Gold und Silber sind nach der überraschend restriktiven Rede von Fed-Chairman Kevin Warsh in eine entscheidende Korrekturphase geraten. Gold fiel unter die Marke von 4.500 und nun auch 4.400 US-Dollar je Unze, während Silber die Unterstützung im Bereich von 65 US-Dollar testet. Nach Einschätzung von Experten bedeutet dieser geldpolitische Gegenwind jedoch keineswegs das Ende des übergeordneten Aufwärtstrends.
Makro-Dilemma der Fed stützt Gold trotz Zinssorgen
Auslöser der jüngsten Volatilität war Warshs Auftritt beim Notenbankensymposium in Jackson Hole. Mit seiner klaren Ansage, die Inflation konsequent auf das Zwei-Prozent-Ziel zu drücken, stieg die am Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine US-Zinserhöhung im September schlagartig auf knapp 57 Prozent. Der erstarkende US-Dollar und steigende Realrenditen setzten die zinslosen Edelmetalle daraufhin umgehend unter Verkaufsdruck.
Marktbeobachter werteten die Bewegung aber vorerst als gesunde Anpassung der Zinserwartungen und nicht als fundamentale Trendwende. Gold befindet sich weiterhin in einem Spannungsfeld: Einerseits belasten hohe Zinsen kurzfristig die Notierung. Andererseits stehen die USA und insbesondere die Fed vor einem geldpolitischen Dilemma: Höhere Finanzierungskosten zur Inflationsbekämpfung verschärfen die ohnehin kritische Lage der US-Staatsfinanzen. Solange geopolitische Risiken, hohe Staatsschulden und fiskalische Unsicherheiten fortbestehen, bleibt die Nachfrage nach Gold als sicherer Hafen strukturell ungestört.
Sollten sich die Treasury-Renditen auf diesem Niveau stabilisieren oder wieder nachgeben, dürfte sich die Investmentnachfrage rasch wieder festigen, hieß es.
Silber vor Schlüsseltest bei 66 US-Dollar
Während Gold zwischen Zinsangst und Schuldenberg schwankt, steht Silber vor einer klaren charttechnischen Standortbestimmung. Nach einem zweimonatigen Höchststand von über 70 US-Dollar führte eine Welle von Gewinnmitnahmen den Kurs steil nach unten in Richtung der 66- bzw. 65-Dollar-Marke.
Verteidigen die Bullen diese Unterstützung und führen Silber zurück über 68 beziehungsweise 70 US-Dollar, würde der Rücksetzer als marktübliche Korrektur innerhalb einer intakten Rallye bestätigt. Ein nachhaltiger Bruch nach unten – verstärkt durch Ölpreise nahe 90 US-Dollar und Spannungen im Nahen Osten – könnte hingegen eine tiefere Bereinigung einleiten. Für Investoren bleibt das Umfeld volatil, bis die anstehenden US-Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten mehr Klarheit über den Kurs der Federal Reserve liefern.
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