Zum Hauptinhalt springen
GOLDINVEST

Gold-Rallye gestartet: Was bedeutet Jackson Hole für den Kurs?

4 Min.
Gold-Rallye gestartet: Was bedeutet Jackson Hole für den Kurs?

Der Goldpreis hat zuletzt kräftig zugelegt und die Marke von 4.600 US-Dollar je Unze überschritten. Getrieben wird die Aufwärtsbewegung von einer wiederbelebten Investmentnachfrage und wachsenden Sorgen um die fiskalische Lage der USA. Doch hartnäckige Inflation und die Aussicht auf mögliche Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed sprechen dafür, dass der weitere Weg nach oben alles andere als geradlinig verlaufen dürfte. Das ist die Einschätzung von Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei der niederländischen Großbank ING.

Fiskalische Risiken geben neuen Schwung

In ihrer aktuellen Analyse verweist Manthey darauf, dass fiskalische Risiken dem Goldpreis frischen Auftrieb verliehen hätten. Auslöser des jüngsten Anstiegs sei die Entscheidung des US-Finanzministeriums gewesen, seine Käufe langlaufender Staatsanleihen auszuweiten. Das maximale Volumen der Rückkaufoperationen im Segment der zehn- bis dreißigjährigen Papiere soll von 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar steigen – und Finanzminister Scott Bessent habe signalisiert, dass das Programm noch weiter ausgebaut werden könnte.

Interessant ist dabei laut Manthey, dass der Effekt am Anleihemarkt nur von kurzer Dauer war: Die langfristigen Renditen holten den überwiegenden Teil ihres Rückgangs rasch wieder auf. Gold hingegen blieb fest. Für die ING-Strategin ist genau das ein wichtiges Signal: Die Widerstandsfähigkeit des Edelmetalls zeige, dass die Rally nicht bloß eine Reaktion auf niedrigere Renditen sei.

„Die Aussicht auf größere Anleiherückkäufe hat die Aufmerksamkeit wieder auf die staatliche Verschuldung und die fiskalische Glaubwürdigkeit gelenkt", schreibt Manthey. Zugleich seien die Sorgen vor einer Geldentwertung (Currency Debasement) neu entfacht worden – ein Umfeld, das Golds Rolle als Wertaufbewahrungsmittel stärke.

ETF-Nachfrage kehrt zurück

Zur Erholung tragen laut ING auch ein erneut schwächerer US-Dollar sowie niedrigere kurzfristige Renditen bei. Schwächere US-Konjunkturdaten hätten zudem die Erwartung wiederbelebt, dass die Fed 2027 mit Zinssenkungen beginnen könnte.

Ein weiteres positives Signal sieht Manthey in der wieder anziehenden ETF-Nachfrage. Nach Daten des World Gold Council zogen global mit Gold hinterlegte ETFs im Juli rund 3 Milliarden US-Dollar an, was die Bestände um 23 Tonnen erhöhte. Diese Erholung habe sich im August fortgesetzt: Von Bloomberg erfasste Fonds legten allein an einem einzigen Donnerstag rund 18 Tonnen zu – die stärkste Tagesakkumulation seit fast einem Jahr.

Notenbanken bleiben verlässliche Käufer

Stabilität kam während der monatelangen Konsolidierungsphase auch von der Nachfrageseite der Zentralbanken. Die gemeldeten Nettokäufe erreichten im Juni 51 Tonnen, womit sich das Gesamtvolumen im ersten Halbjahr auf 102 Tonnen summierte. Angeführt wurden die Käufe von Polen und China.

ING erwartet, dass die Käufe des offiziellen Sektors den Markt weiterhin stützen. Für weitere Kursgewinne sei jedoch zunehmend entscheidend, ob westliche Investoren ihr neu erwachtes Interesse an Gold aufrechterhalten.

Inflation als größter Gegenwind

Die noch junge Rally steht allerdings vor Hürden – allen voran die Inflationssorgen. Steigende Energiepreise erhöhten den Preisdruck in den USA und könnten die Geldpolitik länger restriktiv halten, warnt Manthey. Das Protokoll der Fed-Sitzung vom Juli habe gezeigt, dass einige Notenbanker eine unmittelbare Zinserhöhung befürworteten, während andere bereit gewesen seien, weitere Straffungen zu unterstützen, sollte die Inflation erhöht bleiben.

Als wichtigen Fokus für die Märkte nennt die Strategin das jährliche Notenbank-Symposium der Fed in Jackson Hole, das heute beginnt. Jeder Hinweis darauf, dass die Währungshüter zunehmend bereit seien, die Zinsen anzuheben, könnte Renditen und Dollar nach oben treiben – ein Belastungsfaktor für Gold. Ein stärkerer Fokus auf Wachstum oder Finanzstabilität wäre hingegen unterstützend.

Aufwärtsrisiken für die Prognose steigen

Die ING sieht aber wachsende Aufwärtsrisiken für ihre Goldprognose zum Jahresende. Die aktuelle Erwartung eines durchschnittlichen Preises von 4.150 US-Dollar je Unze im vierten Quartal beruht auf der Annahme, dass die hartnäckige Inflation die US-Geldpolitik restriktiv hält und einen nachhaltigen Rückgang der Renditen verhindert.

„Erneute ETF-Käufe, ein schwächerer Dollar und zunehmende fiskalische Sorgen schaffen jedoch immer klarere Aufwärtsrisiken für unseren Ausblick", so Manthey. Die Korrektur beim Goldpreis scheine einen Boden gefunden zu haben. Die wiederbelebte ETF-Nachfrage und die Widerstandsfähigkeit trotz erhöhter Renditen deuteten darauf hin, dass die Erholung auf festerem Fundament stehe. Ob es zu weiteren Gewinnen komme, hänge letztlich davon ab, ob die Investmentnachfrage weiter zunehme – und wie die Fed auf die anhaltende Inflation reagiere.

Keine Rohstoff-Chance mehr verpassen

Exklusive Updates zu Gold, Kupfer & Co. – wöchentlich, kostenlos.

Disclaimer

I. Informationsfunktion und Haftungsausschluss: Die GOLDINVEST Consulting GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Analysen und Nachrichten auf www.goldinvest.de zu veröffentlichen. Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle, fachkundige Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Finanzanalysen oder Verkaufsangebote, noch liegt eine Handlungsaufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren vor. Entscheidungen, die auf Basis der veröffentlichten Informationen getroffen werden, erfolgen vollständig auf eigene Gefahr. Zwischen der GOLDINVEST Consulting GmbH und den Lesern bzw. Nutzern entsteht kein vertragliches Verhältnis, da sich unsere Informationen ausschließlich auf das Unternehmen und nicht auf persönliche Anlageentscheidungen beziehen.

II. Risikoaufklärung: Der Erwerb von Wertpapieren birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt die GOLDINVEST Consulting GmbH und ihre Autoren keine Haftung für Vermögensschäden oder die inhaltliche Garantie bezüglich Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der veröffentlichten Informationen. Bitte beachten Sie auch unsere weiteren Nutzungshinweise.

III. Interessenkonflikte: Gemäß §34b WpHG und §48f Abs. 5 BörseG (Österreich) weisen wir darauf hin, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH sowie ihre Partner, Auftraggeber oder Mitarbeiter Aktien der oben genannten Unternehmen halten. Zudem besteht ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag zwischen diesen Unternehmen und der GOLDINVEST Consulting GmbH, und es ist möglich, dass die GOLDINVEST Consulting GmbH jederzeit Aktien dieser Unternehmen kauft oder verkauft. Diese Umstände können zu Interessenkonflikten führen, da die oben genannten Unternehmen die GOLDINVEST Consulting GmbH für die Berichterstattung entlohnen.

IV. Einsatz von KI-gestützten Systemen: Bei der Erstellung von Beiträgen können KI-gestützte Systeme zur Unterstützung von Recherche, Strukturierung oder sprachlicher Optimierung eingesetzt werden. Sämtliche Inhalte werden vor Veröffentlichung redaktionell geprüft und verantwortet.