Kupfer und Nickel könnten sich in den kommenden zehn Jahren im Preis verdoppeln – ein starkes Signal für Rohstoffinvestoren, die auf strukturelle Versorgungsengpässe setzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des internationalen Finanzdienstleisters Coface. Während Energiewende, Netzausbau, E-Mobilität und der globale Boom von KI-Rechenzentren die Nachfrage massiv antreiben, wächst das weltweite Minenangebot demzufolge deutlich zu langsam. Bis 2035 drohen bei zentralen Industriemetallen Versorgungslücken von durchschnittlich zehn Prozent des Weltbedarfs!
Coface-Prognose: Kupfer und Nickel vor historischer Preisverdopplung
Die Coface-Analysten stützen ihre Ergebnisse auf Daten der London Metal Exchange, der Weltbank und der Internationalen Energieagentur. Hauptursache für den prognostizierten Superzyklus ist ein tiefes Ungleichgewicht zwischen trägem Angebotswachstum und beschleunigtem Verbrauch:
- Träge Förderung: Das Angebot an Kupfer wächst voraussichtlich um lediglich 1,0 % pro Jahr (Nickel: 1,5 %, Aluminium: 0,4 %).
- Starke Nachfrage: Die Basisnachfrage legt jährlich um mindestens 1,8 % zu – unter Annahme strikter Netto-Null-Klimaziele sogar um 2,2 % bei Kupfer und bis zu 4,5 % bei Nickel.
- Massive Kupferlücke: Das Defizit bei raffiniertem Kupfer könnte von 1,5 Millionen auf bis zu 6,5 Millionen Tonnen im Jahr 2035 anwachsen (11 bis 17 % des Weltbedarfs).
- Extremes Nickeldefizit: Vor allem durch die Batterieproduktion droht bei Nickel im Klimaneutralitäts-Szenario eine Versorgungslücke von bis zu 35 %.
Während bei Aluminium vor allem energieintensive Schmelzkapazitäten den Engpass bilden, fehlt es bei Kupfer und Nickel den Analysten zufolge schlicht an ausreichend verfügbaren Erzvorkommen.
15 Jahre Vorlaufzeit und Handelsbarrieren verschärfen den Engpass
Ein kurzfristiger Ausgleich über höhere Marktpreise ist im Bergbausektor kaum möglich. Neue Förderprojekte benötigen von der ersten Entdeckung bis zur kommerziellen Produktion mittlerweile 15 bis 20 Jahre.
Zusätzlich erschwert die geopolitische Fragmentierung die Versorgungslage: Die Zahl der weltweiten Ex- und Importbeschränkungen für mineralische Rohstoffe ist binnen eines Jahrzehnts von 357 auf 1.138 gestiegen. Marcos Carias, Nordamerika-Ökonom bei Coface, betont daher, dass sich Verarbeiter und Industrie auf dauerhaft höhere Metallkosten einstellen müssen.
Für Rohstoffinvestoren schafft dieses Umfeld die Basis für einen mehrjährigen Aufwärtszyklus, in dem bestehende Produzenten und weit fortgeschrittene Entwicklungsprojekte eine erhebliche Preismacht besitzen.
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