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Kein Gold auf Knopfdruck: Warum das starre Angebot den Preis treibt

6 Min.
Kein Gold auf Knopfdruck: Warum das starre Angebot den Preis treibt

Nach sechs Teilen, die sich mit Zinserwartungen, dem Vertrauen in den US-Dollar, Notenbankkäufen, dem Dilemma der Federal Reserve Bank, der Staatsverschuldung in den USA und der Größe des Goldmarktes befasst haben, widmet sich der siebte und letzte Teil dieser Serie dessen Angebotsseite.

Dabei steht eine ebenso naheliegende wie wichtige Frage im Raum: Warum kann die Goldproduktion selbst bei kräftig steigender Nachfrage nur sehr langsam reagieren und welche langfristigen Folgen hat das für den Goldpreis?

Gold lässt sich nicht auf Knopfdruck produzieren

Anders als viele andere Rohstoffe oder gar Industriegüter kann die Goldförderung nicht kurzfristig hochgefahren werden. Zwischen der Entdeckung einer neuen Lagerstätte und dem Beginn einer kommerziellen Förderung liegen bedingt durch die geologische Erkundung, aufwendige und langwierige Genehmigungsverfahren, den Bau der notwendigen Infrastruktur sowie erhebliche Anfangsinvestitionen in aller Regel viele Jahre, häufig sogar Jahrzehnte.

Steigt die Nachfrage nach Gold kurzfristig deutlich an, etwa weil private Haushalte in Schwellenländern verstärkt physisches Gold als Wertspeicher nachfragen oder die Notenbanken ihre Käufe ausweiten, erfreut das zwar die Produzenten und belebt den ganzen Sektor. Doch dieser kann auf die gestiegene Nachfrage nicht mit einer rasch steigenden Minenproduktion reagieren.

Der Bergbau ist einerseits eine sehr konservativ agierende Branche und andererseits ein Sektor, in dem Investitionen schnell große Summen verschlingen können. Hinzu kommt der zyklische Charakter des Geschäfts. Wirtschaftliche Auf- und Abschwünge gibt es selbstverständlich auch in anderen Branchen. Doch in keinem anderen Sektor ist die Zyklik so scharf und so hart ausgeprägt wie bei den Minen.

Das amtierende Minenmanagemt hat gute Gründe, vorsichtig zu sein

Kombiniert führen diese Effekte dazu, dass Investitionsentscheidungen langsamer verlaufen als in anderen Branchen und insbesondere der Respekt des Managements vor möglichen Fehlentscheidungen stärker ausgeprägt ist. Niemand will die Existenz des eigenen Unternehmens leichtfertig aufs Spiel setzen, nur weil der Goldpreis gerade gedreht hat und sich nun wieder in einem neuen Aufwärtstrend befindet, von dem niemand so recht weiß, wie lange er denn anhalten könnte.

Ein steigender Goldpreis ist deshalb für die Branche kein unmittelbares Signal zum Aufbruch, sondern eher ein Grund zum Abwarten. Bestätigt sich das höhere Preisniveau anschließend im Lauf der Zeit, werden die eigenen Prognosen und Planungen zwar angepasst, aber dies geschieht nur zögerlich und mit der gebotenen Vorsicht.

Ein flüchtiger Blick auf das Jahr 2026 zeigt warum. Im Januar notierte der Goldpreis kurzzeitig im Bereich von 5.500 US-Dollar je Feinunze. Anschließend setzte eine Korrektur ein, die das gelbe Metall wieder in den Bereich von 4.000 US-Dollar pro Unze zurückführte. Von dort aus ist der Goldpreis nun wieder um rund 200 US-Dollar angestiegen.

Mit welchem Preis soll ein Management nun rechnen, wenn es Planungen aufstellt, die leicht bis zu zehn Jahre in die Zukunft reichen können? 5.500 US-Dollar? 4.000 US-Dollar? 4.200 US-Dollar? Oder vielleicht doch nur 3.000 US-Dollar oder noch weniger? Die Frage ist alles andere als rhetorisch, denn sie kann sehr leicht existentiell werden.

Gebrannte Kinder fürchten das Feuer

Zu berücksichtigen ist auch ein psychologischer Aspekt, der gerade im aktuellen Anstieg eine bremsende Wirkung entfaltet: Während des letzten Goldbullenmarktes in den Jahren 2009 bis 2012 agierten die Minenvorstände vergleichsweise optimistisch und zuversichtlich. Das führte im anschließenden Abschwung viele Unternehmen und Projekte in kritische Situationen und selbst wenn das Schlimmste verhindert werden konnte, so mussten sich viele Vorstände von den eigenen Aktionären den Vorwurf gefallen lassen, zu optimistisch gewesen zu sein.

Keith Neumeyer, der CEO von First Majestic Silver und damit selbst ein Betroffener, hat dieses Dilemma im vergangenen Herbst treffend auf den Punkt gebracht, als er in einem öffentlichen Vortrag bemerkte, dass die damaligen Vorstände heute immer noch aktiv seien und dass sie nicht daran interessiert sind, sich diesen Vorwurf ein zweites Mal anhören zu müssen.

Geht man davon aus, dass Keith Neumeyer die Bergbaubranche und seine Vorstandskollegen gut kennt und ihre psychologische Disposition treffend einschätzen kann, spricht aktuell nicht viel dafür, dass die Minen und ihre Vorstände in den kommenden Jahren leichtfertig und voreilig mit Milliardeninvestition um sich werfen werden, nur weil der Goldpreis Anfang August um ein paar hundert US-Dollar angestiegen ist.

Steigende Grenzkosten der Förderung

Erschwerend kommt hinzu, dass ein Großteil der leicht zugänglichen und kostengünstig erschließbaren Goldvorkommen weltweit bereits abgebaut ist. Neue Projekte erfordern zunehmend den Zugriff auf tiefer liegende, geologisch komplexere oder infrastrukturell schwerer zu erschließende Lagerstätten.

Das treibt die Grenzkosten der Förderung strukturell nach oben. Verstärkt wird dieser Aspekt durch gestiegene Energiepreise, höhere Finanzierungskosten in einem Umfeld erhöhter Zinsen sowie strengere Umwelt- und Nachhaltigkeitsauflagen, die den Genehmigungsprozess neuer Minenprojekte zusätzlich verlangsamen und verteuern.

Diese steigenden Grenzkosten wirken sich langfristig auch auf das allgemeine Preisniveau aus, da neue Förderprojekte erst ab einem bestimmten Goldpreis überhaupt wirtschaftlich sind. Eine kurzfristig stark steigende Goldproduktion ist daher selbst in dem Fall ausgeschlossen, in dem der Goldpreis über Nacht auf 10.000 US-Dollar und mehr je Feinunze ansteigen würde.

Die Konsequenz: Nachfrageschwankungen wirken direkt auf den Preis

In einem Markt, in dem das Angebot kurzfristig weitgehend starr ist, muss und wird jede zusätzliche Nachfrage über den Preis absorbiert werden. Es gibt keinen Produktionspuffer, der kurzfristig aktiviert werden könnte, um einen Nachfrageschub abzufedern.

Genau das unterscheidet Gold und auch Silber von vielen anderen Anlageklassen, bei denen ein Angebotsüberschuss oder eine schnelle Produktionsausweitung Preisspitzen dämpfen kann. Trifft die in den vorangegangenen Teilen dieser Serie beschriebene strukturelle Nachfrage von den Notenbanken über besorgte Anleger bis hin zu den privaten Haushalten auf ein derart unelastisches Angebot, sind spürbare Preisreaktionen die logische Folge.

Selbst ein deutlicher Rückgang der Nachfrage würde daran wenig ändern, da einmal begonnene Förderprojekte aus Kostengründen in aller Regel weiterlaufen und sich Produktionskürzungen in der Branche ebenfalls nur mit erheblicher Verzögerung umsetzen lassen.

Ein Fazit für die gesamte Serie

Betrachtet man die sieben in dieser Serie untersuchten Faktoren gemeinsam, ergibt sich ein Bild, das über die reine kurzfristige Kursbewegung einer einzelnen Handelswoche weit hinausweist: Kurzfristig drehende Zinserwartungen und schwache Konjunkturdaten haben den unmittelbaren Auslöser für die jüngste Rally geliefert.

Struktureller und länger wirkend sind jedoch das schwindende Vertrauen in den US-Dollar, die anhaltenden Notenbankkäufe, das geldpolitische Dilemma der Federal Reserve Bank, die wachsende Staatsverschuldung sowie die begrenzte Größe des Goldmarktes.

Sie werden gemeinsam ihren Beitrag dazu leisten, dass Nachfrageimpulse überproportional in Preisbewegungen übersetzt werden. Die auf Jahre angelegte Angebotsstarre bildet schließlich das strukturelle Fundament, auf dem all diese Nachfragefaktoren wirken.

Ob der Goldpreis nach dem kräftigen Anstieg der ersten Augusttage zunächst konsolidiert oder die Aufwärtsbewegung fortsetzt, lässt sich seriös nicht vorhersagen. Das ist auch nicht entscheidend, denn die in dieser Serie dargestellten strukturellen Faktoren sprechen dafür, dass das Gold auch über die aktuelle Marktphase hinaus ein Thema bleiben dürfte, das jeder Anleger im Blick behalten sollte.

Die anderen Teile unserer großen Gold-Serie:

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