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World Gold Council: Goldnachfrage nahe Rekordniveau, Zentralbanken kaufen 321 Tonnen, ETFs boomen

5 Min.
World Gold Council: Goldnachfrage nahe Rekordniveau, Zentralbanken kaufen 321 Tonnen, ETFs boomen

Der weltweite Goldmarkt zeigte in den ersten neun Monaten 2026 eine bemerkenswerte Entwicklung: Während hohe Preise die Nachfrage nach Schmuck und Goldbarren bremsten, kauften Zentralbanken und Gold-ETFs weiterhin große Mengen des Edelmetalls.

Nach dem aktuellen Gold Demand Trends-Berichts des World Gold Council erreichte die globale Goldnachfrage im dritten Quartal 2026 rund 1.369 Tonnen. Damit lag sie nur ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Besonders auffällig sind die massiven Käufe der Zentralbanken von 321 Tonnen und die Rückkehr institutioneller Investoren in goldgedeckte ETFs. Gleichzeitig geht das Angebot trotz einer Rekordförderung der Minen leicht zurück.

In den ersten neun Monaten des Jahres summierte sich die weltweite Goldnachfrage einschließlich außerbörslicher Transaktionen auf 3.881 Tonnen. Damit wurde der Rekordwert des Vorjahres von 3.884 Tonnen nahezu erreicht. Der Wert der bisherigen Nachfrage stellte dabei mit 566 Milliarden US-Dollar sogar einen neuen Höchststand dar.

Der durchschnittliche Goldpreis lag im dritten Quartal bei 4.262 US-Dollar je Feinunze und damit 23 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Goldnachfrage: Zentralbanken und Gold-ETFs bleiben entscheidende Käufer

Die stärkste Entwicklung zeigte sich bei den Zentralbanken. Ihre Nettokäufe stiegen im dritten Quartal auf 321 Tonnen, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit übertrafen sie auch den durchschnittlichen Quartalswert der vergangenen fünf Jahre von 227 Tonnen deutlich. Seit Jahresbeginn summieren sich die offiziellen Goldkäufe auf 675 Tonnen, sechs Prozent mehr als im entsprechenden Zeitraum 2025.

Besonders aktiv waren China und Polen. Die chinesische Zentralbank stockte ihre Reserven im dritten Quartal um 63 Tonnen auf, Polen kaufte weitere 40 Tonnen. Zusammen entfielen auf beide Länder rund 86 Prozent der offiziell gemeldeten Nettokäufe.

Bemerkenswert ist allerdings die Differenz zwischen veröffentlichten Transaktionen und geschätzter Gesamtnachfrage. Während die gemeldeten Nettokäufe lediglich 120 Tonnen erreichten, beziffert der World Gold Council die tatsächliche Nachfrage auf 321 Tonnen. Rund 63 Prozent der Aktivitäten wurden demnach nicht unmittelbar auf Länderebene offengelegt.

Neben den Zentralbanken sorgten Gold-ETFs für zusätzliche Nachfrage. Nach Abflüssen im zweiten Quartal verzeichneten physisch besicherte Fonds zwischen Juli und September Zuflüsse von 211 Tonnen. Ihr weltweiter Goldbestand erreichte damit den Rekordwert von 4.256 Tonnen. Auch finanziell war das Quartal außergewöhnlich: Anleger investierten netto rund 31 Milliarden US-Dollar in Gold-ETFs – ein neuer Höchstwert.

Europa führte die Entwicklung mit 92 Tonnen an, darunter 53 Tonnen in Großbritannien und 13 Tonnen in Deutschland. Nordamerikanische Fonds verzeichneten Zuflüsse von 81 Tonnen, asiatische ETFs weitere 34 Tonnen. Nach Einschätzung des World Gold Council stärkten insbesondere Sorgen um die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen, Inflationsrisiken und Unsicherheiten an den Anleihemärkten die Attraktivität von Gold.

Goldbarren und Schmuck verlieren – China setzt eigenen Trend

Deutlich zurückhaltender zeigten sich dagegen private Käufer von Goldbarren und Münzen. Die weltweite Nachfrage sank im dritten Quartal um 19 Prozent auf 268 Tonnen und erreichte damit den niedrigsten Quartalswert seit vier Jahren. Dennoch bleibt die längerfristige Entwicklung stark: Von Januar bis September wurden insgesamt 1.053 Tonnen nachgefragt, das höchste Volumen für diesen Zeitraum seit 2013.

Regional zeigen sich dabei erhebliche Unterschiede. In China stieg die Nachfrage nach Barren und Münzen gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent auf 79 Tonnen. Seit Jahresbeginn erreichten die Käufe dort mit 393 Tonnen sogar einen neuen Rekord.

Indien verzeichnete dagegen einen Rückgang um 40 Prozent auf 55 Tonnen. In Deutschland fiel die Nachfrage um 20 Prozent auf 7,8 Tonnen, während amerikanische Anleger ihre Käufe ebenfalls um 40 Prozent auf rund acht Tonnen reduzierten.

Noch stärker beeinträchtigen die hohen Preise den Schmuckmarkt. Der weltweite Goldschmuckverbrauch sank um 17 Prozent auf 313 Tonnen. Es war das schwächste dritte Quartal seit Beginn der entsprechenden Datenreihe im Jahr 2000. Besonders ausgeprägt war der Rückgang in China mit 22 Prozent und Indien mit 20 Prozent.

Trotz sinkender Absatzmengen stieg der weltweite Wert der Goldschmucknachfrage um zwei Prozent auf 43 Milliarden Dollar. Verbraucher greifen zunehmend zu leichteren Schmuckstücken und Produkten mit geringerem Goldgehalt.

Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich bei industriellen Anwendungen. Der Goldverbrauch im Technologiesektor erhöhte sich um drei Prozent auf knapp 85 Tonnen. Allein die Elektronikindustrie benötigte 72,5 Tonnen, fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Wesentlicher Wachstumstreiber sind Investitionen in künstliche Intelligenz, Rechenzentren und leistungsfähige Halbleiter. Sie kompensierten Einsparungen und die zunehmende Verwendung alternativer Materialien in anderen Elektronikbereichen.

Goldproduktion auf Rekordniveau – Recyclingangebot fällt dennoch

Auf der Angebotsseite erreichte die weltweite Goldminenproduktion im dritten Quartal einen Rekordwert von 1.071 Tonnen. Das entspricht einem Anstieg um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders deutlich legte die Förderung in Kanada um 22 Prozent, in Indonesien um 21 Prozent und in Chile um 19 Prozent zu. Dagegen ging die Produktion unter anderem in Australien und den USA zurück.

Trotz der Rekordförderung sank das gesamte Goldangebot um ein Prozent auf 1.369 Tonnen. Verantwortlich war insbesondere das Recycling: Die zurückgewonnene Goldmenge fiel um acht Prozent auf rund 314 Tonnen und damit auf den niedrigsten Quartalswert seit Ende 2023.

Auch höhere Produktionskosten belasten den Bergbausektor. Die durchschnittlichen nachhaltigen Gesamtkosten (AISC) der Goldminen erreichten im zweiten Quartal 2026 einen Rekordwert von 1.930 Dollar je Unze, ein Anstieg von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für das Gesamtjahr erwartet der World Gold Council dennoch einen neuen Förderrekord. Das zusätzliche Minenangebot dürfte allerdings durch schwaches Recycling weitgehend ausgeglichen werden.

Auf der Nachfrageseite rechnet die Organisation damit, dass die Zentralbanken mindestens so viel Gold kaufen wie 2025. Die Investmentnachfrage soll das Vorjahresniveau um rund 200 Tonnen übertreffen.

Entscheidend bleiben die gegenläufigen makroökonomischen Einflüsse: Höhere Zinsen, Anleiherenditen und ein stärkerer Dollar könnten Gold belasten. Fiskalische Unsicherheiten, geopolitische Risiken und mögliche Spannungen an den Finanzmärkten dürften die Nachfrage dagegen weiterhin unterstützen.

Damit bleibt die Entwicklung des Goldmarktes von einem grundlegenden Gegensatz geprägt: Während hohe Preise traditionelle Käufer zunehmend abschrecken, sichern Zentralbanken und Finanzinvestoren einen erheblichen Teil der weltweiten Nachfrage.

Den vollständigen Gold Demand Trends-Bericht des WGC finden Sie auf Englisch hier:

Gold Demand Trends: Q3 2026

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