Der Silberpreis hat sich zuletzt in einer engen Spanne zwischen 78 und 80 US-Dollar je Unze eingerichtet. Doch während der Markt damit zunächst Stabilität signalisiert, mahnt die Commerzbank zur Vorsicht: Nach Einschätzung der Bank liegt der faire Wert von Silber eher in der Nähe von 40 US-Dollar als auf dem aktuellen Niveau. Gleichzeitig rechnet das Institut nicht mit einem schnellen Ende des Aufwärtstrends. Der Grund liegt weniger in den klassischen Fundamentaldaten von Silber selbst, sondern vor allem in der engen Kopplung an Gold.
Silberpreis wird stark vom Goldpreis getragen
Thu Lan Nguyen, Leiterin der Devisen- und Rohstoffanalyse bei der Commerzbank, sieht einem Bericht von Kitco News zufolge den jüngsten Anstieg des Silberpreises vor allem als Folge der Entwicklung des Goldpreises. Silber sei demnach weniger durch ökonomische Faktoren wie Anleiherenditen oder den US-Dollar getrieben worden, sondern stark durch die Dynamik des gelben Metalls. Aus Sicht der Analystin hatte Silber gegenüber Gold zuvor eine Unterbewertung aufgebaut, die sich mit der jüngsten Bewegung nun teilweise abgebaut hat.
Das erklärt, warum der Silberpreis trotz einer aus Sicht der Commerzbank eigenständigen Überbewertung weiterhin hoch bleiben kann. Wird Gold ausdrücklich in ein Bewertungsmodell einbezogen, passt der geschätzte faire Wert von Silber deutlich besser zum tatsächlichen Preisverlauf. Ohne diesen Goldfaktor fällt die Bewertung hingegen wesentlich niedriger aus. Genau hier liegt die Spannung im aktuellen Markt: Silber erscheint isoliert betrachtet teuer, folgt aber einem Goldmarkt, der weiterhin starke Unterstützung erhält.
Commerzbank sieht fundamentale Lücke bei Silber
Die Commerzbank hält Silber auf Basis eigener Fundamentaldaten für überbewertet. Nguyen verweist darauf, dass der faire Wert des Metalls näher bei 40 US-Dollar je Unze liegen könnte. Daraus ergibt sich ein Bewertungsrisiko, falls der Goldpreis seine tragende Rolle verlieren oder sich das makroökonomische Umfeld verändern sollte.
Gleichzeitig geht die Bank nicht davon aus, dass diese Diskrepanz kurzfristig vollständig geschlossen wird. Gold bleibt nach Einschätzung der Commerzbank als sicherer Hafen gefragt. Besonders robuste Zentralbanknachfrage stützt das Metall, weil Gold als neutrales und politisch unabhängiges monetäres Asset betrachtet wird. Diese Funktion wirkt indirekt auch auf Silber, das von der Stärke des Goldpreises mitgezogen wird.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Entwicklung seit Ausbruch des Iran-Kriegs. Nguyen stellt fest, dass der von der Commerzbank geschätzte Modellwert ohne Gold zuletzt relativ stabil geblieben sei und eine geringere Korrektur angezeigt habe, als tatsächlich im Silberpreis zu beobachten war. Ein Teil der Überbewertung wurde damit bereits abgebaut. Dennoch bleibt laut Commerzbank eine erhebliche Differenz bestehen, die mit der weiterhin hohen Bewertung von Gold zusammenhängt.
Gold als sicherer Hafen bleibt entscheidend
Auch wenn Gold in den vergangenen Wochen Schwierigkeiten hatte, sieht die Commerzbank dessen Rolle als sicherer Hafen nicht beschädigt. Das Edelmetall diente zeitweise als Liquiditätsquelle für Zentralbanken und Investoren, verlor dadurch aus Sicht der Bank aber nicht seine grundsätzliche Attraktivität in einem Umfeld erhöhter geopolitischer Unsicherheit.
Für den Silberpreis ist das entscheidend. Solange Gold hoch bewertet bleibt und als Absicherung gegen Risiken gefragt ist, dürfte auch Silber Unterstützung erhalten. Diese Einschätzung erklärt, weshalb die Bank trotz der fundamentalen Bewertungsbedenken insgesamt konstruktiv bleibt. Silber mag nach eigenständigen Maßstäben teuer erscheinen, doch die übergeordnete Edelmetallnachfrage, geopolitische Unsicherheit und die Rolle von Gold als Reserve- und Sicherheitsasset verhindern bislang eine stärkere Normalisierung.
Zinssenkungen könnten Silber weiter stützen
Trotz ihrer Warnung vor einer möglichen Überbewertung hat die Commerzbank ihre Preisprognosen für Gold und Silber zuletzt angehoben. Das Institut erwartet, dass die US-Notenbank Federal Reserve in der zweiten Jahreshälfte die Zinsen senken wird. Ein solches Umfeld könnte Gold wieder über die Marke von 5.000 US-Dollar je Unze führen.
Höhere Goldpreise würden nach Einschätzung der Commerzbank auch den Silberpreis weiter nach oben ziehen. Die Bank rechnet damit, dass Silber in einem solchen Szenario auf 90 US-Dollar je Unze steigen könnte. Damit bleibt die Prognose klar oberhalb des aktuellen Handelsbereichs von 78 bis 80 US-Dollar, auch wenn das Institut gleichzeitig auf die fundamentale Bewertungsdifferenz verweist.
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