Der Goldpreis ist unter die Marke von 4.300 US-Dollar gerutscht und notierte zuletzt bei rund 4.257 US-Dollar je Unze. Ein stärkerer US-Dollar und weiterhin hohe Anleiherenditen setzen dem Edelmetall nach der jüngsten Zinserhöhung der US-Notenbank zu. Dennoch sieht BMO Capital Markets im Marktbild keine einfache Schwächephase, sondern eine bemerkenswerte Widerstandskraft: Investoren, Zentralbanken und physische Käufer sorgen weiter für Nachfrage, obwohl die Opportunitätskosten für Gold steigen.
Stabilität trotz steigender Renditen
Seit der Sitzung der Federal Reserve haben sowohl der US-Dollar als auch die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen deutlich angezogen. Für Gold ist das normalerweise ein schwieriges Umfeld, da höhere Renditen zinslose Anlagen weniger attraktiv erscheinen lassen. Hinzu kommt, dass BMO Economics vor Jahresende eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte erwartet.
Trotzdem verweist BMO darauf, dass Gold nach dem Rückgang im Vorfeld der Zinserhöhung relativ stabil zwischen 4.300 und 4.400 US-Dollar gehandelt wurde. Gerade diese Stabilität wertet die Bank als Hinweis darauf, dass sich die traditionelle Beziehung zwischen Gold und Anleiherenditen weiter abschwächt.
Nach Einschätzung der Analysten wirken spekulative Nachfrage und Käufe offizieller Stellen zunehmend als Gegengewicht zu steigenden Finanzierungskosten. Gold werde damit weniger ausschließlich über Realzinsen und Renditen bewertet, sondern stärker über Absicherungsmotive, Währungsrisiken und Sorgen um die Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen.
Physische Nachfrage und ETF-Zuflüsse stützen den Markt
Neben der makroökonomischen Gemengelage sieht BMO auch im physischen Markt und bei der Investmentnachfrage neue Unterstützung.
- ETF-Zuflüsse: Globale goldgedeckte ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse von 4,2 Mrd. US-Dollar (Nordamerika: 2,2 Mrd. USD, Europa: 1,1 Mrd. USD, China: 637 Mio. USD).
- Indien: Im zweitgrößten Gold-Konsumentenland der Welt bleibt die Nachfrage trotz historisch hoher Preise vor der Fest- und Hochzeitssaison robust. Ein verringerter Preisabschlag gegenüber London signalisiert eine steigende physische Nachfrage.
- China: Die Nettoimporte von nicht-monetärem Gold stiegen im August gegenüber dem Vorjahr um 48 Prozent auf 124,5 Tonnen. Auch die Investmentnachfrage zieht an: Chinesische Gold-ETFs bauten ihre Bestände bis August um rund 44 Tonnen aus.
Trotz der robusten Nachfrage bleibt BMO kurzfristig vorsichtig, weil die Geldpolitik restriktiver wird. Im Juni hatte die Bank ihre Prognose gesenkt und für die zweite Jahreshälfte 2026 einen durchschnittlichen Goldpreis von 4.625 US-Dollar je Unze erwartet. Gleichzeitig rechnet BMO weiterhin damit, dass Gold im ersten Quartal 2027 wieder über 5.000 US-Dollar steigen kann.
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