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Newmont und Barrick: Rekordmargen treffen auf Rekord-Skepsis

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Newmont und Barrick: Rekordmargen treffen auf Rekord-Skepsis

Newmont und Barrick Mining dürften für das zweite Quartal 2026 zusammen knapp 3,5 Milliarden Dollar Gewinn ausweisen – nach 2,4 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Und das, obwohl der Goldpreis seit dem Januar-Hoch rund ein Viertel verloren hat. Der Widerspruch löst sich in einer Kennzahl auf, die im Tagesgeschäft der Anleger kaum eine Rolle spielt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Durchschnittlicher Goldpreis im zweiten Quartal: rund 4.506 US-Dollar je Unze, etwa 37 Prozent über Vorjahr
  • Newmont und Barrick zusammen: knapp 3,5 Milliarden Dollar Gewinn erwartet (LSEG-Daten)
  • Sektorweit liegen die Q2-Gewinne auf Kurs für rund 50 Prozent Zuwachs
  • Bewertungen folgen bislang nicht – viele Produzenten notieren mit einstelligen bis niedrig zweistelligen KGVs
  • Nächster Kurstreiber: FOMC-Entscheidung am 29. Juli

Wer den Goldsektor in diesem Jahr über den Spotpreis verfolgt hat, blickt auf ein enttäuschendes Halbjahr zurück. Im Januar markierte das Edelmetall bei knapp 5.595 US-Dollar je Unze ein Allzeithoch, seither läuft eine ausgeprägte Korrekturphase. Zuletzt pendelte der Kurs um die Marke von 4.000 bis 4.100 Dollar. Für Minenaktionäre klingt das nach einem verlorenen Jahr.

Die nun anlaufende Berichtssaison für das zweite Quartal erzählt eine andere Geschichte.

Der Durchschnittspreis ist die eigentliche Nachricht

Aktienkurse reagieren auf den Spotpreis. Bilanzen entstehen aus Durchschnittspreisen. Und dieser Durchschnitt fiel im zweiten Quartal außergewöhnlich hoch aus: Der mittlere Goldpreis lag bei rund 4.506 Dollar je Unze und damit etwa 37 Prozent über dem Vorjahresquartal – trotz des Rückgangs von mehr als 14 Prozent gegenüber dem Januar-Rekord.

Das ist der Kern der Sache. Die Korrektur begann von einem extrem hohen Niveau aus, und selbst der Boden dieser Korrektur liegt weit über dem, was die Produzenten in ihre Jahresplanung geschrieben haben. Eine Mine, die auf 3.000 Dollar kalkuliert wurde, verdient bei 4.000 Dollar hervorragend – auch dann, wenn zwischenzeitlich 5.500 möglich waren.

Was das für die Ergebnisse bedeutet, zeigt der Blick auf die beiden Branchenschwergewichte. Newmont und Barrick Mining, die weltweit größten börsennotierten Goldproduzenten, werden nach LSEG-Daten zusammen auf einen Gewinn von knapp 3,5 Milliarden Dollar taxiert – nach 2,4 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Zuwachs von rund 45 Prozent, in einem Quartal, das an der Börse als Schwächephase wahrgenommen wurde.

Der Effekt ist keine Eigenheit der beiden Konzerne. Über den Sektor hinweg liegen die Gewinne im zweiten Quartal 2026 auf Kurs, rund 50 Prozent über dem Vorjahreswert zu landen.

Energiekosten bremsen – aber nicht genug

Die Kostenseite hat sich in diesem Jahr spürbar verschlechtert. Der eskalierte Iran-Konflikt und die daraus folgenden Energiepreise treffen einen Wirtschaftszweig, der zu den energieintensivsten überhaupt zählt: Diesel für die Transportflotte, Strom für Mühlen und Aufbereitung, Sprengstoff, dessen Vorprodukte am Gaspreis hängen. Höhere Energiekosten im Zusammenhang mit dem Krieg dürften einen Teil der Gewinne gekappt haben.

Gemessen an den Planungen der Unternehmen bleibt der Kostendruck dennoch beherrschbar. Die 25 größten Werte im GDX-Index führen für das Gesamtjahr 2026 durchschnittliche AISC-Mittelwerte von 1.703 Dollar je Unze – unterhalb der 1.744 Dollar aus dem ersten Quartal. Viele Produzenten erwarten zudem im zweiten Halbjahr eine höhere Förderung, vor allem durch Erweiterungen und anlaufende neue Minen. Das ist relevant, weil die Stückkosten im Bergbau invers zur Produktionsmenge verlaufen: Je mehr Unzen, desto breiter verteilen sich die hohen Fixkosten.

Stellt man beide Größen nebeneinander – Durchschnittserlös von etwa 4.506 Dollar gegen eine geführte Kostenbasis um 1.700 Dollar –, ergibt sich eine Bruttomarge von rund 2.800 Dollar je Unze. Die Rechnung ist eine Näherung, weil die AISC-Angabe eine Jahresprognose und keine Quartals-Ist-Zahl darstellt. Die Größenordnung dürfte sie dennoch treffen: Selbst nach der schärfsten Korrektur seit Jahren verdienen die Produzenten pro Unze mehr, als das Metall vor drei Jahren insgesamt gekostet hat.

Warum die Bewertungslücke eher größer wird

Bemerkenswert ist, wie wenig sich die Bewertungen bislang bewegt haben. Zahlreiche etablierte Goldproduzenten notieren weiterhin mit KGVs im niedrigen zweistelligen oder sogar einstelligen Bereich.

Diese Kennzahl dürfte in den kommenden Wochen mechanisch weiter sinken. Der Grund ist ein Rolleffekt: Sobald das schwächere zweite Quartal 2025 aus der Zwölfmonatsbetrachtung herausfällt und durch das starke Q2 2026 ersetzt wird, drückt das die nachlaufenden Bewertungsmultiplikatoren zusätzlich nach unten. Anders formuliert: Wenn die Kurse auf dem aktuellen Niveau verharren, werden die Aktien allein durch den Kalender optisch günstiger.

Ob der Markt diese Diskrepanz auflöst, ist eine andere Frage. Die Skepsis speist sich weniger aus den Zahlen als aus der Sorge, das Preisniveau könnte nicht haltbar sein – eine Sorge, die sich derzeit vor allem an der US-Geldpolitik festmacht.

Was der Cashflow im Junior-Segment auslöst

Für Explorationsunternehmen ist die Berichtssaison der Produzenten mehr als eine Randnotiz. Volle Kassen bei den Großen verändern deren Verhalten am Markt für Projekte. Das Volumen an Übernahmen im Goldsektor liegt 2026 bereits bei rund 7,9 Milliarden Dollar über vier größere Transaktionen – ein Hinweis darauf, dass Produzenten für Größe, Distriktkontrolle und sichere Jurisdiktionen zu zahlen bereit sind.

Parallel bleibt das Finanzierungsfenster für Juniors geöffnet, obwohl der Metallpreis korrigiert. PJX Resources schloss in dieser Woche die zweite Tranche einer Privatplatzierung über insgesamt 6,3 Millionen Dollar ab. Pacific Empire Minerals hatte sein Angebot Mitte Juli wegen starker Investorennachfrage sogar aufgestockt. Beides sind Einzelfälle und kein Marktindikator – aber sie passen nicht zu dem Bild eines austrocknenden Kapitalmarktes, das die Kursentwicklung vieler Explorer nahelegt.

FOMC am 29. Juli setzt den Ton

Die entscheidende Weichenstellung für die zweite Jahreshälfte fällt nicht in den Quartalsberichten, sondern in Washington. Am 28. und 29. Juli tagt das FOMC, die Entscheidung wird am Mittwoch um 20:00 Uhr MESZ veröffentlicht, die Pressekonferenz beginnt eine halbe Stunde später. Neue Projektionen stehen nicht an – im Fokus steht deshalb allein die Frage, ob Fed-Chef Kevin Warsh die Option einer Zinserhöhung im September ausdrücklich offenhält.

Für die Produzenten gilt dabei eine unbequeme Asymmetrie: Ihre Ergebnisse für das abgelaufene Quartal stehen fest, ihre Bewertung hängt an einer Zinsentscheidung, auf die sie keinen Einfluss haben. Wer den Sektor über die Fundamentaldaten spielt, findet in den kommenden Wochen eine ungewöhnlich klare Datenlage vor. Wer auf die kurzfristige Kursreaktion setzt, sollte den Mittwochabend im Kalender haben.

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