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Kupfer & Silber im Fokus: Der Kampf um die Metalle für KI & Energiewende

5 Min.
Kupfer & Silber im Fokus: Der Kampf um die Metalle für KI & Energiewende

Kupfer erreichte am 10. September mit 14.875 US-Dollar je Tonne bezogen auf den Dreimonatskontrakt an der London Metal Exchange einen Rekord. Silber kostet rund 61 US-Dollar je Feinunze und damit etwa die Hälfte des Januar-Höchststands von knapp 117 US-Dollar im Schlusskurs. Beide Metalle stehen seit November 2025 auf der Liste kritischer Rohstoffe der USA und beide zeigen, wie eng Technologie, Energie und Geopolitik inzwischen verflochten sind.

Fragt man danach warum die beiden Metalle so wichtig sind, treten neben den technischen Vorteilen auch die günstigen Preise schnell hervor. Kupfer leitet den elektrischen Strom gut und ist gleichzeitig vergleichsweise günstig. Es steckt in Stromnetzen, Transformatoren, Motoren, Ladesäulen und in den Rechenzentren, die für Künstliche Intelligenz gebaut werden. Zusätzlich treibt die Energiewende, denn ein Elektroauto enthält deutlich mehr Kupfer als ein Verbrenner.

Gleiches gilt auch für Silber. Denn Silber ist nach Gold der beste elektrische Leiter aller Metalle und deshalb in Solarzellen, Elektronik und Fahrzeugen schwer zu ersetzen. Nach dem World Silver Survey entfielen 2025 rund 657 Millionen Unzen auf die Industrie, das sind etwa 58 Prozent der gesamten Nachfrage. Für die Photovoltaik erwartet das Silver Institute 2026 einen Verbrauch von rund 151 Millionen Unzen. Allerdings sparen die Hersteller zunehmend Silber ein: Die industrielle Nachfrage sank 2025 um drei Prozent. Rechenzentren und Festkörperbatterien gelten auch hier als neue Wachstumsfelder, belastbare Mengenangaben fehlen aber noch.

Knappheit mit Einschränkungen

Bei Silber meldete das Silver Institute für 2025 das fünfte Jahr mit einem Defizit in Folge (40,3 Millionen Unzen) und erwartet für 2026 ein sechstes von 46,3 Millionen Unzen. Gemessen an einer Nachfrage von gut 1,1 Milliarden Unzen ist das Defizit jedoch klein. Hinzu kommt, dass etwa 70 Prozent des Silbers als Beiprodukt beim Abbau anderer Metalle anfallen. Das Angebot reagiert daher kaum auf den Preis.

Für Kupfer ist das Bild noch differenzierter. Der Markt für raffiniertes Kupfer verzeichnete von Januar bis Juli laut der Internationalen Kupferstudiengruppe einen leichten Überschuss von 32.000 Tonnen. Rechnet man die Veränderungen der chinesischen Zolllager ein, ergibt sich ein Defizit von 5.000 Tonnen.

Der Engpass liegt hier bei den Minen: Der Schlammeinbruch in der indonesischen Grasberg-Mine im September 2025 entzieht dem Markt laut Benchmark Minerals bis Ende 2026 rund 590.000 Tonnen an Produktion. Die weltweite Minenproduktion sank deshalb im ersten Halbjahr um 1,1 Prozent und die Verarbeitungsgebühren der Hütten wurden für 2026 auf null Dollar je Tonne festgelegt, ein Zeichen für knappes Konzentrat.

Wer Zugriff hat

Beim Kupfer förderte Chile nach Angaben des USGS im Jahr 2025 mit 5,3 von rund 23 Millionen Tonnen fast ein Viertel der Weltproduktion. Es folgten auf den Plätzen zwei und drei die Demokratische Republik Kongo und Peru. China förderte hingegen nur etwa ein Drittel der chilenischen Menge, steuert aber rund die Hälfte der weltweiten Kupferverhüttung. Pekings Macht liegt damit in der Verarbeitung, nicht im Bergbau. Die USA decken rund 57 Prozent ihres Verbrauchs an raffiniertem Kupfer über Importe ab, 68 Prozent davon stammen aus Chile.

Bei Silber ist Mexiko mit 173 Millionen Unzen der größte globale Förderer. Er steht für knapp ein Fünftel der weltweiten Minenproduktion. Die Aufnahme von Silber in die US-Liste der kritischen Metalle und Mineralien wurde unter anderem mit dem Risiko eines Ausfalls der mexikanischen Silberproduktion begründet. Europa fördert vergleichsweise wenig Silber und Kupfer und tritt bei beiden Metallen vor allem als Käufer auf.

Wie die drei Blöcke ihre Position festigen

Die USA setzten bei ihrer Handels- und Rohstoffpolitik auf eine Kombination aus Zöllen, Vorräten und Bündnissen. Auf Halbzeuge aus Kupfer erheben sie seit August 2025 einen Zoll von 50 Prozent. Für raffiniertes Kupfer sind 15 Prozent ab 2027 und 30 Prozent ab 2028 vorgeschlagen, aber noch nicht beschlossen. Die Aussicht auf höhere Zölle führte umgehend zu einem massiven Lageraufbau in den USA.

Die Bestände an der Börse Comex erreichten im August mit rund 675.000 Tonnen Kupfer Rekordniveau. Hinzu kommen der im Februar angekündigte Rohstoffvorrat Project Vault (zwölf Milliarden Dollar) und der Plan einer Handelszone mit Mindestpreisen für Partnerländer.

China hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Schlüsselstelle in der Mitte der Lieferkette gesichert und baut diese Machtposition noch weiter aus. Staatlich gestützte Hütten nehmen Konzentrat sogar ohne Gebühr an, um jeden Gedanken an eine Raffination außerhalb Chinas gleich im Keim zu ersticken, Silberausfuhren sind lizenzpflichtig und die Zentralbank kauft Gold als gebe es kein Morgen mehr.

Die Europäische Union setzt auf den Critical Raw Materials Act, nach dem kein Drittstaat mehr als 65 Prozent eines Rohstoffs liefern soll, auf den Aktionsplan RESourceEU und auf Exportbeschränkungen für Magnetschrott. Eine europäische Rohstoffgesellschaft soll folgen. Wie viel davon gelingt, ist offen, denn neue Minen und Hütten brauchen Jahre.

Die Preise schwanken stark: Kupfer steht auf Rekord, der Silberpreis hingegen hat sich seit Januar fast halbiert. Das hört sich für viele Anleger erst einmal nicht nach einer großen Gefahr an. Doch der eigentliche Wettbewerb dreht sich nicht primär um die Minenproduktion, sondern um die Verarbeitung, die Lagerung und um internationale Lieferverträge. Wer sie kontrolliert, bestimmt die Bedingungen für KI und Energiewende.

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