Der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren stößt bei dem Spezialmaterial Indiumphosphid (InP) auf einen massiven strukturellen Engpass. InP ist unverzichtbar für optische Hochgeschwindigkeitschips, die Daten per Lichtsignal durch Glasfasern übertragen, da klassische Kupferleitungen bei den extremen Datenmengen moderner KI-Anwendungen an ihre technischen Grenzen stoßen. Ein adäquates Ersatzmaterial existiert aktuell nicht.
Die Abhängigkeit der Branche von China, das rund 70 Prozent des weltweiten Indiums produziert, erweist sich nun als kritischer Flaschenhals. Seit Peking im Februar 2025 Exportbeschränkungen für InP eingeführt hat, verzögern sich Lieferungen drastisch. In der Folge ist der Durchschnittspreis für sechs Zoll große InP-Wafer bereits um 250 Prozent auf 5.000 US-Dollar explodiert. Die Auswirkungen auf die Lieferkette sind gravierend: AXT, der weltweit zweitgrößte Hersteller von InP-Substraten, kämpft mit monatelangen Verzögerungen bei Ausfuhrgenehmigungen aus seinen chinesischen Werken, was auch nachgelagerte asiatische und amerikanische Komponentenbauer massiv ausbremst. Die Lage ist derart angespannt, dass die Exportrestriktionen bereits Gegenstand hochrangiger diplomatischer Gespräche zwischen den USA und China wurden.
Obwohl die Photonikindustrie – gestützt durch milliardenschwere strategische Investitionen von Tech-Giganten wie Nvidia oder Marvell – den Aufbau westlicher Produktionskapazitäten forciert, lässt sich das Defizit kurzfristig nicht beheben. Führende US-Zulieferer wie Coherent verdoppeln zwar ihre heimischen Kapazitäten und Lumentum meldet bereits ausverkaufte Bücher bis 2028, doch der Bau neuer Anlagen nimmt in der Regel zwei bis drei Jahre in Anspruch. Hinzu kommen langwierige Qualifizierungsverfahren, die einen schnellen Lieferantenwechsel, etwa zur japanischen Sumitomo, fast unmöglich machen. Zwar weiten auch chinesische Produzenten wie Yunnan Germanium ihre Kapazitäten massiv aus, diese dürften jedoch vorrangig den heimischen Binnenmarkt bedienen.
Für Rohstoff- und Technologieinvestoren ergibt sich daraus ein klares Bild: Da das neue Angebot dem exponentiellen Bedarf auf absehbare Zeit hinterherhinkt, dürfte Indiumphosphid den globalen KI-Ausbau noch über Jahre hinweg strukturell limitieren – was den strategischen Wert und das Preisniveau dieses kritischen Technologiemetalls weiterhin hoch halten sollte.
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