Der Goldpreis hat nach einigen schwierigen Monaten wieder deutlich an Dynamik gewonnen. Das Wells Fargo Investment Institute sieht das Edelmetall trotz hoher Realzinsen strukturell unterstützt. Die Strategen erwarten vom aktuellen Niveau bis zum Jahresende 2026 weiteres Aufwärtspotenzial und rufen eine Zielspanne von 4.900 bis 5.100 US-Dollar je Feinunze aus. Für 2027 taxiert die Bank das Ziel auf 5.400 bis 5.600 US-Dollar.
Starke Nachfrage aus Asien und ETF-Zuflüsse stützen
Kurzfristig profitiert Gold von Hoffnungen auf geopolitische Entspannung im Nahen Osten und schwindenden Erwartungen an weitere US-Zinserhöhungen. Dies sorgte Anfang August bereits für den stärksten Wochengewinn (über 7 Prozent) seit Januar. Zudem haben sich die Abflüsse bei Gold-ETFs stabilisiert und beginnen, wieder ins Positive zu drehen.
Seit dem Frühjahr hatte der Goldpreis unter steigenden inflationsbereinigten US-Renditen gelitten, die zinslose Anlagen wie Gold im Vergleich unattraktiver machen. Dennoch bewies der Markt eine enorme Widerstandskraft, die laut Wells Fargo von mehreren starken Faktoren getragen wird:
- Starke Asien-Nachfrage: Während der globale Spotpreis im ersten Halbjahr zeitweise nachgab, stieg die Performance in den asiatischen Handelszeiten um 13 Prozent.
- Zentralbank-Käufe: Aus Sorge vor Marktrisiken und geopolitischen Unsicherheiten stockten Notenbanken ihre Goldreserven im zweiten Quartal wieder massiv auf.
- Portfolio-Diversifikation: Internationale Anleger suchen angesichts hartnäckiger Inflation weiterhin gezielt den sicheren Hafen.
Kurzfristige Rückschlagsrisiken, aber intakter Makro-Zyklus
Sameer Samana, Head of Global Equities and Real Assets Strategy bei Wells Fargo, sieht die jüngste Korrektur vor allem als gesunde Neubewertung des Risiko-Ertrags-Verhältnisses. Investoren sollten sich stärker auf das langfristige Profil des Goldmarktes konzentrieren. Da der Markt bereits weitere Zinsschritte der US-Notenbank Fed eingepreist hat, seien hier viele Risiken schon verarbeitet.
Dennoch mahnen die Strategen kurzfristig zur Vorsicht: Ein finaler Boden sei noch nicht zwingend gefunden. Es bestehe ein Rückschlagsrisiko bis auf 3.500 US-Dollar, bevor auf dem Weg nach oben technische Widerstände im Bereich von 4.500 bis 4.900 US-Dollar warten.
Der langfristige makroökonomische Zyklus spreche jedoch klar für das Edelmetall, so die Analysten. Sollten höhere Zinsen und Ölpreise die Wirtschaft abwürgen, müssten Zentralbanken und Fiskalpolitik letztlich wieder mit Zinssenkungen und Konjunkturprogrammen reagieren – ein ideales Umfeld für Gold. Historisch hat sich das Edelmetall in Rezessionen und Phasen restriktiver Geldpolitik oft deutlich robuster gezeigt als Aktien oder Anleihen. Für Wells Fargo bleibt Gold daher ein unverzichtbarer Baustein zur Absicherung gegen Marktstress in kritischen Marktphasen.
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