Raumfahrt und Rohstoffe – Teil 5
Je knapper und teurer manche Rohstoffe auf der Erde werden, desto mehr rückt eine alte Science-Fiction-Idee in den Bereich des technisch Denkbaren: der Abbau von Rohstoffen direkt im Weltraum. Sowohl Raumfahrtagenturen als auch private Unternehmen befassen sich deshalb inzwischen ernsthaft mit dem sogenannten Asteroidenbergbau. Diese Aufmerksamkeit führt zwangsläufig zu der Frage, welche Rohstoffe überhaupt in den Asteroiden stecken.
Bestimmte Asteroiden gelten als potenziell reich an Platingruppenmetallen wie Platin, Palladium und Rhodium. Auf der Erde sind diese Edelmetalle selten, aufwendig zu fördern und entsprechend teuer. Eingesetzt werden sie in Katalysatoren, in der klassischen Elektrotechnik und zahlreichen Hightech-Anwendungen. Aus diesen Branchen ist die Nachfrage durchaus hoch, was nicht nur die Preise treibt, sondern auch die Gedanken innerhalb der Industrie zwangsläufig in Richtung Weltraum lenkt.
Andere Asteroiden bestehen größtenteils aus Eisen, Nickel und Kobalt, die sich grundsätzlich direkt im All zu Baumaterial für Raumstationen, Fahrzeuge und weitere Infrastruktur verarbeiten ließen. Dies würde den kostspieligen Transport schwerer Rohstoffe von der Erde ins All überflüssig machen.
Besonders wertvoll könnte zudem Wassereis sein, das sich in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten lässt und damit als Rohstoff für Raketentreibstoff dienen könnte. In diesem Fall gäbe es im Prinzip eine Tankstelle für Raketen und andere nach Wasserstoff dürstende Antriebe mitten im All.
Warum es noch keine Fördermenge gibt
So verlockend das Konzept klingt, so weit ist die praktische Umsetzung noch entfernt. Die notwendige Robotik und Automatisierungstechnik für Abbau, Verarbeitung und Transport unter den Bedingungen extrem geringer Schwerkraft steckt technisch noch in einem frühen Stadium.
Hinzu kommen enorme Vorlaufkosten für Technologieentwicklung, Trägerraketen und Infrastruktur, die sich bislang durch keinerlei laufende Fördererlöse refinanzieren lassen. Mehrere private Unternehmen, die sich in den 2010er-Jahren auf den Asteroidenbergbau spezialisiert hatten, mussten ihre Pläne mangels Finanzierung bereits wieder aufgeben oder grundlegend umbauen.
Ein langfristiges Projekt
Realistisch dürfte der Weltraumbergbau deshalb noch für längere Zeit ein Forschungs- und Technologiefeld bleiben statt einer unmittelbar einsatzbereiten Industrie. Entscheidend für den späteren Erfolg werden sinkende Startkosten, weitere Fortschritte in der Robotik sowie Partnerschaften zwischen Raumfahrtagenturen und privaten Investoren sein, um die hohen Anfangsrisiken gemeinsam zu tragen. Gelingt der Durchbruch, könnte Weltraumbergbau langfristig tatsächlich zu einer der Optionen werden, mit denen sich die Rohstoffknappheit auf der Erde entschärfen lässt.
Offen bleibt daneben eine ganz grundsätzliche Frage: Wem gehören Rohstoffe, die auf einem Asteroiden oder dem Mond gefördert werden? Der internationale Weltraumvertrag von 1967 untersagt zwar staatliche Eigentumsansprüche an Himmelskörpern, äußert sich zur kommerziellen Rohstoffgewinnung durch private Unternehmen aber nicht eindeutig.
Mehrere Staaten, darunter die USA und Luxemburg, haben deshalb inzwischen eigene nationale Gesetze erlassen, die Unternehmen Eigentumsrechte an im All gewonnenen Rohstoffen zusichern. Damit wurde eine rechtliche Grauzone geschaffen, die international noch lange nicht abschließend geklärt ist und die künftige Investitionsentscheidungen in dieser Branche mindestens ebenso stark prägen dürfte wie die rein technischen Hürden.
Aktuelle Preise und Nachfrage
Ein Blick auf die irdischen Preise zeigt, warum Asteroidenbergbau wirtschaftlich überhaupt attraktiv erscheint. Platin kostete Ende September rund 1.758 US-Dollar je Feinunze, Palladium etwa 1.270 US-Dollar, Rhodium sogar mehr als 8.380 US-Dollar. Bei allen drei Platingruppenmetallen ist die begrenzte irdische Förderung, konzentriert auf einige wenige Länder wie Südafrika und Russland, für einen Großteil des hohen Preises verantwortlich.
Auch die Industriemetalle Nickel und Kobalt, die in eisen- und nickelreichen Asteroiden reichlich vorhanden sein könnten, notierten zuletzt bei rund 16.870 beziehungsweise über 30.000 US-Dollar je Tonne. Sollte sich Asteroidenbergbau tatsächlich einmal wirtschaftlich rechnen, würde ein signifikanter zusätzlicher Angebotsstrom dieser Metalle die heutigen, von irdischer Knappheit geprägten Preisstrukturen grundlegend verändern. Wie stark diese Veränderungen ausfallen werden, lässt sich beim heutigen Entwicklungsstand allerdings noch nicht seriös beziffern.
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