den Edelmetallen fast unmittelbar mit Urlaubsbeginn ein. In nur drei Wochen schoss der Goldpreis von rund 4.020 auf 4.697 US-Dollar. Unser bewusst moderat gehaltenes Mindestziel von 4.500 US-Dollar wurde damit in Windeseile erreicht und abgearbeitet.

Dieses Kursziel hatten wir konservativ gewählt und betont, dass wir zunächst abwarten wollten, wie sich die Sommerrallye entwickeln würde. Im Rückblick wirkt der Anstieg weniger wie ein nachhaltiger Aufstieg entlang einer „Wall of Worry“, sondern eher wie ein panischer Short-Squeeze.

Dementsprechend überraschte der scharfe Rücksetzer vom Hoch bei 4.697 US-Dollar in der vergangenen Woche nicht. Zwar hatte Gold seine 200-Tage-Linie (aktuell 4.534 US-Dollar) im August kurzfristig deutlich überschritten, doch bot diese wichtige Durchschnittslinie kaum Unterstützung, sobald der Verkaufsdruck im Umfeld des Jackson-Hole-Treffens zunahm.

Trotz enormer Volatilität kommen die Käufer sofort zurück

Nachdem der Goldpreis innerhalb einer Woche um rund 400 US-Dollar gefallen war, kamen die Käufer seit Dienstag jedoch massiv und nachhaltig zurück. Damit hat sich die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, dass der scharfe Rücksetzer lediglich ein gesundes „Luft holen“ war – zumal er mit 4.282 US-Dollar exakt an der ehemaligen Widerstandslinie endete, die nun als solide Unterstützung im Bereich zwischen 4.280 und 4.320 US-Dollar fungiert. Die steigende 50-Tage-Linie (4.240 US-Dollar) wurde hingegen nicht getestet.

Technisch liefert die Tages-Stochastik nun ein vielversprechendes Bild. Der Oszillator hat knapp oberhalb der überverkauften Zone wieder nach oben gedreht und ein neues Kaufsignal aktiviert. Damit stehen die Chancen gut, dass der Goldpreis seine 200-Tage-Linie erneut anläuft und in den kommenden Wochen möglicherweise auch den Bereich um 4.700 US-Dollar wieder erreichen kann.

Im größeren Bild ist die Serie tieferer Hochs allerdings noch intakt. Für den September erwarten wir daher, dass der Goldpreis primär zwischen seiner 50- und 200-Tagelinie oszilliert, mit der Option auf einen Ausbruch in Richtung 4.700 US-Dollar.

September-Ausblick: Primär zwischen 50- und 200-Tage-Linie

Der nächste richtungsweisende Impuls dürfte maßgeblich vom Verhalten der Aktienmärkte abhängen.

Historisch neigen die zwei Monate vor den US-Zwischenwahlen zu erhöhter Unsicherheit und Rücksetzern an den Aktienmärkten. Hinzu kommt der „September-Effekt“: die historische Tendenz der Aktienmärkte – insbesondere der US-Indizes wie S&P 500 und Dow Jones –, im September schwächere oder negative Durchschnittsrenditen zu erzielen als in anderen Monaten. Über lange Datenreihen hinweg ist September der einzige Kalendermonat mit einer negativen Durchschnittsrendite für den S&P 500 und weist zudem eine der höchsten Häufigkeiten negativer Monate auf.

Angesichts der ohnehin schon stark erhöhten globalen Unsicherheit wäre es daher nicht überraschend, wenn zusätzlicher Stress bei den Risiko-Assets auch auf die Edelmetalle durchschlagen könnte.

Gleichzeitig dürften Fed und Finanzminister Bessent dann jedoch erneut gezwungen sein, mit Liquiditätsmaßnahmen einzugreifen.

Es bleibt also volatil!

Fazit: Gold – Sommerrallye noch nicht zu Ende!

Die Sommerrallye bei den Edelmetallpreisen war kein Zufall. Wir hatten rechtzeitig und ausführlich dargelegt, warum die Stimmung im Frühsommer viel zu schlecht war. Fundamental betrachtet ist beeindruckende Erholung das Ergebnis eines sorgfältig orchestrierten makroökonomischen Settings: Yen-Intervention, Treasury-Rückkäufe, hohe geopolitische Unsicherheit und die wachsende Sorge um die Stabilität des US-Dollars haben gemeinsam ein perfektes Sturm-Szenario für die Edelmetallpreise geschaffen.

Mit +19 % bei Gold und +30 % bei Silber wurde nicht nur verlorenes Terrain zurückgewonnen, sondern auch ein klares Signal gesetzt: Die Märkte antizipieren zunehmend, dass die traditionellen Stützungsmechanismen des Dollarsystem an ihre Grenzen stoßen.

Die enorme Volatilität – 700 US-Dollar Aufwärtsbewegung in drei Wochen, gefolgt von 400 US-Dollar Abwärtsbewegung in einer Woche, gefolgt von 240 US-Dollar Erholung in drei Tagen – ist dabei weniger ein Zeichen von Schwäche als vielmehr ein Indikator für die Intensität des Positionskampfes zwischen den Bullen und Bären.

Für den September bleibt die Grundtendenz positiv, doch der Weg nach oben wird vermutlich holpriger werden. Technisch sprechen die schnelle Erholung vom Tief bei 4.282 US-Dollar, das neue Kaufsignal der Tages-Stochastik sowie die erfolgreich getestete Unterstützung im Bereich 4.280 bis 4.320 USD für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Gleichzeitig mahnen der „September-Effekt“, die historische Schwäche der Aktienmärkte vor den US-Zwischenwahlen als auch die noch intakte Serie tieferer Hochs zur Vorsicht.

Das wahrscheinlichste Szenario ist primär eine Seitwärtsbewegung zwischen 50- und 200-Tage-Linie mit der Option auf einen Ausbruch in Richtung 4.700 USD – vorausgesetzt, die Aktienmärkte liefern keine negativen Überraschungen und Fed sowie Treasury bleiben im Notfallmodus.

Florian Grummes
Technischer Analyst, Edelmetallexperte

Keine Rohstoff-Chance mehr verpassen

Exklusive Updates zu Gold, Kupfer & Co. – wöchentlich, kostenlos.

Disclaimer

I. Informationsfunktion und Haftungsausschluss: Die GOLDINVEST Consulting GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Analysen und Nachrichten auf www.goldinvest.de zu veröffentlichen. Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle, fachkundige Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Finanzanalysen oder Verkaufsangebote, noch liegt eine Handlungsaufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren vor. Entscheidungen, die auf Basis der veröffentlichten Informationen getroffen werden, erfolgen vollständig auf eigene Gefahr. Zwischen der GOLDINVEST Consulting GmbH und den Lesern bzw. Nutzern entsteht kein vertragliches Verhältnis, da sich unsere Informationen ausschließlich auf das Unternehmen und nicht auf persönliche Anlageentscheidungen beziehen.

II. Risikoaufklärung: Der Erwerb von Wertpapieren birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt die GOLDINVEST Consulting GmbH und ihre Autoren keine Haftung für Vermögensschäden oder die inhaltliche Garantie bezüglich Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der veröffentlichten Informationen. Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Nutzungshinweise.

III. Interessenkonflikte: Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.

IV. Einsatz von KI-gestützten Systemen: Bei der Erstellung von Beiträgen können KI-gestützte Systeme zur Unterstützung von Recherche, Strukturierung oder sprachlicher Optimierung eingesetzt werden. Sämtliche Inhalte werden vor Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.