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Gold und Silber in der Rezession: Wie reagieren die Wertmetalle wirklich?

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Gold und Silber in der Rezession: Wie reagieren die Wertmetalle wirklich?

Sobald die Konjunktur schwächelt, richtet sich der Blick vieler Anleger reflexhaft auf die Edelmetalle Gold und Silber in ihrer Funktion als Krisenmetalle. Doch die Realität ist komplexer als das simple Bild vom „sicheren Hafen“. Beide Metalle folgen in wirtschaftlichen Abschwungphasen durchaus unterschiedlichen Mustern und wer als Anleger diese kennt, kann sein Portfolio gezielter ausrichten.

Paradoxerweise fallen die Preise von Gold und vor allem Silber zu Beginn schwerer Krisen häufig zunächst selbst. Der Grund liegt nicht in mangelndem Vertrauen in die beiden Edelmetalle, sondern in der schlichten Notwendigkeit von Anlegern und Institutionen, sich rasch Liquidität zu beschaffen.

Die Geschichte zeigt: Gerade am Anfang einer Krise zählt Liquidität mehr als der dauerhafte Werterhalt

Im Herbst 2008, als die Finanzkrise zum beherrschenden Thema wurde, rutschte der Goldpreis von knapp 1.000 auf rund 700 US-Dollar ab, bevor er sich bereits bis zum Jahresende wieder erholte und in der Folge neue Höchststände erreichte. Silber traf es damals deutlich härter. Sein Preis brach von rund 21 auf unter neun US-Dollar ein und vollzog damit einen kurzfristigen Rückgang von mehr als 50 Prozent, während das Gold gleichzeitig „nur“ etwa zwölf Prozent seines Werts verlor.

Dieses Muster wiederholte sich auch im März 2020, beim Ausbruch der Corona-Pandemie. Nicht nur die Preise beider Edelmetalle gaben zu Beginn der Krise deutlich nach, auch die höhere Volatilität des Silbers machte sich erneut spürbar bemerkbar, denn Silber fiel binnen wenigen Wochen von rund 18 auf zwölf US-Dollar. Gold gab hingegen deutlich moderater nach.

Immer wieder zu beobachten ist nicht nur, dass die Notwendigkeit, schnell Liquidität zu beschaffen, auch die Preise von Gold und Silber deutlich fallen lässt. Auch die Quintessenz dieser Entwicklung lässt sich in vielen Krisen immer wieder beobachten und dennoch lassen sich viele Anleger immer wieder von den ersten Marktreaktionen in die Irre führen. Aber am Ende mussten die Investoren immer wieder feststellen, dass wer in diesen Phasen der Panik verkauft hatte, regelmäßig die anschließende Erholung verpasste.

Sobald die Erholung anläuft, schlägt Silber regelmäßig das Gold

Genau an dieser Stelle zeigt sich der zweite, für Anleger entscheidende Effekt: In der Erholungsphase nach einer Rezession outperformt Silber Gold historisch betrachtet deutlich. Nach dem Tief von 2008 legte Silber um rund 400 Prozent zu, Gold „lediglich“ um etwa 170 Prozent. Dieser Effekt beginnt meist in dem Augenblick indem die Notwendigkeit, schnell Liquidität bereitzustellen, für die Mehrheit der Investoren nicht mehr besteht.

Während der Corona-Pandemie war der gleiche Effekt zu beobachten, denn im gesamten Jahr 2020 gewann Silber knapp 48 Prozent an Wert hinzu, während das Gold gut 25 Prozent zulegte.Ein Grund für die bessere Performance des Silbers liegt in seiner Doppelfunktion. Denn während das Gold primär ein monetäres Metall ist, kombiniert das Silber den monetären Effekt mit der industriellen Nachfrage. Das heißt, sobald sich Konjunkturängste beginnen, aufzulösen, kommen beide Nachfragequellen gleichzeitig zurück und treiben die Preise.

Was Gold in der Rezession stützt

Gold profitiert in wirtschaftlichen Abschwungphasen von mehreren Faktoren gleichzeitig. Die Notenbanken senken in der Regel die Leitzinsen, um die Wirtschaft schnell wieder anzukurbeln, was die Opportunitätskosten des zinslosen Goldbesitzes reduziert.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach einem Vermögenswert ohne Gegenparteirisiko, während das Vertrauen in Aktien, Anleihen und teilweise sogar in Banken schwindet. Eine Untersuchung über sechs große US-Rezessionen zeigt, dass der Goldpreis in fünf Abschwungphasen anstieg, während er nur 1990/91 leicht nachgab.

Die Ausnahme bestätigt an dieser Stelle die Regel: Setzen Notenbanken hingegen konsequent auf Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung, wie zu Beginn der 1980er-Jahre, als die Zinsen in den USA in der Spitze bis auf 20 Prozent anstiegen, gerät auch Gold unter Druck, selbst wenn die Wirtschaft schrumpft.

Die Depression als Extremfall: Die Lehren der 1930er-Jahre

Eine Depression unterscheidet sich von einer gewöhnlichen Rezession durch ihre Tiefe, Dauer und häufig durch eine begleitende Deflation. Während der Großen Depression der 1930er-Jahre war der Goldpreis in den USA offiziell auf 20,67 US-Dollar pro Feinunze fixiert, da praktisch alle großen Volkswirtschaften dem Goldstandard folgten. Der eigentliche Werterhalt von Gold zeigte sich daher nicht im Preis, sondern in seiner Kaufkraft: Während die allgemeinen Preise um rund 24 Prozent fielen, blieb der Goldwert nominal konstant, sodass das Gold real deutlich an Kaufkraft gewann.

Im Jahr 1934 hob US-Präsident Franklin D. Roosevelt den offiziellen Goldpreis per Erlass auf 35 US-Dollar an. Dies entsprach einer Aufwertung über Nacht um 69 Prozent, die jedoch keiner allgemeinen Marktbewegung, sondern einer politischen Entscheidung entsprang. Gleichzeitig verpflichtete die US-Regierung die privaten Haushalte in den USA per „Executive Order 6102“, ihre Goldbestände abzuliefern.

Diese historische Episode verdeutlicht: In einer Depression mit fixierten Wechselkursen oder Goldstandard bestimmt oftmals die Politik über den Wert der Wertmetalle – nicht allein das Spiel von Angebot und Nachfrage. Gleiches war auch in Europa während der napoleonischen Kriegen zu beobachten, als beispielsweise Österreich nach der verlorenen Schlacht von Austerliz seine Währung gegenüber dem Gold um 80 Prozent abwertete.

Was das für Anleger bedeutet

Für die Praxis lassen sich daraus drei Lehren ableiten. Erstens: Kurzfristige Rückschläge bei Gold und besonders bei Silber zu Beginn einer Krise sind kein Zeichen für ein Versagen der Wertmetalle, sondern Ausdruck einer allgemeinen Jagd nach kurzfristig verfügbarer Liquidität.

Zweitens: Wer die Edelmetalle physisch in Form von Münzen und Barren langfristig hält, profitiert historisch überproportional von der anschließenden Erholung. Diese Tendenz ist beim Silber nochmals stärker ausgeprägt als beim Gold.

Drittens: Gerade in stagflationären Szenarien, in denen eine Wachstumsschwäche auf eine anhaltende Inflation trifft, wie in den 1970er-Jahren, entfaltet das Silber sein größtes Potential, weil in diesem Fall die monetäre und die industrielle Nachfrage gleichzeitig steigen.

Wer sein Vermögen gegen die Unwägbarkeiten einer Rezession oder gar gegen die einer ausgewachsenen Depression absichern möchte, tut deshalb gut daran, Gold und Silber nicht als eine kurzfristige Spekulation zu sehen, sondern die beiden Edelmetalle als langfristigen Baustein der Vermögensdiversifikation zu betrachten.

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